Chronik | Oberösterreich
29.04.2018

„Marx machte die Arbeiter stark“

200 Jahre Karl Marx. Die Analysen des deutschen Philosophen werden von den Politikern bis heute geschätzt

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“

„Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.“

„Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.“

„Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“

Sätze wie diese sind heute noch immer aktuell. Der deutsche Philosoph Karl Marx, in Trier geboren, würde am kommenden Freitag, den 5. Mai seinen 200. Geburtstag feiern. Was bleibt von ihm? Hat er noch Aktualität?

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Linzer Bürgermeister Klaus Luger

Linzer Bürgermeister Klaus Luger: „Ein Teil der ökonomischen Analysen von Marx stimmt immer noch.“

Grüne Landessprecherin Maria Buchmayr

Grüne Landessprecherin Maria Buchmayr: „Ich finde die analytische Tiefe von Philosophen wie Karl Marx faszinierend.“

FPÖ-Landesobmann Manfred Haimbuchner

FPÖ-Landesobmann Manfred Haimbuchner: „Viele Linke, die gerne Marx zitieren, haben ihn bis heute nicht begriffen.“

Arbeiterkammerpräsident Johann Kalliauer

Arbeiterkammerpräsident Johann Kalliauer: „Marx war der Erste, der den Blick auf die Arbeiter gerichtet hat. Das ist sein Verdienst.“

Der Linzer Bürgermeister Klaus ist ein Marx-Experte, schließlich war er als Student beim Kommunistischen Studentenverband. „Ein Teil seiner ökonomischen Analysen stimmt noch immer“, sagte er im Gespräch mit dem KURIER, „zum Beispiel die Akkumulationsprozesse des Kapitals zu Oligopolen oder Monopolen.“ Vieles sei nach 150 Jahren natürlich nicht mehr richtig, aber die politsche Bedeutung bleibe hoch, auch wenn sie nicht mehr tagesaktuell wirke. „Er war der Begründer einer Schule, die die Geschichte in Europa und der Welt maßgeblich geprägt hat, zum Teil mit sehr positiven Auswirkungen. Ohne das Schreckgespenst des Kommunismus wäre die Entwicklung für die Arbeitnehmer nicht so positiv verlaufen.“ Andererseits habe es Fehlentwicklungen wie die undemokratischen Systeme in Osteuropa oder Mörderregime wie in Kambodscha gegeben.

Die Grüne Landessprechern Maria Buchmayr findet die „analytische Tiefe von Philosophen wie Karl Marx faszinierend. Marx begleitet mich seit meiner Jugend.“ Er habe Phänomene beschrieben, die heute so aktuell seien wie nie zuvor. „Auch wir werden uns wieder fragen müssen, wie wir das Verhältnis Mensch und Maschine gestalten wollen.“ Marx sei wissenschaftlich fundiertes Arbeiten wichtig gewesen, „das vermisse ich oft, wenn ich an die Diskussionen über den Klimawandel denke“.

Selbst für den FPÖ-Obmann Manfred Haimbuchner ist Marx eine „interessante Persönlichkeit“, den die Kommunisten falsch interpretiert hätten. „Er war eher ein Träumer, ein Romantiker, ein Freund des guten Lebens, der auch an Börse erfolglos spekuliert hat.“ Viele Linke, die gerne Marx zitierten, hätten ihn gar nicht begriffen.

Arbeiterkammerpräsident Johann Kalliauer sagt, manche von Marx’ Einschätzungen seien aktueller denn je. Die Kernkritik am Kapitalismus habe Aktualität. „Er war historisch der Erste, der den Blick auf die Arbeiter gerichtet hat.“ SPÖ-Vorsitzende Birgit Gerstorfer findet, dass die Bedeutung der Analysen ökonomischer Machtverhältnisse bis in die heutige Zeit reichen.