Chronik | Oberösterreich
24.05.2018

Evaluierung der Kindergärtenbetreuung: Eltern nicht gefragt

Land checkt Gebührenpflicht in Kindergärten, Ergebnisse für neues Kindergartenjahr nicht mehr verwertbar

Je nach Einkommen zahlen Eltern in Oberösterreich seit Februar einen Betrag zwischen 42 und 110 Euro für die Nachmittagsbetreuung ihres Kindes. Die von Schwarz-Blau eingeführte Sparmaßnahme hat für heftige Kritik gesorgt.

Mit der nun gestarteten Erhebung der Situation in den Kindergärten wird die Debatte wieder angeheizt. ÖVP-Landesrätin Christine Haberlander will bis August die Ergebnisse der Evaluierung der Nachmittagsgebühren in Kindergärten vorliegen haben. Diese wurden im Februar eingeführt. Die dann gewonnen Erkenntnisse können aber für das neue Kindergartenjahr ab September nicht mehr berücksichtigt werden. Deshalb und weil Eltern bei der Evaluierung direkt keine Rolle spielen, hagelt es wieder heftige Kritik.

Von den rund 500 Kindergartenbetreibern mit über 62.000 Kindern und 10.000 Beschäftigten in OÖ möchte Haberlander in einer Online-Befragung maßgebliche Daten erheben. Anzahl der betreuten Kinder am Nachmittag, Betreuungszeiten und der Vergleich zum Oktober 2017 sind besonders im Fokus. „Wir brauchen aber auch genaue Angaben, wie wir die Gemeinden unterstützen können“, hofft die Landesrätin auf rege Beteiligung.

Wie hoch die Gebühreneinnahmen jetzt sind und wie viele Kinder betreut werden oder abgemeldet wurden, könne sie nicht sagen, behauptet Haberlander. Wie berichtet, wurden nach der Gebührenpflicht in manchen größeren Städten gleich Hunderte Kinder aus der Betreuung genommen. „Mir ist wichtig, dass gemeinsam an der Weiterentwicklung des Systems gearbeitet wird und keine ideologischen Grabenkämpfe geführt werden“, sagt Haberlander. Sie betont, dass in acht Bundesländern Gebühren in den Kindergärten eingehoben werden.

Für SPÖ und Grüne ist die Evaluierung viel zu spät angesetzt. „Jetzt den Schaden zu messen, ist wie prüfen, ob der Regen nass ist“, unkt der Grün-Familiensprecher Stefan Kaineder. „Die Probleme sind da und medial auch bekannt. Evaluierungsergebnisse im August kommen zu spät für den erfolgreichen Start ins neue Kindergartenjahr“, klagt SPÖ-Familiensprecherin Petra Müllner.

Haberlander habe viel zu lange zugeschaut. „Unser Vorschlag für eine Enquete mit allen Betreibern und Eltern, die Petitionen gegen das Gebührensystem geschickt haben, wurde abgelehnt“, meint Müllner.

Dass die Landesrätin keine Daten über die Nachmittagsbetreuung habe, glaube sie nicht. Oftmals sei man mit Anfragen im Landtag abgeblitzt. Müllner: „Aber wenn sich jemand im Kammerl einsperrt. Die Befragung hätte man im März starten müssen, damit im Juni Ergebnisse vorliegen“.

Gemeinden

Verwertbare Fakten schon im Juni hätte sich auch der Gemeindebund gewünscht, erklärt dessen Präsident Hans Hingsamer, ÖVP. Dass die Probleme der Eltern nicht weitergeleitet würden, glaubt der Bürgermeister von Eggerding aber nicht. „Wie in meiner Gemeinde gibt es in vielen anderen derzeit Elternabende, wo das nächste Kindergartenjahr besprochen wird“, schildert er. Valide Zahlen über die Abmeldungen wegen der Gebührenpflicht gebe es nicht, bestätigt Hingsamer. Allerdings zahlen viele Kommunen auf eigene Kosten für Betreuungsgruppen, die kleiner sind, als es das oö. Gesetz vorschreibt und vom Land nicht gefördert werden.