Andreas Hochmeir, Pfarrer von Wallern (OÖ)

© Hermann Wakolbinger

Chronik Oberösterreich
04/28/2019

Hochmeir: Von fünf Diözesen für die Bischofswahl nominiert

Die Fähigkeit, die verschiedenen Gruppen zusammen zu führen, könnte den Pfarrer von Wallern zum Sprung auf den Bischofsstuhl verhelfen.

von Josef Ertl

Andreas Hochmeir ist Pfarrer der evangelischen Pfarre Wallern (Bez. Grieskirchen). Der 44-Jährige, der in St. Marienkirchen an der Polsenz aufgewachsen ist, stellt sich am kommenden Samstag der Bischofswahl. Neben ihm bewerben sich Michael Chalupka, der ehemalige Direktor der Diakonie, und Manfred Sauer, der evangelische Superintendent von Kärnten, für die Nachfolge von Michael Bünker. Der evangelische Bischof ist für Gesamtösterreich zuständig.

KURIER: Ihre Kandidatur kommt überraschend. Warum treten Sie an?

Andreas Hochmeir: Ich habe das nicht von mir aus gemacht. Ich wurde in letzter Zeit aus verschiedenen Bundesländern gefragt. Im Reich Gottes soll man sich nicht selbst ins Licht stellen.

Sie sind also verschiedenen Leuten aufgefallen?

Ja, genau. Ich bin seit 2015 Mitglied der gesamtösterreichischen Synode. So groß ist die evangelische Kirche nicht, man kennt sich unter den Kolleginnen und Kollegen.

Sie haben sich gedacht, warum eigentlich nicht, ich habe nichts zu verlieren?

Ich habe mir die Frage stellt, was könnte ich einbringen? Was ist mir wichtig? Wo sollte man Akzente setzen?

Sie gelten von den drei Kandidaten eher als Außenseiter. Stört Sie das?

Medien brauchen gewisse Zuschreibungen, sie wollen auch eine Geschichte erzählen. Das ist für mich okay. Nachdem ich österreichweit nicht so bekannt bin, bin ich Außenseiter. Von den Nominierungen her kann man das nicht so sagen, immerhin haben fünf von sieben Diözesen die Nominierung unterstützt. Ich bin vom Burgenland, Niederösterreich, Salzburg, Tirol, Steiermark und Oberösterreich nominiert worden. Ich kann mit der Außenseiterrolle leben.

Was sind Ihre Stärken? Warum haben die Diözesen gerade Sie nominiert?

Ich habe eine reiche Erfahrung in den Pfarren. Ich weiß, wie es den Gemeinden geht. Ich kenne die Herausforderungen an die Pfarrerinnen und Pfarrer. Ich habe zwölf Jahre Gemeindeerfahrung in Oberösterreich und bin seit 2012 stellvertretender Superintendent.

Der zweite Punkt ist, dass ich verschiedene Lager integrieren und verbinden kann.

Wofür stehen Sie? Wie definieren Sie sich selbst?

Ich komme aus der Mitte der Kirche. Es ist auch wichtig, aus der Mitte des Glaubens zu kommen, damit man weiß, wo das eigene Fundament ist. Ich bin ein Kind der alten evangelischen Familien dieser Gegend, ich bin ein Kind des Geheimprotestantismus, weil meine Vorfahren alle aus dem Geheimprotestantismus kommen. Die Wurzeln reichen in die Reformationszeit zurück. Es gibt Kraft, wenn man weiß, dass man in durch schwierigen Situationen durchgetragen worden ist und nicht bei jedem kleinen Gegenwind umfällt. Wenn man weiß, wer hinter einem steht, dann kann man sich auch positionieren.

Was sind Ihre Stärken?

Ich glaube, ich kann gut zuhören. Ich habe Kontakt zu den verschiedensten Leuten. Es ist mir wichtig, auf möglichst viele zuzugehen. Wichtig ist mir auch, dass man Dinge durchzieht und an wichtigen Dingen dranbleibt.

In welcher Situation befindet sich die evangelische Kirche Österreichs? Was ist die Hauptaufgabe für den neuen Bischof?

Es geht momentan um eine Stärkung nach innen. Es gibt Diskussionen, die doch aufgewühlt haben. Trotz unterschiedlicher Meinungen sollten wir an einem Strang ziehen. Das gemeinsame Fundament ist der Glaube an Jesus Christus. Wichtig ist gemeinsam eine Vision zu entwickeln, wohin es in Zukunft geht. Sie soll aus der Mitte des Glaubens kommen, was sich nicht nur in der Frömmigkeit äußert, sondern ganz praktisch wird: praktizierte Nächstenliebe. Glaube und Diakonie gehören zusammen. Wir sollten Angebote schaffen für Menschen, die quasi am „religiösen Markt“ sind. Menschen ohne Bekenntnis sind die zweitgrößte Gruppe in Österreich.

Die Ehe für alle hat in der evangelischen Kirche für kontroversielle Diskussionen gesorgt. Welche Position vertreten Sie hier?

Die Ehe für alle ist von den Gemeinden in Oberösterreich mehrheitlich abgelehnt worden. In der Synode und im theologischen Ausschuss hat man dann ein gemeinsames Papier verfasst, in dem man gesagt hat, dass die Ehe in der evangelischen Kirche eine Verbindung von Mann und Frau ist, dass es aber einen öffentlichen Dank- und Segnungsgottesdienst für homosexuell getraute Paare geben soll. Diese Beziehung wird als eheanalog gesehen. Mit diesem Beschluss hat sich österreichweit eine große Mehrheit identifiziert. Für Gemeinden, die da nicht mitkönnen, gibt es die Möglichkeit, dass man diese Form nicht einführt.

Der Verfassungsgerichtshof hat auf staatlicher Ebene für die Ehe für alle entschieden. Warum tun sich die Kirchen hier so schwer?

Hier spielt das unterschiedliche Schriftverständnis eine Rolle. Eine Kirche bezieht sich auf andere Grundlagen. Man ringt darum, was die gemeinsame Basis ist und wie geht man in menschenfreundlicher Weise mit homosexuellen Paaren um. Man hat einen guten Beschluss gefasst.

Ein weiteres aufwühlendes Thema war die Streichung des Karfreitags als Feiertag.

Das war sehr schmerzhaft, weil es ein Herzstück des evangelischen Glaubens ist. Die Gleichberechtigung ist für die Protestanten geschichtlich sehr spät gekommen.

Die Streichung des Feiertags ist ein Rückschritt.

Es ist ein Rückschritt, der auf einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs beruht, dass es für Minderheiten keine zusätzlichen Feiertage geben kann.

Die Feiertagsregelung kann durchaus auf nationaler Ebene entschieden werden, das braucht keine europäische Ebene. Es gibt viel gravierendere Themen, die EU-weit geregelt werden sollen.

Das ist das eine. Aber wenn man einer Minderheit einen Feiertag zugesteht, sollte das auch für alle anderen Minderheiten gelten. Der Feiertag, der in den 1950-er Jahren eingeführt worden ist, ist nicht vom Himmel gefallen. 1955 wurde der 8. Dezember als Marienfeiertag eingeführt. Maria hatte für die Habsburger in der Bekämpfung der Protestanten eine besondere Schutzrolle. Als die Protestanten 1660 besiegt waren, hat man in Wien eine Mariensäule errichtet. Der 8. Dezember war Teil des Konkordates und wurde von den Nationalsozialisten abgeschafft. 1,5 Millionen Österreicher haben nach dem Krieg für di e Wiedereinführung unterschrieben. Drei Abgeordnete aus alten evangelischen Regionen haben durchgesetzt, dass die Protestanten angesichts der Geschichte und des Leides, das ihnen zugefügt worden ist, am Karfreitag ihren Feiertag bekommen haben.