Die Ausbreitung des Wildschweins schreitet bedrohlich voran.

© OÖ. Landesjagdverband

Chronik Oberösterreich
10/23/2021

Das Wildschwein macht Oberösterreichs Jägern Sorge

Forderung nach Abschuss von Schwarzwild im Nationalpark Kalkalpen.

von Gerhard Marschall

„Die Vermehrung der Wildschweinpopulation ist ein europaweites Phänomen“, sagt Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner aus Molln. Diese Entwicklung habe sich zuletzt besorgniserregend verschärft.

Weil wegen Corona Treibjagden untersagt waren, ging der Abschuss um die Hälfte zurück. Obendrein fand das Schwarzwild im Wald ausreichend Nahrung, wo es nur schwer zu bejagen ist. Zu den Verwüstungen in der Landwirtschaft kommt jetzt ein gesundheitliches Risiko: die Afrikanische Schweinepest. Noch gibt es in Österreich keine Fälle, doch das sei nur eine Frage der Zeit.

Politik am Zug

Eine spezielle Problemzone orten die Jäger im Nationalpark Kalkalpen. Dort darf zwar Reh-, Rot- und Gamswild bejagt werden, nicht jedoch Schwarzwild. Gefordert wird eine Änderung der Abschusspläne, ansonsten entstehe hier ein Paradies für Wildschweine.

Ein wachsendes Problem orten die Jäger auch in der vermehrten Nutzung des Waldes durch die Gesellschaft. Bei allem Verständnis dafür bedeute das für die Wildtiere eine Einschränkung ihres Lebensraumes und Stress, argumentiert Sieghartsleitner. Er sieht die Politik am Zug. Es brauche ein Ordnungsmodell. „Wir müssen den Druck auf die Natur reduzieren“, sagt der Landesjägermeister.

Buchtipp

Als Lesestoff für Jäger und Nichtjäger will ein soeben erschienenes Buch verstanden werden. Vor allem aber ist es ein ebenso aufschlussreiches wie amüsantes Geschichtsbuch, weil es nicht im angestammten Revier verharrt, sondern die Jagd in einen spannenden, historischen Kontext stellt.

An ihrem Wandel ab dem Revolutionsjahr 1848 werden die tiefgehenden gesellschaftlichen und politischen Umbrüche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts festgemacht. Dazu hat Autor Wolfgang Marschall vier oberösterreichische Wochenzeitungen aus jener Zeit durchforstet und dabei festgestellt, dass der Jagd auffallend viel Platz eingeräumt wurde.

Dahinter stand das Streben des Bürgertums und der Presse nach Freiheit und Gleichheit, das sich im Jagdwesen abbildete. Bei der Jagd, die nicht mehr länger Privileg des Adels war, wurden die Standesunterschiede überwunden – bis hin zum Schüsseltrieb, bei dem alle zusammensaßen. Unverdächtig, teils hintergründig wurde in der üppigen Jagdberichterstattung die Botschaft überbracht, dass eine demokratische Gesellschaft nicht Utopie bleiben muss.

Ausführlich wurden auch  die Pannen geschildert und die Wilderei angeprangert. Dem aufgeklärten Zeitgeist entsprechend, wurde so für weidgerechtes Jagen geworben, durchaus visionär auch für den Naturschutz.

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