Die Jungen kennen sich beim Geld nicht aus

Das Wirtschafts- und Finanzwissen lässt zu wünschen übrig. Es ist wichtig für die Altersvorsorge. Universitätsprofessor Neuweg fordert ein eigenes Unterrichtsfach „Wirtschaft und Finanzen“. Von Karl Leitner.
Mid-Adult Man Covering His Eyes Before Withdrawing Money Using A Credit Card At The ATM Machine

Georg Hans Neuweg, Vorstand des Institutes für Wirtschafts- und Finanzbildung an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz, setzt sich für mehr Finanzwissen bei jungen Menschen ein. Nicht nur, um Mängel im Wissen über Wirtschaft und Finanzen zu beseitigen. Neuweg: „Viele Junge haben eine negative Einstellung zur Marktwirtschaft, das ist brandgefährlich.“ Denn sowohl die Finanz- als auch die Wirtschaftswelt werden immer komplexer.

Im August wird deshalb auf der JKU der erste Lehrstuhl österreichweit für Wirtschaftsbildung gestartet. Es handelt sich um eine Stiftungsprofessur, die unter anderem auf einer Initiative von Industriellenvereinigung OÖ, Erste Stiftung, Wirtschaftskammer OÖ und Land OÖ beruht und von diesen finanziert wird. Neuweg: „Finanzprodukte sind kompliziert, die Volatilität steigt und gleichzeitig werden immer mehr junge Menschen genötigt sein, für ihr Alter vorzusorgen.“

Altersvorsorge

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das bestehende Altersvorsorgesystem zusammenbreche „und sich die Politik auch traut, das zu sagen.“ Wer dann seine Altersvorsorge selbst und nicht über Vermögensberater geregelt haben will, müsse seine Finanzkompetenz stärken. Studien würden zwar den Jungen in Österreich ein gar nicht so schlechtes Zeugnis im Finanzwissen ausstellen – das liege aber „daran, dass oft mathematisches Wissen abgefragt wird – wo es ums Inhaltliche geht, ist es um das Finanzwissen nicht so gut bestellt“, so Neuweg. 

Georg Hans Neuweg

Universitätsprofessor Georg Hans Neuweg

Er wünscht sich ein eigenes Unterrichtsfach für Wirtschaft- und Finanzen samt eigener Uniausbildung für Lehrer. Es gebe schon jetzt Wirtschaft im Unterricht – etwa in den AHS als Teil von Geografie- und Wirtschaftskunde, doch erfülle das oft seinen Zweck nicht – auch, weil es manchem Lehrer an Qualifikation fehle.

Initiative der Sparkasse

Die Sparkasse Oberösterreich setzt mit ihrer Initiative Financial Life Park (FLiP) noch früher an. „Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche niederschwellig Kontakt bekommen mit Begriffen wie Liquidität, Vermögensaufbau, Spareinlage, Dividende, Veranlagung usw.“, sagt Martin Punzenberger, Vorstandsdirektor der Sparkasse OÖ. Der 500 Quadratmeter große FLiP wird Ende Mai in der Linzerie am Taubenmarkt eröffnet. Kindern und Jugendlichen soll damit ein Gesamtblick auf Wirtschaft und Finanzen vermittelt werden, der ihnen oft fehle – aber nicht nur ihnen. Es seien auch Erwachsene „herzlich eingeladen, das FLiP zu besuchen“.

Basis gesellschaftlicher Entwicklung sei, „dass wir ein angemessenes Finanzwissen haben“. Die Politik sollte Finanzbildung einen größeren Stellenwert geben, „weil das ein Faktor ist, damit eine Gesellschaft diskussionsfähig bleibt.“ Ähnlich sieht es Neuweg: „Marktwirtschaft und Demokratie sind volkswirtschaftliche Schwestern.“

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