Lisa Ecker und ihre Trainerin Johanna Gratt

© honorarfrei/Josef Ertl

Profi-Sport
05/15/2016

"Kunstturnen ist mein Lebenstraum"

Die Trainerin Johanna Gratt führt Lisa Ecker nach 16 Jahren harter Arbeit zur Olympiade nach Rio.

von Josef Ertl

Für die beiden geht nach 16 Jahren gemeinsamer, konsequenter Arbeit ein Traum in Erfüllung. Die 24-jährige Turnerin Lisa Ecker hat sich für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifiziert. Trainiert wird sie von der Ottensheimerin Johanna Gratt, die Lisa seit dem achten Lebensjahr betreut.

"Seit 2004 habe ich immer Athleten gehabt, die einer Olympia-Teilnahme nahe waren. Es hat aus verschiedensten Gründen nie geklappt, jetzt hat es funktioniert. Jetzt habe ich alles erreicht, was ich erreichen kann", erzählt die 50-jährige aparte Frau im Gespräch mit dem KURIER. "18 bis 20 Stunden am Tag beschäftige ich mich damit, wie man Turnen verbessern kann."

Eine Symbiose

Was fasziniert sie so? "Es ist die Turnkunst in Form von Musik, Bewegung, Akrobatik, Kraft, Schnelligkeit, Tanz und Ausdruck in einer Symbiose. Man kann durch Bewegungen etwas darstellen. Trotz verschiedener körperlicher Voraussetzungen kann man vieles schaffen. Der eine ist schnellkräftig, athletisch und in der Akrobatik toll. Er ist eher am Boden und kann zum Beispiel einen Doppelsalto mit einer ganzen Drehung springen. Während der andere wieder beweglicher ist und mehr Punkte beim gymnastischen Ausdruck bekommt. Der Dritte ist begabt, weil er sich am Reck die Schwingkraft zunutze macht. Mir gefällt, dass man aus jedem etwas herausholen kann. Der Körper zeigt zwar die Grenzen auf, aber als Trainer ist man gefordert, aus dem jungen Menschen etwas heraus zu holen."

Sie versuche die Sportler technisch gut zu schulen: zuerst die Rolle, das Rad, der Handstand. "Wenn sie das können merke ich, der tut sich ganz leicht am Boden, weil er zum Beispiel rückwärts springen kann. Dann sage ich ihm, probiere einmal das, versuche am Trampolin ein bisschen mit dem Salto zu springen usw. Wenn man ein Element hat, kommt das nächste dran. Wenn er den Handstand kann, versucht man, ihm einen Überschlag beizubringen. Dann versucht man den Überschlag mit dem Salto zu verbinden. Der Lernprozess geht immer weiter."

Start im Kindesalter

Warum müssen die Kinder bereits so früh mit dem Training beginnen? "Das motorische Lernalter liegt zwischen den neunten und 13. Lebensjahr. Die motorischen Fähigkeiten, die man sich da im technischen Bereich aneignet, bleiben viel länger erhalten und werden schneller erlernt als in späteren Jahren. Je mehr man hier abspeichert, umso stärker kann man später profitieren. Die Volksschulkinder haben bei uns schon einen Mindesttrainings-Umfang von neun bis zwölf Stunden in der Woche."

Wann und wie kann kann feststellen, ob ein Kind Talent hat? "Beim Turnen geht es um die Komponenten Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit. Die Leute würden sagen, das ist eine G’schickte. Die Turner sind eher spritzige, schnellkräftge Kinder. Ohne das elterliche und familiäre Umfeld ist keine einzige Sportart zu erlernen. Man wird einfach hinein geprägt. Wenn jemand zum Kind sagt, mach’ das in deiner Freizeit, dann wird das Kind das machen. Dann folgt entweder die Freude daran oder das Kind springt nicht an. "

Jung und alt zugleich

Warum beenden Sportler wie Lisa Ecker mit 24 Jahren nach der Olympiade ihre Karriere? "Diese Sportart ist sehr trainingsintensiv. Lisa trainiert seit vielen Jahren zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche. Der Urlaub ist mit zweieinhalb, drei Wochen beschränkt. Sie ist an vielen Wochenenden unterwegs. Sie hatte bereits schwere Verletzungen und hat sich immer wieder zurückgekämpft. Sie und ihr Körper sagen, sie möchten nun etwas anderes machen. Lisa hat ihre Ziele erreicht. Sie muss sich auch beruflich weiterentwickeln und will die Ausbildung zur Physiotherapeutin machen. 24 ist im Frauenturnen schon ein schönes Alter. Sie gehört zum älteren Drittel in der internationalen Spitze."

Bevor es soweit ist, steht für Rio noch dreimonatiges hartes Training auf dem Programm. Von Montag bis Samstag. Dazu kommen zwei Trainingslager im Ausland und einige Trainingswettkämpfe. Am 29. Juli reist Lisa mit dem Olympischen Komitee zu den Spielen. "Ich reise später nach, denn ich bin als Kampfrichterin eingesetzt."

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