Chronik | Oberösterreich
28.11.2018

Gletschereis am Dachstein schrumpft rasch

5,2 Millionen Kubikmeter Eis gingen heuer verloren. Sorge bei Energiekonzern um Wasserspeicher.

Eine nach dem Hitzejahr nicht überraschende, aber trotzdem dramatische Bilanz ziehen Forscher über diesjährige Gletscherschmelze auf dem Dachstein. Lediglich der sehr schneereiche vergangene Winter verhinderte, dass der Verlust an Gletschereis nicht neue Rekordwerte erreichte.

„Wenn diese Intensität an Wärme und Sonneneinstrahlung anhält, wird in zehn bis fünfzehn Jahren fast nichts mehr vom Gletscher da sein“, resümierte Meteorologe Klaus Reingruber von Wetterdienst Blue Sky. Seit 2007 am Dachstein jährlich der Rückgang der Gletschermasse dokumentiert wird, stellten die Wissenschafter heuer den drittgrößten Verlust fest. Insgesamt sind 5,2 Millionen Kubikmeter Eis abgeschmolzen, was dem Jahreswasserverbrauch der Städte Wels und Steyr entspricht.

Geschwindigkeit

Es ist das Tempo, mit dem heuer mächtige Schneelager weggerafft wurden, das Reingruber Sorgen bereitet. Noch Ende April konnte er seine Messung in einem über sechs Meter tiefen Schneeloch verrichten. „Innerhalb von vier Monaten ist die Schneedecke von 6,7 Meter auf null weggeschmolzen“. Damit war das blanke Eis der Wärme ausgeliefert. Sommer und Herbst waren nicht nur sehr heiß, sondern auch extrem trocken. An den Randzonen des Hallstätter Gletschers, der einer von drei Eismassiven am Dachstein ist, gingen bis zu 4,5 Meter dicke Eisflächen verloren. Der Durchschnittsverlust betrug 1,8 Meter.

Mit Sorge wird die Entwicklung auf dem Gletscher von den Auftraggebern des Projekts, dem Land OÖ und der OÖ Energie AG beobachtet. Der Gletscher speist die Traun, an der die Energie AG 16 ihrer 44 Wasserkraftwerke betreibt. Deren Stromproduktion sei im Sommer wegen der Trockenheit um 50 Prozent eingebrochen, erklärte Generaldirektor Werner Steinecker. Wird der Schnee- und Eisspeicher auf dem Berg immer schwächer, bedeutet das dramatische Auswirkungen auf die Energieversorgung. Umweltlanderat Rudi Anschober, Grüne, fordert anhand der Gletscherbilanz vom Bund einen ambitionierten Klimaschutzplan.

Wolfgang atzenhofer