Linz und Dresden Hospots für die Energiewende
Landeshauptmann Stelzer und Martin Sigmund bei Siemens Energy
Dresden und Linz sind Hotspots der Energiewende – zumindest wenn es um Strom-Transformatoren geht.
„Der Ausbau der Windenergie und der Datencenter sorgt für eine große Nachfrage nach unseren Produkten“, sagte Martin Sigmund, Vizepräsident des Bereichs Transformatoren bei Siemens Energy (SE) bei der Visite einer Wirtschaftsdelegation unter Leitung von Landeshauptmann Thomas Stelzer im SE-Werk in Dresden. Sigmund ist auch verantwortlich für das Werk Linz, wo 300 Mitarbeiter Transformatoren für Kunden in 50 Ländern herstellen. In das Linzer Werk werden nun 60 Millionen Euro investiert.
Große Dynamik
Das Werk in Dresden liefert rund 130 Stück der tonnenschweren Geräte pro Jahr weltweit aus – unter anderem an die Windkraftindustrie. Die Kapazität soll, wie in Linz, deutlich ausgeweitet werden – bis 2030 auf 220 Stück. „Wir erleben eine unheimliche Dynamik des Marktes, getrieben von der Energiewende“, sagt Dresden-Leiter Franz Wollmann. Die mit Robotern und per Hand gefertigten Transformatoren erhöhen bzw. senken die Spannung von Strom, um eine optimale Übertragung zu ermöglichen. Mittlerweile ist auch Künstliche Intelligenz (KI) im Einsatz.
Siemens Energy ist spezialisiert für Stromnetze, das Bild zeigt Transformatoren
Mikroelektronik
Doch nicht nur bei Energietechnik ist Dresden ein Hotspot. Bei Mikroelektronik gehören die Sachsen zu Europas führenden Regionen. Mit Global Foundries (GF) steht unweit der Stadt Europas größtes Mikrochipwerk, in dem rund 15 bis 20 Milliarden Chips pro Jahr für Computer, Handys, Autos, Radar und Satelliten hergestellt werden. 14 Milliarden Euro wurden bisher investiert, weitere neun Milliarden sollen bis 2035 folgen, berichtet GF-Chef Manfred Horstmann.
Global Foundries gehört mehrheitlich Mubadala, dem Staatsfonds von Abu Dhabi. Aktuell werden in Dresden mit 3000 Mitarbeitern in Reinsträumen eine Million Wafer (Siliziumscheiben) pro Jahr zu Mikrochips verarbeitet – 2025 sollen es 1,7 Millionen sein. Das Werk baut auf einer jahrzehntelangen Mikroelektronik-Expertise in der Region auf, die auf DDR-Zeiten zurückgeht und vom späteren Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf in Betriebsansiedelungen „umgemünzt“ wurde. Tausende Firmen aus der IT-, KI-, und Halbleiterbranche haben sich seither in der Region angesiedelt: Aktuell gibt es 3650 Mikroelektronik-Unternehmen mit 81.000 Beschäftigten, berichtet Frank Bösenberg, Chef des Hightech-Netzwerkes „Silicon Saxony.“
Mit 698 Start-ups weist die Region das stärkste Wachstum deutschlandweit aus. Mit ESMC startet ab 2027 ein weiterer Mikrochipriese, zehn Milliarden Euro werden in ein neues Werk investiert. Hinter ESMC steht der Chip-Weltmarktführer TSMC aus Taiwan, auch Bosch, Infineon und NXP aus Holland sind an Bord. Viele Start-ups forschen im Bereich KI und Robotik – etwa Evasive Robotics, das Roboterarme für die Industrie konstruiert.
Innovation ist entscheidend
Stark ist Dresden auch in der Medizin, wo KI immer mehr zum Einsatz kommt – für Stelzer besonders interessant. So wird am Else Kröner Fresenius-Zentrum an besseren und effizienteren Diagnose- und Therapiemöglichkeiten geforscht. Stelzer sieht bei allen Verschiedenheiten einige Ähnlichkeiten der Regionen – vor allem bei den Herausforderungen. Das sind: Energiewende, KI, Automatisierung, Internationalisierung. „Wir sind beide starke Wirtschaftsregionen, die von der Industrie geprägt sind,“ so Stelzer.
Für ihn ist klar, „dass das alles bestimmende Momentum die ständige Innovation ist – bei gleichzeitigem Setzen auf die Stärken, die man hat.“ Für OÖ bedeute das: „Wir brauchen Hochofen und High Tech.“
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