Chronik | Oberösterreich
20.05.2018

„Geist nicht greifbar, aber er weht“

Pfingsten. Rektor Franz Gruber sieht darin ein Fest der Innovation und Kommunikation

„Dieses christliche Hauptfest ist leider nie wirklich in den Herzen der Menschen angekommen, so wie Weihnachten oder Ostern. Allerdings wäre der religiöse Inhalt des Festes heute von höchster Aktualität. In nichtreligiöser Sprache gesagt ist es das Fest der Innovation und der Kommunikation“, sagt Franz Gruber, Rektor der katholischen Privat-Universität Linz, über das Pfingstfest.
 „Innovation ist bekanntlich ein Schlüsselwort der Gegenwart für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft. Um die Zukunft zu meistern, braucht es neue Ideen. Neue Ideen müssen aber auch überzeugend kommuniziert werden. Wer sein Anliegen richtig hinüberbringt, hat die Chance gehört zu werden. Auch Kommunikation ist ein heißes Thema, etwa wenn wir uns klar machen, dass uns die sozialen Medien inzwischen in einem unglaublichen Ausmaß unsere tägliche Weltwahrnehmung prägen.“

Wo ist der Geist?

Pfingsten ist für Gruber das Fest des Heiligen Geistes, weil „Geist“ seit jeher die Wirklichkeitsweise Gottes ist. „Wie erkennen wir, wissen wir von Gott? Über unseren Geist, über den Geist in Menschen, die uns aus dieser Welt hinaustragen in letzte Horizonte, aber auch die uns in die Tiefe des Lebens führen, die wir nur ahnen und stammelnd begreifen. Pfingsten ist die Frage an uns, wes Geistes Kinder sind wir? Wovon ist unser Hirn voll? Von Wünschen des Noch-mehr-vom-Selben oder von Wünschen, eine andere Welt zu denken? Die größte Gefahr unserer Zeit ist die Geistlosigkeit. Wie viele Worte werden doch gemacht und zugleich nichts gesagt. Wir bräuchten alle mehr Pfingsten: mehr Geist, mehr Kraft und Mut zum Neuen, mehr Gespräch und echte Kommunikation.“

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Gruber, Rektor der katholischen Privat-Universität Linz

Gruber: Geist ist Wirklichkeit Gottes

Gerold Lehner

Lehner: Der Geist ist nicht greifbar

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Lukas: Kann mit hl. Geist viel anfangen

Linzer Bürgermeister Klaus Luger

Luger: Der Geist bringt Durchbrüche

Geist nicht greifbar

Der Heilige Geist ist für Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche, „nicht greifbar, ich kann ihn nicht dingfest machen. Und doch, er weht. Wenn es so etwas wie einen Geistesbeweis geben könnte – analog zu den ,Gottesbeweisen’ –, einen starken Hinweis darauf, dass er existiert, dann wäre es wohl – man höre und staune – die Kirche. Wie sonst als durch das Wirken des Geistes Gottes ist es zu erklären, dass aus dem verzagten Häuflein derer, die auch nach der Auferstehung noch durchaus orientierungslos sind, eine Bewegung wird, die sich über die ganze Welt ausbreitet? Wie sonst ist es zu erklären, dass Christen im römischen Reich bereit sind ihr Leben hinzugeben, um für ihren Glauben einzustehen? Wie sonst ist es zu erklären, dass eine Kirche, die immer wieder in die Irre geht, fällt, schuldig wird, doch immer wieder Erneuerung und Inspiration erfährt und zurechtgebracht wird , etwa durch die Reformation? Und: Der Heilige Geist hat unsere Sprache tiefer geprägt als wir glauben. Die Inspiration geht auf ihn zurück, und die ,Begeisterung’. Die ,Geistesgegenwart’ besteht in mehr als der Schlagfertigkeit, und ,geistreich’ zu sein in einem Sinne, der über intellektuelles Funkeln hin ausgeht, würde ich unserer Zeit wünschen. Der Geist ist Gottes Geheimnis und Präsenz in seiner Kirche und darüber hinaus. Er ist das unsichtbare und doch wahrnehmbare Signum dieser Welt, dass Gott sie nicht lässt, weil sie seine Welt ist.“

„Obwohl ich bekennender Atheist bin, weiß ich um die Bedeutung der Dreifaltigkeit“, sagt der Linzer Bürgermeister Klaus Luger zum Thema Pfingsten. „Geist im Sinne von Intellektualität ist eine Kategorie, die mir wichtig ist. Es gibt Momente, wo ein Thema, eine Idee den letzten Push bekommt, es sind Durchbrüche, geistvolle Momente, wo Licht auf etwas fällt und es sich erhellt.“

Keplers Ordnung

Meinhard Lukas, Rektor der Johannes-Kepler--Universität, „kann mit der Idee des Heiligen Geistes viel anfangen. Ich bin irgendwo zwischen Gläubigkeit und Agnostiker drinnen. Ich habe mich gerade mit Keplers Buch Harmonice mundi beschäftigt. Kepler sieht die Dreifaltigkeit im Bild des Kosmos verwirklicht. Ich kann seiner Idee, dass es irgendwo dahinter die ganz große Ordnung gibt, etwas abgewinnen.“