Unfall mit Böller (Symbolbild)

© APA/dpa/Sven Hoppe

Chronik Oberösterreich
03/20/2019

Kampagne nach tödlichem Böllerunglück zu Silvester

Land will Bewusstsein in der Bevölkerung über Gefährlichkeit von Feuerwerken schärfen.

von Wolfgang Atzenhofer

Für Mitte April wird in Oberösterreich der Prozess gegen den Feuerwerkshändler vorbereitet, der einem Jugendlichen eine tödliche Kugelrakete verkauft hatte. Der Tod des 17-jährigen HTL-Schülers David M. in Eberschwang im Innviertel zu Silvester, aber auch zahlreiche im Feuerwerksrausch Verletzte, beschäftigen in Oberösterreich indes weiterhin Politik und Behörden.

„Dramatische gesetzliche Verschärfungen beim Zugang zu Feuerwerkskörpern wird es vorerst nicht geben, weil es schon strenge Gesetze gibt. Aber wir werden Aktionen setzen“, kündigt Oberösterreichs Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek, FPÖ, an. Gleich mehrere Erkenntnisse habe jene Expertenrunde geliefert, die er aufgrund der dramatischen Silvester-Ereignisse einberufen hat, so der Landesrat. Sachkundige aus den Reihen der Polizei, der Feuerwehr und der Behörden berieten über Erfahrungen und Maßnahmen.

Internethandel

„Vor allem hat überrascht, dass illegale Böller nicht mehr hauptsächlich aus Tschechien importiert werden, sondern ein großer Teil online über das Internet bestellt wird“, schildert Podgorschek. Spezielle Polizeikontrollen auf den Einkaufsrouten aus Tschechien werde es in OÖ in den Wochen vor dem Jahreswechsel aber weiterhin geben, kündigte er.

Weil es aber unmöglich sei, jedes Feuerwerk im Land zu überwachen und zu kontrollieren, rieten auch die Experten von legistischen Verschärfungen ab. Podgorschek: „ Wir sind überein gekommen, dass greifbare Ergebnisse am besten mit intensiver Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung machbar ist“. Deshalb werde es Aktivitäten in diese Richtung geben, auch eine eigene Kampagne soll gestartet werden.

Trotz der tragischen Ereignisse und der offenkundigen Gefahr durch Pyrotechnik halten sich laut Podgorschek Gegner und Befürworter die Waage. „Wir bekamen etwa gleich viele eMails, die Böller verteufelt oder aber Einschränkungen abgelehnt haben“. Die Expertenrunde will der Landesrat noch ein weiteres Mal einberufen.

Ganz hat sich Podgorschek von der Idee, an der Gesetzesschraube zum Bezug von Böllern zu drehen, noch nicht verabschiedet: „Ich denke an eine Initiative, die jetzigen Bezugsrechte der 16-Jährigen auf 18 Jahre zu erhöhen. In dem Alter passieren die meisten Unfälle“, sagt er.

Wolfgang Atzenhofer