Influencer Süss: „Jeder kann kochen. Weniger zu Fertigproudkten greifen.“
Dominik Süss mit einem Beef Tartare, der beliebtesten Vorspeise im Wirtshaus seiner Eltern.
Dominik Süss ist Koch, Influencer und, wie sich der 26-Jährige selbst bezeichnet, „Wirtsbua“ in Oberkappel (Bez. Rohrbach).
Hier hat er die Volksschule absolviert, in Hofkirchen die Hauptschule, dann war er ein Jahr an der Tourismusschule in Bad Leonfelden. Es folgte die Koch-Kellner-Lehre im Hotel Guglwald in Vorderweißenbach. „Das war zeitweise hart, aber ich habe da gelernt, wie man in der Spitzengastronomie arbeitet. Zu Hause ging es ein bisschen gemütlicher zu. Dann ging ich auf Saison, in Ischgl erlebte ich den Corona-Ausbruch. Da habe ich das erste Mal auf Social Media etwas gepostet.“ Heute hat er auf Instagram 170.000 Follower.
Anschließend führte ihn der Weg 2023 für neun Monate nach Kopenhagen, in die kulinarische Hauptstadt Europas. 2024 ging es für ein knappes Jahr nach Vancouver.
Das Gasthaus Süss wird von seinen Eltern geführt, der Betrieb mit 16 Mitarbeitern wurde kürzlich zu Oberösterreichs Kultiwirt 2025 gekürt, eine Auszeichnung, die er bereits 2008 erhalten hat. Dominick Süss ist selbstständig, er lebt von den Erlösen aus seiner Influencer-Tätigkeit.
KURIER: Warum sind Sie auf Instagram?
Dominik Süss: Ich möchte zeigen, dass jeder kochen kann. Die Leute sollten sich mehr zutrauen und weniger zu Fertigprodukten greifen. Es ist gesünder, es macht Spaß, man kann seiner Familie und seinen Liebsten etwas bieten. Viele Junge wissen nicht mehr, wie kochen geht, es ist wichtig, dass dieses Wissen nicht verloren geht. Älteren möchte ich neue Ideen mitgeben.
Darüber hinaus möchte ich ein Leuchtturm für die Lehre und die Gastronomie sein. In Österreich wird viel gejammert und geschimpft, im Ausland habe ich gesehen, wie gut es uns in Österreich geht. In der Gastronomie kann man in der ganzen Welt arbeiten, man ist durch die Ausbildung ein gefragter Mann. Man verdient gut, man bekommt ein Personalzimmer, man lernt neue Menschen kennen.
Was präsentieren Sie auf Instagram? Ich poste jeden Tag. die Hälfte sind Rezepte. Zum Beispiel das heiße Carpaccio. Wie wird das zubereitet? Ich präsentiere den 30-Sekunden-Küchentipp. Das sind kleine Tricks, die das Zubereiten und Kochen erleichtern.
Wie viele Follower haben Sie?
Auf Instagram sind es 170.000. Monatlich erreiche ich rund zehn Millionen Accounts (Benutzerkonten). Ich bediene auch noch die Kanäle Tiktok, Youtube und Facebook.
Wie aufwendig ist diese Arbeit?
Früher habe ich jeden Tag Videos gemacht. Damit war ich den gesamten Tag beschäftigt. Bei einem Gulasch beispielsweise dauert allein der Kochprozess drei bis vier Stunden. Für ein Video habe ich sieben bis acht Stunden benötigt. Jetzt habe ich diese Arbeit anders strukturiert. Ich mache alle zwei Wochen einen Drehtag, für den ich mir zehn bis 15 Gerichte überlege. Ich habe die Marketingagentur adSpice für Gastronomie und Tourismus gegründet. Unsere Kamerafrau Sarah kommt, wir machen die Videos und Fotos. Sie schneidet das und dann geht das online.
Diese Social-Media-Auftritte sind arbeitsmäßig aufwendig, was bringt Ihnen das?
Ich kann Menschen von Jung bis Alt inspirieren. Meine Zielgruppe ist von acht bis 88. Wenn ich mit Silvia Schneider koche, ist ein älteres Publikum vor dem Fernseher. Bei Social Media ist es jünger, bei Tiktok ganz jung. Kürzlich hat mich ein 12-Jähriger angesprochen, der mir erzählt hat, dass er sich die Videos ansieht und die Gerichte nachkocht. Er will eine Koch-Lehre machen. Das freut mich.
Sind Sie ein klassischer Influencer? Wie verstehen Sie sich selbst?
Der klassische Leser versteht Koch-Influencer am leichtesten. Aber es ist viel mehr. Wenn ich im Fernsehen bin, bin ich ein TV-Koch. Ich bin Kochbuchautor („Dominik Süss – einfach, herzhaft & süß“, Brandstätter-Verlag), ich habe Bühnenauftritte, ich bin über adSpace Marketingexperte für Wirtshäuser und Restaurants. Meine Arbeit ist mittlerweile sehr vielschichtig. In erster Linie bin ich ein Wirtsbua.
Erzielen Sie durch die Social-Media-Auftritte Erlöse?
Klar. Billa will zum Beispiel durch Zeitungsinserate ein neues Produkt lancieren, zum Beispiel das Bioweiderind. Billa will von mir ein Rezept, ich poste das mit meiner Reichweite mit einem Video. Das kostet Geld.
Welche Erlöse erzielen Sie dadurch monatlich?
Die Monate sind sehr unterschiedlich. Am stressigsten ist die Zeit vor Weihnachten. Im Sommer ist es deutlich ruhiger. Ich mache nicht so viele klassische Influencer-Kooperationen, sondern suche langfristige, starke Partner. Mit Schärdinger arbeite ich zum Beispiel das gesamte Jahr zusammen. Es sollen alle drei davon profitieren. Die Marke will ihre Kunden erreichen, ich will Mehrwert für den Leser und Zuseher in Form von Rezepten, der dadurch sein Leben erleichtert.
Können Sie finanziell davon leben?
Ja. Mir geht es gut, ich bin sehr zufrieden. Ich kann mir meine zwei Schnitzel am Tag kaufen.
Ich war soeben in Kenia, da haben wir mit einem Spendenprojekt von 45.000 Euro den Erweiterungsbau einer Schule und einen Spielplatz finanziert. Wir sind eine Gruppe von 26 oberösterreichischen Unternehmern. Wir haben bereits früher Spendenprojekte in Ruanda finanziert, Schulen und Kindergärten. Wir haben Charity-Schürzen kreiert, die in Ruanda hergestellt werden. Mit dem Kauf einer Schürze können wir einem Kind ein Monat lang Frühstück und Mittagessen finanzieren. Diese Schürzen gibt es bei mir im Shop.
Sie finden, dass viele in Österreich nicht wissen, wie gut es ihnen im Vergleich zu vielen Ländern in der Welt geht. Wo machen Sie das fest?
Wenn ich den Wasserhahn aufdrehen, kommt sauberes Wasser heraus, das ich trinken kann. Das ist sehr viel wert. Wenn ich morgens aufstehen, schreibe ich mir drei Dinge in ein Buch, wofür ich dankbar bin. Das sind oft kleine Dinge, wie dass ich mich duschen kann. Dann gehe ich viel glücklicher durch den Tag. Was soll mich erschüttern? Wir sollten uns nicht sorgen, was wir nicht haben und was der Nachbar hat. Wir sollen zufrieden sein mit dem, was ist. Dann geht es uns richtig gut.
Dominik Süss gibt Kochtipps
Sie haben bei Ihrem Auftritt bei Loxone in Kollerschlag die Zuhörer aufgefordert, mutig zu sein und nach vorne zu schauen. Die Situation ist tatsächlich schwierig, in der Industrie gehen Arbeitsplätze verloren, Europa ist im weltweiten Vergleich im Abstieg begriffen. Worauf gründet sich Ihr Optimismus?
Das, was ist, können wir kaum verändern. Wir sind im Gesamten nur kleine Zahnräder. Es geht darum, wie wir damit umgehen. Wir können aber etwas für die Zukunft beitragen. Wir können die Dinge positiv sehen und sagen, wir schaffen das. Oder wir sagen, alles wird schlechter, alles geht den Bach runter. Das ist aber nicht die Realität. Wer musste in den vergangenen Monaten wirklich harte Einschnitte hinnehmen?
Wir müssen gar nicht so lange zurückdenken. Damals haben die Menschen nicht so gut und so schön gelebt wie heute. Wenn wir ehrlich sind, geht es uns immer noch sehr gut. Dafür sollten wir dankbar sein. Wir dürfen uns nicht ausruhen, wir müssen fleißig sein. Aber das dürfen wir mit Optimismus tun. Wir sollten zusammenhelfen, dann sind wir gestärkt. Dann sind wir voll in unserer Kraft.
Sie haben eine starke ethische Haltung. Worauf gründet sie?
Es gibt Sprichwörter wie Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück. Den Samen, den wir säen, ernten wir. Zuerst muss man säen. Wenn wir andere groß machen und ihnen helfen, kommt automatisch etwas zurück. Das, was man gibt, verdoppelt sich. Denn es macht einem selbst auch Freude. Seit ich die Unterstützung in Afrika mache, kommt auf anderen Wegen viel mehr zu mir zurück. Es gibt Größeres als uns selbst. Vor 15 Jahren habe ich in der Hauptschule den Spruch gelesen, give more than you take, and love more than you hate.
Wo wollen Sie hin? Was sind Ihre Ziele?
Ich habe sehr viele Ziele. Beruflich, privat, für meinen Körper. Ich war heuer mit meinen Freunden auf einer Hütte am Hochkönig. Ich schreibe da meine Ziele nieder und vergleiche, was hat im vergangenen Jahr funktioniert und was nicht und welche Ziele haben sich geändert.
Was haben Sie notiert?
Beruflich möchte ich meine eigene Gewürz-Linie machen. Die wichtigsten fünf, sechs Gewürzmischungen, mit denen man viel machen kann. Anfang Sommer soll sie starten. Ich habe vor Weihnachten ein eigenes Messer kreiert, das 127 Euro kostet. Jeder benötigt in der Küche ein gutes Schneidemesser. Die Reaktionen waren sehr positiv. Es macht mir Freude, eigene Produkte zu kreieren. Das sollen langlebige Dinge sein. Videos sind vergänglich.
Privat ist mir körperliche Fitness wichtig. ich will heuer mindestens 150 Mal Sport machen. Vergangenes Jahr habe ich das nicht geschafft. Ich möchte beispielsweise rund um die beiden Ranna-Stauseen laufen. Bewegung und Natur sind auch für den Geist wichtig. Selbst wenn das Aufraffen zum Sport oft schwierig ist, fühlt man sich nach der Aktivität viel besser.
Werden Sie das Gasthaus Ihrer Eltern einmal übernehmen?
Das ist offen. Meine Eltern sind noch jung. Ich habe noch zwei Geschwister. Lukas ist 22 und Sommelier beim Stanglwirt in Kitzbühel. Selina macht heuer die Matura in Linz. Sie arbeitet jedes Wochenende zu Hause mit.
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