Geothermie: Wärme aus 2.600 Metern Tiefe
Friedrich Pöttinger, Geschäftsführer von Energie Ried (ER), kann sich ein Lächeln nicht verkneifen: „Wir sehen, dass jetzt wieder die Anfragen reinkommen und es nicht schnell genug gehen kann, einen Anschluss zu bekommen.“ Pöttinger spricht von der Geothermie, mit der die Energie Ried rund 60 Prozent der Haushalte in der Innviertler Stadt beheizt.
Auf 56 Grad runtergekühlt
Das 105 Grad heiße Wasser wird aus 2.600 Metern Tiefe gewonnen, wobei es bis 150 Meter von selbst nach oben drückt und dann hochgepumpt wird. Nachdem es einen Wärmetauscher durchläuft, in dem es auf 56 Grad abgekühlt wird, wird es in die Tiefe zurückgepumpt. Die gewonnene Wärme wird in das Fernwärmenetz der Stadt verteilt.
Geschäftsführer Pöttinger: Wir sind unabhängig davon, was sich am Weltmarkt abspielt.
Rund 3.300 Haushalte und 130 Gewerbebetriebe – darunter Fischer Ski, FACC und Wintersteiger – werden damit beheizt. Auch das Krankenhaus der Stadt und 300 Haushalte im benachbarten Mehrnbach gehören zu den Kunden. Das in Mehrnbach zutage geförderte Wasser ersetzt damit Tausende Öl-, Gas,- Wärmepumpen- und Pelletsheizungen, was Ried zum Geothermie-Hotspot in Österreich macht.
„Grüne“ Wärme
Mit der „grünen Wärme“ mache man sich „unabhängig von dem, was sich am Weltmarkt abspielt,“ so Pöttinger. Zusätzlich werden rund 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.
Kosten fallen dennoch genug an: Für Ausrüstung, Netzausbau, Personal, Wärmetauscher und Leitung ins Haus werden jährlich rund drei Millionen Euro investiert. Dazu kommt ein Glasfaseranschluss für jeden Haushalt, denn die Anlagen laufen ferngesteuert.
Wärmepumpen?
Schließlich braucht man für die Förderung und die Pumpen auch Strom, wobei Pöttinger auf die Effizienz des Energieeinsatzes im Vergleich etwa zu Wärmepumpen verweist: „Bei diesen bekommt man für eine eingesetzte Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme heraus, bei Geothermie sind es 22.“ Insgesamt wurden seit dem Start der Geothermie im Jahr 2014 rund 60 Millionen Euro in den Ausbau der Förderanlagen und des Wärmenetzes investiert. „Die Gasanschlüsse werden sukzessive umgestellt, wobei auch die Wohnbauträger alle anschließen“, sagt Pöttinger.
Heißwassersee
Die Innviertler haben großes Glück: Sie sitzen auf einem großen unterirdischen Heißwassersee, der sich von Bayern bis in den Raum Enns in Oberösterreich erstreckt. Dank eines riesigen Plattenabbruchs in 2.600 Tiefe staut sich der See direkt unter Ried/Mehrnbach. Geothermie-Projekte in anderen Gemeinden in OÖ seien deshalb nicht immer umsetzbar, so Pöttinger. Dennoch spüre man „Interesse aus ganz Österreich“, was sich darin zeige, dass viele Delegationen nach Ried kommen – darunter Wien Energie, OMV und die Montanuni Leoben – um sich das 60:40-Gemeinschaftsprojekt von Energie Ried und Energie AG anzusehen.
Heißes Wasser wird in einen Wärmetauscher geleitet.
Ziel sei es, die Versorgungsquote in Ried auf 80 Prozent zu steigern, so Pöttinger. Obwohl die öffentlichen Förderungen für Anlagen zurückgegangen sind, spreche die Kostenersparnis gegenüber Gasheizung-Neuverträgen für die Geothermie, so Pöttinger. „Wir haben das schon einmal vor drei, vier Jahren gehabt, als der Gaspreis ganz oben war – da wurden uns die Türen eingerannt.“ Für die Haushalte kostet ein Anschluss rund 20.000 bis 25.000 Euro.
Energie Ried ist auch im Strom,- Gas- und Wassergeschäft tätig und beschäftigt 140 Mitarbeiter. Zuletzt wurden 50 Millionen Euro umgesetzt. Es werden 21 Gemeinden versorgt. Zum Unternehmen gehört auch ein Reparaturservice für Elektrogeräte mit 25 Mitarbeitern.
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