Michaela Spachinger

© Privat

Chronik Oberösterreich
12/24/2020

Ingenieurin, Jägerin und Landwirtin

Michaela Spachinger ist Landwirtin in Pasching. Die 40-Jährige setzt darauf, dass die Menschen den Bauern vertrauen und dass sie sich für ihre eigenen Anliegen einsetzen.

von Josef Ertl

Ein Auto nach dem anderen braust am Vierkanter vorbei, der Verkehr ist intensiv. Kein Wunder, die PlusCity ist vom Reiserbauern-Hof nur wenige Kilometer entfernt. Viele fühlen sich wegen des Lockdowns unter Zugzwang und wollen ihre Weihnachtseinkäufe erledigen. Zahlreiche Wildtiere kommen unter die Räder, sehr zum Leidwesen von Michaela Spachinger. „Das meiste Wild verlieren wir durch die Straße.“ Die 40-Jährige ist nicht nur gemeinsam mit einer Kollegin Ortsbäuerin von Pasching, sondern sie führt auch gemeinsam mit ihrer Schwester das kleine Revier, das neben den Freiflächen nur einen Hektar Wald umfasst. Pasching hat zwar 6.600 Einwohner und viele Betriebe, ist aber die waldärmste Gemeinde des Bezirkes Linz-Land.

Mit 25 Jahren hat Michaela den 40 Hektar großen Betrieb von ihren Eltern übernommen. Unterstützt von ihrem Mann Wolfgang (45), einem Elektroingenieur, der bei der Firma Trumpf technischer Einkäufer ist, baut sie Kürbisse, Zuckerrüben, Soja, Weizen und Mais an. „Wir sind in der zweiten Generation viehlos.“ Die Gründe rund um den Hof sind brettleben und gut zu bewirtschaften.

Innovative Bauern

In der Gegend von Eferding bis Wolfern haben sich 40 innovative Landwirte zum Anbau von Kürbissen entschlossen. Michaela Spachinger gehört dazu. „Wir kaufen das Saatgut gemeinsam, ebenso die Anbau- und die Erntemaschinen.“ Diese Geräte sind in der Lage, auf den Feldern die Kerne aus den runden, goldgelben Kugeln rauszupicken, die Schale und das Fruchtfleisch bleiben als natürlicher Dünger liegen. Die Kerne werden in Autoanhängern in die Steiermark zum Pressen gefahren. Ein Hektar Kürbis ergibt 500 Liter Öl, zwei Kilogramm Kerne machen einen Liter Öl aus. „Der Kürbis ist ertragreich. Er ist interessanter als Weizen, der das Unwirtschaftlichste ist, was man anbauen kann. Sein Preis ist vom Weltmarkt bestimmt. Bei den Kürbissen und bei den Zuckerrüben gibt es doch einen regionaleren Markt und andere Preisspannen.“ Ein Teil der Kürbis-Ernte geht an einen Aufkäufer, den anderen Teil vermarktet Spachinger selbst und verkauft ab Hof Kürbiskern-Öl und Kürbiskerne im Sackerl.

Noch wichtiger als die Kürbisse sind die Zuckerrüben. Die Flächen werden ausgeweitet, um damit einen Beitrag zur Rettung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf (NÖ) zu leisten, die akut vom Zusperren bedroht war. Auf den Feldern führt die AGES, die Agentur für Ernährungssicherheit, auch Versuche zur Verbesserung des Zuckerrüben-Saatguts durch.

Spezialistin für Böden

Michaela Spachinger ist Boden-Spezialistin. Nach der Absolvierung der HBLA in Linz-Elmberg begann sie in einem technischen Büro für Landwirtschaft und Umwelttechnik zu arbeiten, in dem sie heute noch mit knapp 20 Wochenstunden tätig ist. Sie fährt zu den Bauern raus, vor allem ins Innviertel, führt Bodenuntersuchungen durch, berät bei der Düngung und prognostiziert, welche Erträge zu erwarten sind. Sie arbeitet in einem Arbeitskreis der Landwirtschaftskammer mit, der sich mit Pflanzenproduktion beschäftigt. „Da treffen sich 20 Landwirte aus der Region ein paar Mal jährlich, wir gehen gemeinsam auf die Felder und besprechen, was gerade los ist. Da habe ich das Allermeiste gelernt.“

Kann die Familie von den Erträgen der Landwirtschaft leben? „Leben ginge sich vielleicht aus, aber wir könnten eine Generation lang nicht ins Haus investieren. Die darauf folgende Generation würde sich dann nicht derrappeln. Wir haben im Haus umgebaut, viel repariert, das war mir immer wichtig.“ Das Ehepaar hat mit Noah (14) und Paul (10) zwei Söhne.

Mitmachen und mitreden war Michaela Spachinger seit jeher wichtig. Deshalb engagiert sie sich und kandidiert bei der Wahl für den Landwirtschaftskammerrat am 24. Jänner. Sie unterstützt auch die Flurschutzgemeinschaft, die gegen die Verlegung der Westbahnstrecke zum Flughafen kämpft. Die geplante Schneise würde in unmittelbarer Nähe ihrer Felder vorbeiführen. Sie wehrt sich gegen den Flächenfraß der sich immer stärker ausweitenden Städte und will die Landwirtschaft erhalten.

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