"KI muss in die Unternehmen"

Das Wissen um die Künstliche Intelligenz (KI) ist da, doch es spießt sich bei der Umsetzung in Produktivität. Professor Sepp Hochreiter will ein Institut, in dem Firmen und Unis zusammenkommen. Von Karl Leitner.
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„Oberösterreich verfügt über exzellentes Wissen zur Künstlichen Intelligenz (KI), doch bei der Überführung dieses Wissens in Produktivität, wie von Politik und Wissenschaft gefordert, hapert es gewaltig: Viele Unternehmen, seien es kleine oder mittlere oder auch Industriebetriebe, stehen dem Thema nach wie vor skeptisch gegenüber.“

Sepp Hochreiter, KI-Pionier der Johannes-Kepler-Universität (JKU), sieht im KURIER-Gespräch nur zwei Möglichkeiten, wie man KI in die Firmen reinbringt: „Entweder man gibt ihnen ein Leckerli oder der Leidensdruck ist so hoch, dass sie von sich aus kommen.“

Aufgeschlossene Junge

Er warnt: „Viele Firmen merken nicht, wie wichtig KI für sie ist, um effizienter und damit im Wettbewerb stärker zu werden.“ Es werde geblockt – oft von oben, denn junge Mitarbeiter seien dem Thema viel aufgeschlossener und bringen es oft auch selbst in die Firma hinein. Das sei durchaus auch eine Mentalitätsfrage in Österreich, so Hochreiter: „Wir sehen, dass das in Südostasien und den USA ganz anders ist.“ Auch Frankreich und Großbritannien seien bei KI aufgeschlossener.

Für Plattform

Hochreiter wünscht sich ein Institut bzw. eine Plattform, bei der Firmen und Unis zusammenarbeiten. „Auch Firmen sollen sich dort untereinander über ihre KI-Erfahrungen austauschen,“ so der KI-Professor.

In dieselbe Kerbe schlug Wirtschaftswissenschafter Teodoro Cocca bei der Präsentation der nächsten Schritte der KI-Strategie des Landes: „Die Produktivität am Standort muss erhöht werden, indem die Innovationskraft der Hochschulen in die Wirtschaft überführt wird.“ Dazu sei nicht nur Geld von Risikokapitalgebern („Venture Fonds“) nötig. Cocca: „Wir haben zuletzt viele Gespräche geführt, nach München und Zürich geschaut und festgestellt: Entscheidend ist die Verzahnung von Talent, Innovation und Kapital. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Thomas stelzer

Cocca, Stelzer und Brandstetter (v.l.) bei der Präsentation der KI-Kampagne "WunderKInd". 

Auch in der Politik steht KI bei den Prioritäten ganz oben. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hebt immer wieder die Bedeutung von KI hervor. Mit der Kampagne „WunderKInd“ soll auf die Bedeutung aufmerksam gemacht werden. 

Eines dieser „WunderKInder“ brachte Stelzer gleich mit: Johannes Brandstetter, Mitgründer des auf physikalische Simulation spezialisierten JKU-Spin-offs Emmi AI, das KI-Lösungen für Kunden aus der Automotive- und Flugzeugbranche verkauft. Zuvor war Brandstetter für Microsoft in Holland tätig. Er sieht als positiv am Standort OÖ und Linz, „dass es hier top-ausgebildete Leute gibt und die Verteidigbarkeit des Talents (Bindung von Talenten an ein Unternehmen oder eine Region) sehr hoch sei. Die Industrie müsse aber annehmen, was Start-ups bieten. „Wenn die Wirtschaft nicht anfängt, heimische neue Technologien zu integrieren, dann schauen wir alt aus“, so Brandstetter zum KURIER. Er tue sich schwer damit, „dass unsere Technologie in Frankreich und Deutschland attraktiver ist als hier.“ 15 Millionen Euro konnte der Emmi-AI-Chef für sein Unternehmen bei Investoren als Anschubfinanzierung einsammeln. Mittlerweile beschäftigt Emmi AI 35 Mitarbeiter.

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