Linz ist Mekka der Comic-Kunst

Das derzeit laufende, internationale „nextcomic festival“ setzt auf den Schwerpunkt Demokratie. Von Werner Rohrhofer.
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Linz steht wieder im Zeichen der Comic-Kunst, wobei diese heutzutage über die Zeichnung hinaus auch die Bereiche Film, Fotografie, Literatur und Musik umfasst. Das wird in der Neuauflage des „nextcomic festivals“ deutlich, das derzeit mit Zentrum im Linzer Ursulinenhof stattfindet und noch bis 28. März dauert.

In die Veranstaltungsreihe sind auch Traun und Steyr einbezogen. Waren Comics als lustige, abenteuerliche oder satirische Zeichnungen früher eine künstlerische Ausdrucksform vor allem der Jugend, so ist das Interesse daran heute auch altersmäßig breit gestreut, berichten der Erfinder des Festivals Gottfried Gusenbauer und dessen Kuratorin Katharina Acht. Auch inhaltlich setzt man bewusst gesellschaftliche Akzente, für heuer wurde das Motto „Meine Entscheidung, deine Entscheidung“ gewählt und damit das Augenmerk auf die Demokratie gelegt.

Golden Rain

"Golden Rain" von Melanie Schober in der Stadtgalerie Traun

Insgesamt sind in diesem Jahr rund 200 Künstlerinnen und Künstler mit etwa 850 Beiträgen unterschiedlichster Art an zwölf Standorten vertreten. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre rechnet man mit rund 15.000 Besuchern. Zentrum ist der Ursulinenhof in Linz, wo sich die Festival-Beiträge über drei Stockwerke verteilen. Hier gibt es unter anderem eine Wanderausstellung des „Comicfestival München“ mit dem programmatischen Titel „Demokratie verteidigen“. 30 internationale Künstlerinnen und Künstler präsentieren Arbeiten zu Meinungsfreiheit, politischer Verantwortung und den Herausforderungen demokratischer Systeme. Die Schau „Strich & Haltung“ weist den Karikaturisten und Illustrator Gernot Budweiser als präzisen Beobachter des politischen Zeitgeschehens aus.

David Fueheli

David Fueheli in der Stadtgalerie Traun

Die von der Österreichischen Gesellschaft für Comics kuratierte Ausstellung „Für was ist das gut?“ setzt sich mit der Entwicklung der Comics und Cartoons speziell in den 1990er-Jahren auseinander, während „Die ganze Wahrheit“ von Gerhard Förster und Heinz Wolf den „Wahnsinn der Comic- und Sammlerszene“ beleuchtet. „Phantom – ART:9“ hingegen richtet das Augenmerk auf einen der bedeutendsten Comic-Helden ab den 1930er-Jahren.

Traun und Steyr

Abgesehen vom Ursulinenhof steht eine Reihe anderer Kulturinstitutionen in Linz ebenfalls im Zeichen der Comic-Kunst im weitesten Sinn. Etwa das Atelierhaus Salzamt, wo Arbeiten der „Illustrationsladys Linz“ gezeigt werden, das Moviemento mit Beiträgen der FH Hagenberg aus dem Bereich der Digital Arts oder das Ars Electronica Center mit einer Tanz-Performance. In der Galerie der Stadt Traun wird eine große Ausstellung der japanischen Manga-Kunst – einer speziellen Form von Comics – gezeigt. Und im Kulturzentrum „röda“ in Steyr wird die Schau „music artworks“ mit Werken von Tom Gasperlmair präsentiert, der sich mit Plakaten für Konzerte, mit Plattenlabels und ähnlichen Arbeiten einen Namen gemacht hat. Den Abschluss bildet ein internationales Online-Comic-Symposium am 27. und 28. März, das sich mit dem Comic-Schaffen aus der Sicht der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung befasst.

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