Jubiläum des Brucknerhauses: Schiefe Optik, gerade Töne

Ein Dirigent leitet ein Orchester mit Streichern und Bläsern auf einer Bühne.
Markus Poschner und das Brucknerorchester eröffneten den Jubiläumsreigen mit einem umjubelten Konzert im Brucknerhaus.

Trösterin Musik.“ Dieses Stück von Anton Bruckner, gesungen von den St. Florianer Sängerknaben, denen Anton Bruckner selbst angehörte, brachte die Stimmung am ersten Abend des 50. Jubiläums des Brucknerhauses in Linz auf den Punkt. 

Denn das monatelang geplante große Fest, das einen Meilenstein im heurigen Brucknerjahr markieren sollte, war vom Skandal um den nun freigestellten künstlerischen Leiter Dietmar Kerschbaum und den bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer Rainer Stadler, der ebenfalls freigestellt wurde, überschattet.

„Der Start war anders geplant“, räumte der neue kaufmännische Geschäftsführer Rene Esterbauer ein, der am Festwochenende seine Feuertaufe zu bestehen hatte. 

Brucknerhaus darf strahlen

Wobei schon die ersten Tage mehr ein Spießrutenlauf für ihn waren: „Ich nehme es sportlich und versuche, den Überblicke zu bewahren. Heute darf das Brucknerhaus strahlen.“

Ein Mann spricht am Mikrofon vor einem Plakat zum 50-jährigen Jubiläum des Brucknerhauses Linz.

Auch Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ), der sich als Aufsichtsratsvorsitzender seit Aufkommen der Vorwürfe gegen seinen Brucknerhauschef selbst immer wieder erklären muss, ob er die zuständigen Gremien ordnungsgemäß informiert hat und Kerschbaum nicht doch – in aller Freundschaft – zu viele Freiheiten gewährt hätte, räumte ein: „Ja, über diesem Jubiläum hängt ein Schatten, wir sind bemüht, alles restlos und transparent aufzuklären.“ 

Dabei gebe es „weder einen Persilschein noch eine Vorverurteilung“, ließ Luger die Affäre Kerschbaum nicht unerwähnt, ohne allerdings dessen Namen zu nennen: „Aber jetzt genießen wir das Fest, das ist unser gutes Recht.“

Das Ars Electronica Center in Linz spiegelt sich im Wasser.

Von der Stahl- zur Kulturstadt

Das Brucknerhaus, errichtet von 1969 bis 1974, stellt für Linz einen Wendepunkt im eigenen Selbstverständnis dar, „den Beginn einer neuen Ära“, wie es Luger zu beschreiben versuchte: „Mit dem Brucknerhaus wurden die Weichen in Richtung der Kulturstadt gestellt, die Linz jetzt ist.“

Dass in der Zeit das „Zentralverwaltungsgebäude“ (das neue Rathaus) und das Brucknerhaus gebaut wurden, rechnet er seinen politischen Vorgängern hoch an: „Beides war wichtig, Linz ist nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.“

Balsam auf die Seele

Schon das erste Jubiläumskonzert war – trotz einiger freier Stühle im Konzertsaal – ein Triumph für das Brucknerorchester unter der Leitung von Dirigent Markus Poschner. Auf die fiktiven – musikalischen – Briefe von Rudolf Jungwirth an Bruckner und Beethoven folgten Beethovens 8. und Bruckners 1. Sinfonie.

Ein Orchester spielt in einem Konzertsaal vor Publikum.

Der Samstag Abend steht ganz im Zeichen der Erinnerung an das Eröffnungskonzert im Jahr 1974. Dieses dirigierte Herbert von Karajan, gespielt wird am Abend (dirigiert von Zubin Metha) wie damals die 7. Sinfonie Anton Bruckners. 

Jene Sinfonie, die seinen Durchbruch markierte. Karajan hat dem Brucknerhaus eine außerordentlich gute Akustik attestiert, „er hat dem Haus den Heiligenschein der Akustik verliehen“, scherzte Luger. Was der Bedeutung des Hauses guttat und ihm international hohes Ansehen verlieh. 

Ein Ansehen, das im Moment ein wenig ramponiert ist. Die beiden Jubiläumskonzerte sind Balsam auf den Seelen der Verantwortlichen. Anton Bruckner wusste das längst: „Trösterin Musik.“

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