Gegenwind am Fenstermarkt
Das Internorm-Werk in Sarleinsbach.
Der österreichische Fenstermarkt tritt auf der Stelle. Nach teils zweistelligen Zuwächsen Anfang der 2020er-Jahre stagniert der Umsatz seit 2023 – im Vorjahr reichte es für ein zartes Plus von 0,9 Prozent auf 911 Millionen Euro.
Während 2025 die Nummer zwei am Markt, die Josko GmbH, stark zulegte, der Umsatz stieg um 9,4 Prozent auf 196 Millionen Euro, ging es beim größten Fensterproduzenten Europas, Internorm International, um 5,5 Prozent auf 407 Millionen Euro Umsatz nach unten.
25.000 Mitarbeiter
Beide haben ihren Sitz in Oberösterreich und stehen mit Gaulhofer, Actual, Katzberger und Rekord Fenster für 45 bis 55 Prozent des Branchenumsatzes. Dazu kommen viele kleine Betriebe und Tischler, die Fenster herstellen. Die Branche beschäftigt 25.000 Mitarbeiter – weitere 20.000 sind bei Zulieferern (Glas, Beschläge, Lacke etc.) tätig. Die Hersteller profitierten bis 2024 von hohen Förderungen für die Sanierung.
Das Aus für Förderungen schmerzt
Diese sind 2025 weggefallen, wobei wechselnde Ankündigungen der Regierung für Unsicherheit sorgten. Bei Internorm wurden deshalb sogar Bestellungen storniert, wie Firmenchef Christian Klinger bei der Bilanzpräsentation 2025 sagte: „Österreich hat uns ein bisschen im Stich gelassen. Wir hätten mit einem konstanten Markt gerechnet.“ Dämpfend wirkte sich bei Internorm zudem das schwache Deutschlandgeschäft sowie ein – wegen Förderkürzungen – 15-prozentiges Minus in Italien aus. „Die Branche freut sich nicht“, sagt Manfred Gaulhofer, Sprecher des Vereins Plattform Österreich und Aufsichtsratschef der steirischen Gaulhofer-Gruppe mit zuletzt 60 Millionen Euro Umsatz im KURIER-Gespräch. Der Markt liege seit 2,5 Jahren danieder. Massive Einbrüche am Heimmarkt seien teils im Ausland kompensiert worden. Gaulhofer: „Aber dass die Förderprogramme nun mit einem Paukenschlag beendet wurden, hat uns getroffen.“
In Österreich zählt Qualität
Österreich sei als einziges Land in Europa bei Fenstern ein „Markenmarkt.“ Gaulhofer: „Das hat dazu geführt, dass der Wettbewerb nicht über den Preis, sondern die Qualität geführt wurde.“ Es gebe Top-Qualität zu fairen Preisen, was vermehrt von Mitbewerbern aus umliegenden Ländern torpediert werde. Gaulhofer: „Damit stehen wir permanent unter Druck.“ Als Lösung sieht er unter anderem in Innovationen und Kosteneinsparungen – wobei Letzteres die Gefahr von Produktionsverlagerungen birgt. „Jeder kennt die Lohnkosten gleich hinter der Grenze.“
Der Vorstand von josko mit Firmenboss Herwig Scheuringer (Mitte)
Das richtige Rezept im Kampf gegen die Krise scheint Josko zu haben: „Wir haben 2024 und 2025 unser Produktportfolio im Fensterbereich komplett erneuert und dabei den Fokus auf besonders schlanke Rahmen gelegt“, sagt Josko-Finanzchef Stefan Wagner.
Diese Innovation gepaart mit einer vertrieblichen Schwerpunktsetzung habe zum Erfolg geführt. Wagner: „Gerade weil der Markt die letzten Jahre geschrumpft ist, haben wir gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern besonders intensiv um jeden einzelnen Kundenauftrag gekämpft.“
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