Chronik | Oberösterreich
13.01.2019

„Ich rede nicht nur, sondern ziehe auch Konsequenzen“

Die grüne Landessprecherin Maria Buchmayr, obwohl erst 48 Jahre alt, macht Jüngeren Platz. Sie sieht den Schritt als ihren Beitrag zur Erneuerung.

Maria Buchmayr (48), stellvertretende Klubobfrau und seit sechs Jahren Landessprecherin der Grünen, macht im April Jüngeren den Platz frei.

KURIER: Ist Ihr Abgang als Landessprecherin ein Schritt zur personellen Verjüngung, den die Grünen angekündigt haben?

Maria Buchmayr: Die Entscheidung ist über mehrere Monate gereift. Zum einen ist die inhaltliche Arbeit ist etwas zu kurz gekommen, denn als Landessprecherin hat man sehr viel Innerparteiliches zu leisten. Nach den Turbulenzen der verloren gegangenen Nationalratswahl hat das noch zugenommen. Der Natur- und Umweltschutz ist eines meiner Herzensthemen, dem will ich mich ganz widmen. Das zweite Thema ist die Frauenpolitik. Ich bin auch Vorsitzende der Grünen Frauen.

Weiters wurde nach der Wahl darüber gesprochen, dass wir neue Gesichter brauchen, damit wir einen neuen Schwung bekommen. Ich bin eine, die nicht nur davon redet, sondern das auch tut. In meinen sechs Jahren sind sehr viele neue Gesichter dazu gekommen. Es sind talentierte junge Menschen, wo ich mir denke, es ist ein guter Zeitpunkt, die Funktion zu übergeben.

Die jungen Gesichter in Oberösterreich sind fast ausschließlich Männer.

Es gibt die Frauen auch.

Wer sind sie?

In Wels gibt es zum Beispiel die Stefanie Rummerstorfer. In Linz Eva Schobesberger oder Ursula Roschger. Aber es gibt auch Nachholbedarf. Es ist sicher eine meiner Aufgaben als Frauenvorsitzende, Frauen auf allen Ebenen zu stärken.

Wer soll Ihnen als Landessprecherin nachfolgen? Vermutlich eine Frau.

Das kann man in dem Fall nicht so sagen. Wir wählen im April einen neuen Vorstand und eine/n Landessprecher/in. Ich will jetzt keine Namen nennen. Wir haben genügend Personalressourcen, sodass man sich um die Zukunft der Grünen keine Sorgen machen muss.

Werner Kogler (57) ist Spitzenkandidat der Grünen für die Europawahl. Er ist mit 18 Jahren als Nationalratsabgeordneter ein alter politischer Hase, den man nicht wirklich als personelle Erneuerung sehen kann.

Wir haben noch vor Weihnachten eine Umfrage durchgeführt, bei der Kogler hervorragende Werte erhielt. Viel bessere als Andreas Schieder von der SPÖ und bessere als Othmar Karas. Ein besseres Feedback als Kogler kann ein Kandidat kaum bekommen.

Ein ähnlicher Fall ist Landesrat Rudolf Anschober, der ebenfalls gute Werte bei den Umfragen erzielt und mit seiner 30-jährigen Tätigkeit auch nicht als personelle Erneuerung bezeichnet werden kann. Es wird zwar von personeller Erneuerung geredet, es bleiben aber die Alten in den Spitzenfunktionen.

Die Entscheidung nicht mehr zu kandidieren, ist meine höchstpersönliche. Ich kann sie auch nicht für andere treffen, das macht jeder mit sich selbst aus. Anschober ist ein hervorragender Politiker. Seine Integrationspolitik muss ihm erst einmal eine r nachmachen.

Als ich Anschober auf das Thema Wiederkandidatur 2021 angesprochen haben, hat er den grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, ins Gespräch gebracht, der nun 70 Jahre alt ist. Möglicherweise schicken ihn die Grünen 2021 mit 73 Jahren neuerlich als Spitzenkandidaten ins Rennen. Im Vergleich mit Kretschmann ist Anschober ja noch ein Jüngling.

(lacht). Das kann man so sagen.

Folglich könnte Anschober 2021 nochmals als Spitzenkandidat antreten?

Er ist eine Galionsfigur der Integration und der Umweltpolitik. Er hat zur Zeit der Koalition mit der ÖVP Meilensteine gesetzt, was jetzt von Schwarz-Blau kaputt geschlagen wird. Manfred Haimbuchner hat im Wohnbauressort alle Förderungen gestrichen, die einer Energiewende zu gute kämen.

Die Entscheidung, ob er nochmals antritt muss Anschober zuerst für sich treffen. Dann gibt es Parteigremien, die darüber beratschlagen.Wir haben dafür neue Parteistatuten, auf deren Zustandekommen ich stolz bin.

Der Schönheitschirurg Artur Worseg sieht unsere Gesellschaft am absteigenden Ast und absteigende Gesellschaft seien immer dekadent, meint er. Im Interview mit dem Standard sagte er: „Es gibt Werteverluste, Zukunftslosigkeit, Persönlichkeitslosigkeit. Hinzu kommt die gefährliche Mischung der Kulturen und Nationalitäten – eine Zeitbombe. Denkt man heute mit gutem Gefühl 20 Jahre voraus in die Zukunft? Nicht wirklich.“ Was denken Sie sich, wenn Sie solche Sätze hören?

Das ist nicht nur pessimistisch, sondern auch respektlos der Gesellschaft und den Menschen gegenüber. Das ist nicht menschenfreundlich, und das von einem Arzt, der das Wohl der Menschen im Auge haben sollte. Natürlich gibt es Problembereiche und Entwicklungen, die man diskutieren und verbessern muss. Aber so eine generell pessimistische Sicht ist ein sehr fragwürdiger Ansatz. Man sollte einen positiven Zugang und eine positive Vision finden und sie vorantreiben.

Glauben Sie, dass es den Menschen in 20 Jahren besser gehen wird als heute?

Das hängt stark davon ab, wie wir als verantwortungstragende Generation mit unserer Zukunft umgehen. Wenn wir das machen, kann man auch in 20 Jahren sehr gut leben. Nachhaltigkeit wird ein ganz wichtiges Prinzip sein. Wir werden im Klimaschutz jetzt die Kehrtwende vollziehen müssen.

Der deutsche Grünen-Chef Robert Habeck verabschiedet sich nach einem Hackerangriff von den sozialen Medien Facebook und Twitter. Ernsthafte Experten vertreten ebenfalls die Meinung. Wie sehen Sie diese Debatte?

Die Gefahren sind bekannt. Man muss die Sache differenziert sehen. Auch hier ist der verantwortungsvolle Umgang das Um und Auf. Ich will die Sozialen Medien nicht in Bausch und Bogen ablehnen. Sie erlauben nämlich auch Möglichkeiten des Vernetzens, des Kontakthaltens und der Kommunikation, die sehr positiv zu bewerten sind. Ich persönlich kann dadurch beispielsweise mit vielen Freundinnen aus der Schulzeit Kontakt halten. Das wäre früher undenkbar gewesen. Ich sehe das auch bei meinen Kindern. Das schlägt sich auch im realen Leben nieder, weil sie sich zusätzlich noch treffen. Ein Missbrauch ist natürlich abzulehnen und zu unterbinden.