Chronik | Oberösterreich
28.04.2018

Der autofreie Hauptplatz

Grüne Umweltstadträtin will wegen der Stickstoffdioxid-Belastung Zentrum für motorisierten Verkehr sperren

„Eine wunderbare Stadt. Der viele Verkehr stört uns aber.“ Dem Touristenpaar Brigitte und Detlev Proske aus der deutschen Lutherstadt Wittenberg fällt bei seiner Rast am Linzer Hauptplatz ein großes Problem der Stadt auf. Ein verkehrsfreier Hauptplatz mit dem nahen Donauzugang wäre wohl eine feine Sache, geben die beiden Ausflügler in der aktuellen Linzer Diskussion um teilweise schlechte Luft ein Urteil ab.

Eva Schobesberger, die grüne Linzer Umweltstadträtin will dafür sorgen, dass die Debatte weiter anhält. Am 24. Mai wird sie im Gemeinderat die probeweise Verbannung des Autoverkehrs vom Linzer Hauptplatz beantragen. Wohl wissend, dass die Forderung bereits viel Staub und Gegenwind aufgewirbelt habe, „ist es gescheit, das jetzt im Juli und August zu probieren“. Schon jetzt bewähre sich die autofreie Zeit am Samstagabend und am Sonntag am Hauptplatz bestens.

Ein scharfer Bericht des Landesrechnungshofes und teils dramatischen Messprotokollen über die Belastung der Linzer sind Anlass für Schobesberger, Maßnahmen zu fordern. „Ich bin froh, dass das alles aufgezeigt wurde. Es ist leider so, dass es erst der drohenden Millionenstrafen der EU bedurfte. Aber die Gesundheitsgefährdung der Bewohner durch die hohen Stickstoffdioxidwerte, auch am Hauptplatz, wurde nicht ernst genommen“, beklagt Schobesberger.

6000 Autos queren den Hauptplatz mit seinem Kopfsteinpflaster täglich – vor allem am frühen Abend nach Dienstschluss. Mit einer Durchfahrtssperre solle nicht provoziert, sondern Bewusstsein geschaffen werden, glaubt sie. Jeden Verkehrsteilnehmer, den man zum Umstieg auf die „Öffentlichen“ bewegt, sei ein Gewinn. Den Aufschrei der lokalen Wirtschaft – einige Unternehmen sehen ihren Standort gefährdet – möchte Schobesberger durch Zufahrtsausnahmen für Apotheken und Gastronomiebetrieb entkräften.

Keine Zustimmung

Wenngleich die seit Jahren schwelende Idee des verkehrsfreien Stadtplatzes bei vielen Passanten bei einem Lokalaugenschein des

KURIER begrüßt würde, im Gemeinderat wird die Zustimmung dafür ausbleiben.

„Derzeit wäre so eine Entscheidung völlig unrealistisch und völlig verfehlt“, ist Bürgermeister Klaus Luger, SPÖ, überzeugt. Wenn in drei Jahren die zwei neuen Donaubrücken (Westringbrücke und Eisenbahnbrücke befinden sich im Baustart, Anm. Red.) nutzbar sind und die bestehende Voest-Brücke verstärkt ist, sehe die Sache anders aus. Allerdings: „Man kann Plätze auch zu Tode befrieden, ich finde Begegnungszonen besser“, meint Luger. Dem Grün-Antrag werde seine Fraktion jedenfalls nicht beipflichten.

Keine Zustimmung signalisiert auch Verkehrsstadtrat Markus Hein, FPÖ. „Den Versuch in diesem Sommer zu starten , wäre wohl eine ganz schlechter Zeitpunkt. Der Hauptplatz ist ein wichtiger Bypass im Verkehrsablauf“, schildert Hein. Weil heuer zudem eine zwölfwöchige Sanierung der Verkehrs-Schlüsselstelle Römerbergtunnel über den Sommer ansteht, würden die Autofahrer die Sperre des Hauptplatzes wohl nicht verstehen. „Die Staus auf der Donaulände, die von täglich 40.000 Fahrzeugen genutzt wird, würden wohl noch ärger“, glaubt Hein. Gesprächsbereit sei er aber, wenn der neue Linzer Westring fertiggestellt ist.