Chronik | Oberösterreich
02.12.2018

„Ich seh’ so viele Naserl, und überall sind Kinder dran“

Wenn Sie und Ihre Kinder einen wunderbaren Nachmittag erleben wollen, besuchen Sie das Puppentheater im Linzer Kuddelmuddel.

„Ich seh’ so viele Naserl, so viele Naserl und überall sind Kinder dran. Und ich seh’ so viele Augerl und alle seh’n den Kasperl an. Meine Kasperl-Kinder sind da. Seid ihr eigentlich schon alle da?“ Und alle Kinder rufen ganz laut und lange: „Ja!!!!!!!!!!!“ Der Kasperl: „Das ist aber fein. Wenn ihr alle da seid und der Kasperl da ist, dann kann die Geschichte ja beginnen.“

Basti, der Drache

Musik. Der Kasperl: „Ah, da kommt ja der Basti. Der Basti ist ein grüner Drache.“ Basti betritt singend die Bühne: „Ich bin der kleine Bastelmann. Alle hören mir gern zu. Doch fang’ ich zu singen an, hört mir niemand zu. Weil ich gar nicht singen kann. Tralala, tralali, tralalu.“ Die Kinder lachen. „Und ich schicke Euch ein dickes Drachenbussi. Wollt ihr noch eins?“ „Jaaaaaa“, rufen die Kinder.

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Kuddelmuddel

Der Kasperl und Basti, der Drache, mit Hut

Kuddelmuddel

Die Kinder leben voll mit

Das Linzer Puppentheater ist unterhaltsamer und emotionaler als jede Erwachsenenbühne. Die Kinder sind ergriffen, leben voll mit, rufen dem Kasperl zu, warnen ihn.

„Meistens sind meine Urenkelkinder Tobias und Emilia die Ideengeber“, erzählt Christa Koinig, die das Linzer Puppentheater vor fast 50 Jahren gegründet hat. Die 71-Jährige schreibt alle Stücke selbst und ist die Seele des Kasperltheaters, das im Kuddelmuddel (Linz, Langgasse 13) beheimatet ist. Sie ist für die Technik verantwortlich, sie baut die Bühne und die Kulissen, sie verleiht Figuren wie dem Kasperl ihre Stimme. „In jedem Stück ist eine Botschaft drinnen. Es sind keine Fingerzeige-Stücke, sondern eher lustige Botschaften.“ Wie zum Beispiel nicht zu schwindeln. Nicht zu behaupten, sich den Finger eingeklemmt zu haben, um nicht beim Abwaschen helfen zu müssen. „Es ist aber dann kein Problem, wenn man zugibt, dass man geschwindelt hat.“

Mutter- Tochter-Enkel

Christa Koinig weiß aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, an welchen Stellen die Kinder wie reagieren. „Das Kasperltheater lebt auch von der Hilfe der Kinder. Die braucht es“, sagt Romana Philipp, die 34-jährige Enkeltochter von Christa. Sie spielt ebenfalls mit. Das Linzer Puppentheater wird von der Familie Koinigs getragen. Ihre Tochter Bettina Stadlbauer, die hauptberuflich Landesgeschäftsführerin der SPÖ ist, ist auch mit dabei, soweit es ihr voller Terminkalender zulässt. Die gesamte Familie ist mit dem Engagement von Koinig im Puppentheater groß geworden, die Liebe dazu ist geblieben.

Der Zeitaufwand ist erheblich. Jeden Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag wird um 15 Uhr gespielt, Sonntags zusätzlich um 11 Uhr. Kommenden Mittwoch, am 5. Dezember gibt der Fernsehkasperl aus Wien ein Gastspiel. Heute, Sonntag, ist die Premiere des Stücks „Der Kasperl und das Weihnachtsmärchen.“

„Der Kasperl ist der Held, er weiß alles“, sagt Bettina Stadlbauer. „Man kann ihn immer fragen, wenn man Rat braucht, er weiß, was zu tun ist. Er ist fast ein sympathischer Besserwisser“, ergänzt ihre Tochter Romana. „Er steht über den Dingen.“ „Der wahre Liebling der Kinder ist eigentlich der Seppy, weil er ein bisschen frech und ein Lauser ist.“ Bettina: „Der Kasperl ist fast unfehlbar, der Seppy hat hingegen Fehler.“

„Wir haben 1970 zum dritten Geburtstag von Bettina das erste Mal gespielt“, erinnert sich Christa Koinig. „Puppentheater hat mich immer schon fasziniert. Schon als Kind bin zu den Matineevorstellungen am Vormittag gegangen. Da sind Kasperlfilme gespielt worden. Ich habe mir gedacht, wenn ich einmal groß bin, möchte ich das auch können.“ Ihre heute 97-jährige Mutter hat Christa motiviert, einen Puppenbaukurs zu besuchen.

Damit begann die Erfolgsgeschichte des Linzer Puppentheaters. www.puppentheater.at