Dieses georgische Brot heisst Schotis Puri, wiegt 500 Gramm und und kostet umgerechnet 25 Cent

© Josef Ertl

Georgien
10/31/2019

„Euer Weizen ist der beste“

Mithilfe der Linzer Saatbau steigern Georgiens Bauern ihre Erträge. Ein Lokalaugenschein.

von Josef Ertl

Vano Mchedlidze ist von Österreich angetan. „Die Gastfreundschaft, die ich da erlebt habe, ist noch größer als die georgische“, schwärmt der 64-jährige Bauer von seinem Österreich-Besuch im Juni. Kürzlich begrüßte er auf seinem Hof im Lagodechi-Tal eine 25-köpfige oberösterreichische Delegation unter der Führung von Landesrat Max Hiegelsberger.

Vorzeigebauer

Der Vorzeigebauer, der in Sowjet-Zeiten als Maschinenbauingenieur gearbeitet hat, baut auf 300 Hektar Weizen an, auf weiteren 80 ha Haselnüsse. Er verwendet Saatgut der Linzer Firma Saatbau. Zuvor hatte er Saatgut anderer Importeure probiert. Doch von den Oberösterreichern ist er überzeugt. „Der Ertrag von Saatbau ist höher. Der Weizen hat eine höhere Backqualität. Für unsere Bäckerei haben wir die besten Qualitäten gesucht.“ Mchedlidze mahlt das Getreide in der hauseigenen Mühle und bäckt Schotis-Puri, das traditionelle georgische Brot. 5.000 Stück stellt er täglich her. Er beschäftigt 25 Mitarbeiter und beliefert Kindergärten, Läden und Einkaufszentren. „Ich gewinne mit dem Brot immer wieder Preise“, erzählt er.


Für Karl Fischer, den ehemaligen Direktor und nunmehrigen Konsulenten von Saatbau, und für Alexander Ediberizde ist Vano Mchedlizde ein Vorbild, denn er setzt das angepeilte Ziel der „vertikalen Integration“ um. Das heißt, er baut nicht nur an, sondern stellt gleichzeitig ein fertiges Produkt her. Ediberizde vertreibt die Erzeugnisse von Saatbau. Der 45-Jährige führt mit seiner Firma Noblex, die er 2005 gegründet hat, eine Art Lagerhaus. Er verkauft neben Saatgut auch Landmaschinen, Bewässerungssysteme, Pflanzenschutz- und Düngemittel. Sein Umsatz beträgt rund 13 Millionen Euro, die er mit 120 Mitarbeitern und sieben Filialen landesweit erwirtschaftet. Er stammt aus einer Ärztefamilie und hat in Deutschland Betriebswirtschaft studiert, zuletzt an der Universität Passau. Sein Unternehmen wächst jährlich um 30 Prozent. „Ich biete für die Landwirte Gesamtlösungen an.“ Das ist seine Stärke.


2012 hat er bei Saatbau die erste Bestellung in Auftrag gegeben, da wurde Karl Fischer auf ihn aufmerksam. Seine Reaktion: „Georgien, warum nicht?“ Er reiste nach Tiflis, um sich nach den Saatgut-Gesetzen und Bestimmungen zu erkundigen, und stellte zu seiner Überraschung fest, dass es keine gab. Inzwischen war er 17-mal im Land. „Das hier ist Pionierarbeit.“ 2016 wurde das erste Probe-Saatgut auf 40 Hektar angebaut. Heuer sind es schon 240 ha, 2020 werden es 1.000 Tonnen Saatgut sein. Bei jeder Tonne fallen für Saatbau 20 bis 40 Prozent Lizenzgebühr an. Der momentane Landesbedarf liegt bei 14.000 Tonnen.

Betriebe zu klein

Die Landwirtschaft Georgiens (3,9 Mio. Einwohner, 69.000 ) ist im Umbruch. Nach der Loslösung aus der Sowjetunion und der Staatsgründung 1991 wurden die riesigen Flächen der Kolchosen auf die rund 700.000 Bauern aufgeteilt, was dazu führte, dass deren Betriebsgrößen zwischen einem und zwei Hektar liegen. 70 bis 90 Prozent des Weizens müssen importiert werden. Die Bauern sind wegen der negativen Erfahrungen mit den Kolchosen skeptisch gegenüber genossenschaftlichen Zusammenschlüssen und wegen der erlebten Preisschwankungen auch gegenüber notwendigen Erneuerungen. In den lokalen Lagerhäusern sind auch Mini-Bankstellen eingerichtet, wo sie Kredite bis zu einer Höhe von 700 Euro erhalten, mit denen sie Waren einkaufen können.

Der Staat unterstützt Investitionen mit Kreditzuschüssen. Ein Prozent muss der Bauer selbst bezahlen, für die restlichen fünf Prozent Zinsen kommt der Staat auf.

 

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