Markus Achleitner

© Harald Dostal

Chronik Oberösterreich
01/06/2019

„Gehen von einer sanfter Landung der Wirtschaft aus“

Trotz einer Abschwächung der Konjunktur bleibt der neue Standort-Landesrat und Strugl-Nachfolger Markus Achleitner für die nächsten Jahre optimistisch.

von Josef Ertl

Markus Achleitner (49) war Geschäftsführer der landeseigenen Euro-Thermenholding und ist seit 6. Dezember Standortlandesrat.

KURIER: Was unterscheidet den Geschäftsführer der Thermenholding vom Wirtschaftslandesrat?

Markus Achleitner: Das Beschäftigungsfeld ist deutlich breiter. Ich kann in wichtigen Zukunftsfragen Entscheidungen fällen und vorantreiben, damit Oberösterreich 2030 genau so gut da steht wie heute.

Sie hatten fünf Monate Vorbereitungszeit für die Funktion. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Intensivst. Ich habe ein halbes Jahr die Doppelrolle gehab t. Ich habe im Konzern alles fertig machen können, ich habe Bad Ischl mit einer Investition von 15 Millionen Euro eröffnen können. Ich konnte selbst für meine Nachfolge sorgen. Parallel habe ich mich in meine Bereiche mit Vollgas eingearbeitet. Ich habe rund 250 Gespräche mit Stakeholdern in allen Ressortbereichen geführt. Und mit der Bevölkerung.

Sie haben angekündigt, eine Strategie für das Jahr 2030 zu erarbeiten bzw. erarbeiten zu lassen. Wie ist Ihre persönliche Vision für 2030?

Da muss man zuerst zurückschauen. Wenn man die Menschen vor elf Jahren gefragt hätten, ob wir Telefone benötigen, wo man mit dem Finger drüber wischen kann, hätten sie vermutlich mit Nein geantwortet. Heute wissen wir, was die Handys alles können. Jetzt schauen wir, was 2030 sein könnte. Wir haben große Umbrüche vor uns, wenn ich an die Digitalisierung, an die Demografie, an die Mobilität und an die Energieversorgung denke. In den nächsten Jahren wird sich ziemlich alles ändern.

Die Digitalisierung wird jeden Lebensbereich ändern. Die Frage ist lediglich, wie stark und wann? Alle Geschäftsbereiche werden sich ändern, manche werden wegfallen, neue Geschäftsmodelle werden entstehen. Die oberösterreichische Wirtschaft wird den Wandel gestalten und nicht erleiden. Wir werden die Änderungen aktiv treiben.

Die Politik hat zwei Dinge zu liefern. Einmal die Infrastruktur. Deswegen geben wir beim Ausbau des Breitbands Gas. Zweitens müssen wir die digitalen Kompetenzen schaffen. Alles, was Nutzen generiert, wird bleiben. Es hat sich zum Beispiel im Tourismus niemand Airbnb gewünscht, aber es wird bleiben. Daher muss man sich dem stellen und schauen, wie die Geschäftsmodelle von morgen aussehen.

In der Demografie wissen wir, dass wir deutlich mehr Ältere und deutlich weniger Junge haben werden. Alle Fragen wie Qualifizierung, Arbeitsprozesse bis hin zur Pflege schließen sich hier an. Wir werden zu Beginn des Jahres ein Powerprogramm Fachkräfte vorlegen. Einmal geht es um die Qualifizierung auf allen Ebenen. Es muss der Wert der Facharbeit deutlich gesteigert werden, auch in der Gesellschaft. Wir müssen in den Schulen, Fachhochschulen etc. da ausbilden, wo wir Arbeitsplätze haben. Zum Beispiel in der Technik. Das Modell der dualen Akademie (Maturanten machen nach der Matura bei guter Bezahlung eine verkürzte Lehre) soll auf ganz Österreich ausgeweitet werden.

Der Bund hat das Budget für die aktive Arbeitsmarktpolitik für Oberösterreich um 17 Prozent gekürzt. Das würde für das Land fünf Millionen Euro weniger bedeuten. Wir kürzen nicht, sondern investieren das Geld in die Jungen. Vor allem für die Lehre.

Sie haben bei der Medienlounge der Industriellenvereinigung angekündigt, Oberösterreich soll in die Spitzenregionen Europas vorstoßen. Ist das realistisch?

Wir sind derzeit im European Regional Competitiveness Index auf Platz 103. Für die Spitze braucht es einen Top-Industriestandort und einen Top-Universitätsstandort. Deshalb haben wir so stark für die Kepleruniversität bei der Verteilung der Universitäts-Sondermilliarde des Bundes gekämpft.

Ich habe mich da schon informell bei den Verhandlungen in Wien eingebracht.

Es gibt nun zusätzlich 105 Millionen Euro für die Jahre 2019 bis 2021. Wie viele zusätzliche Millionen sollen es ab 2021 sein?

Mit diesem Geld werden wir 30 zusätzliche Universitätsinstitute bekommen. Wir bauen nun die Struktur auf und versuchen, deutlich mehr Studierende in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu bekommen. Wir nehmen uns eine 25-prozentige Steigerung vor, was ein ambitioniertes Ziel ist. Das muss dann weitergehen, das weiß auch der Bund.

Wie viele Millionen wollen Sie holen?

Ich nenne keine Zahl. Es geht nicht darum, wie viel das Land vom Bund holt, sondern um das gemeinsame Commitment, wie viel wir hier gemeinsam investieren.

Haben Sie ein Akzeptanzproblem auf der Universität, weil Sie kein Akademiker sind?

Das habe ich bei meiner Designierung irgendwo einmal gelesen. Ich habe das bei meinen Briefings völlig anders wahrgenommen.

Es ist ein Konjunkturabschwung im Gang. Hatten wir 2018 ein Wachstum von rund drei Prozent, wird es heuer die Hälfte sein.

Nein, zwei Prozent laut WIFO und 1,7 Prozent laut IHS. Wir wissen, dass sich die überhitzte Konjunkturphase abschwächt. Nach den Gesprächen mit der Industrie gehe ich davon aus, dass es ein soft landing (sanfte Landung) wird.

Wäre Oberösterreich in der Lage, bei einer eventuellen Rezession gegenzusteuern?

Wir gehen nicht von einer Rezession aus. Alle Daten zeigen ein stabiles Wachstum von zwei Prozent. Es gab Zeiten, in denen wir uns so ein Wachstum gewünscht hätten. Deshalb sind wir auch für die nächsten Jahre sehr positiv gestimmt. Falls wirklich Kraftanstrengungen notwendig wären, würden wir diese unternehmen, aber wir gehen derzeit nicht davon aus.

Sie haben die Euro-Themenholding zu einem nie dagewesenen Hoch geführt. Es gibt in der Tourismuswirtschaft manche, die sagen, der Achleitner hat es leicht gehabt, denn Landeshauptmann Josef Pühringer hat ihm alles bezahlt, er hat die Investitionen nie verdienen müssen.

Das ist falsch. Die Eurothermen haben sich aus den Landeskuranstalten entwickelt, die hochdefizitär waren. Der Großteil der Investitionen wurden von den Gesellschaften investiert und refinanziert, Bad Schallerbach zur Gänze, bei den anderen war eine Teilung. Die Thermen sind heute profitabel und der größte Tourismusbetrieb Oberösterreichs. Und sie sind ein wichtiger Impuls für die gesamte Tourismusregion Oberösterreich. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren rund 270 Millionen Euro investiert, davon waren rund 20 bis 25 Eigenkapital des Eigentümers, der Rest kam aus den Gesellschaften.

WIFO-Chef Christoph Badelt hält trotz der guten Konjunktur die österreichweite Arbeitslosigkeit von 7,7 Prozent für zu hoch. Gleichzeitig haben wir zu wenig Fachkräfte und zu wenig Mitarbeiter im Tourismus. Da muss ein Fehler im System sein.

Es gibt ein starkes West-Ost-Gefälle. In Wien ist die Arbeitslosigkeit fast drei Mal so hoch wie in Oberösterreich. Da kann etwas nicht stimmen. Gemeinsam mit der Wirtschaftsministerin haben wir das Projekt Be mobile gestartet. Wir versuchen, Arbeitslose in Wien zu motivieren, Arbeit in Oberösterreich anzunehmen. Die Anreise mit dem Zug aus Wien dauert mittlerweile nicht länger als das Einpendeln aus dem Mühlviertel n nach Linz. Wir müssen mehr Mobilität einfordern. Es gibt nicht eine Lösung für den Fachkräftebedarf. Es gibt viele Schrauben, an denen wir drehen, das ist eine davon.

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