Oberösterreich
04/01/2019

Dunkelhäutiger Schüler durfte nicht mit Schulbus mitfahren

Rassismusvorwurf gegen Buschauffeur, weil er 14-Jährigen nicht mitnahm. Dieser spricht von ungebührlichem Verhalten.

von Wolfgang Atzenhofer

"Rassismus gibt es noch und das darf nicht sein." Mit dieser Aufforderung beendet eine Mutter in Wels in Oberösterreich einen Facebook-Beitrag in dem sie beklagte, dass ihr dunkelhäutiger 14-jähriger Sohn zum wiederholten Mal von einem Schulbusfahrer nicht in den Bus gelassen wurde. Am Morgen des vergangenen Freitag eskalierte die Situation schließlich.

Weil der Busfahrer den jungen Mann nicht mitnehmen wollte, tauchte der 22-jährige Bruder auf. Er soll laut Polizei den Chauffeur am Abfahren des Busses gehindert haben, indem er den Autoschlüssel aus dem Zündschloss riss  und zu Boden warf. Der Vorfall und der spätere Polizeieinsatz wurde mitgefilmt und auf Facebook veröffentlicht, was zahlreiche heftige Reaktionen zur Folge hatte.

Ins Lenkrad gegriffen

Der 64-jährige Schulbuslenker der Firma Sabtours Wels alarmierte per Handy die Polizei, weil ihm der junge Mann den Weg zum Schlüssel versperrt haben soll.  So hätten die Bustüren nicht geöffnet werden können, wird im Bericht der Polizei geschildert. Im Bus saßen damit etliche Schüler fest.

"Auslöser für die Auseinandersetzung ist das auffällige Verhalten des 14-Jährigen vor drei, vier Wochen gewesen", schildert der Welser Geschäftsführer von Sabtours, Wolfgang Stöttinger. Der 14-Jährige sei in der Busstation auffällig geworden und gefährlich auf den heranfahrenden Bus zugesprungen. Außerdem soll er auf die Eingangstür getreten haben, weil ihm diese zu langsam aufging. "Den Fahrausweis hat er unserem Chauffeur nicht ausgehändigt, sondern ihn aus zwei Meter Entfernung gezeigt", gibt Stöttinger die Schilderungen des Buslenkers wieder. Dieser weigerte sich daraufhin, den Burschen mitzunehmen. So lange, bis am vergangenen Freitag der ältere Bruder mit seiner Aktion auf das vermeintliche Unrecht aufmerksam machte, so die Darstellung des Busunternehmens.

Anzeigen

Als der 22-Jährige dann Freitagfrüh im Bus die angerückte Polizei bemerkte, soll er den Schlüssel aufgehoben und dem Chauffeur gegeben haben. Damit konnte dieser die Türen öffnen und die im Bus festsitzenden Schüler ins Freie lassen, damit sie zu Fuß zum Welser Gymnasium in der Brucknerstraße marschieren konnten. Gegenüber der Polizei verzichtete der Chauffeur später darauf eine Anzeige zu erstatten.Laut Polizeidirektion OÖ gäbe es allerdings Ermittlungen wegen Freiheitsentziehung gegen den 22-Jährigen. Auch Eltern von Kindern, die im Bus eingeschlossen waren, hätten Anzeige erstattet.

Den im Internet erhoben Rassismusvorwürfen tritt Stöttinger jedenfalls vehement entgegen. Seit sechs Jahren sei ein dunkelhäutiger Lenker zur vollsten Zufriedenheit für das Unternehmen tätig. "Wir beschäftigen Lenker aus 17 Nationen", erklärt der Geschäftsführer.

Keinesfalls einverstanden ist die Mutter des 14-Jährigen mit den Erklärungen. Sie fordert eine klare Begründung, warum ihr Sohn nicht mit dem Bus mitgenommen wurde. Er habe ihr erklärt, dass er bereits seit drei Jahre nicht mit dem Bus mitfahren dürfe. "Ich erlebe das immer wieder, dass wir sehr wohl benachteiligt werden und fordere ein Klärung", sagt Christina F. Auch sie wolle Anzeige erstatten, kündigt sie im KURIER-Gespräch an. 

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