Das Vermächtnis von Josef Ratzenböck: "Streit zehrt, Frieden nährt"
Josef Ratzenböck bei einem seiner Sprechtage im Jahr 1986, um sechs Uhr früh
Josef Ratzenböck, Landeshauptmann von 1977 bis 1995, ist am 23. Dezember im 97. Lebensjahr verstorben. Er ist gestern, Samstag, in einer Sondersitzung der Landesregierung und des Landtags und mit einem Requiem im Linzer Dom verabschiedet worden. Die folgenden Zitate geben Einblick in sein Denken und Wirken.
„Streit zehrt, Frieden nährt.“
„Kultur kostet viel, Unkultur noch viel mehr.“
„Ich kann nicht über andere schlecht reden. Wenn ich mich ärgere, schlafe ich eine Nacht darüber. Ist er dann noch immer nicht vorüber, schlafe ich nochmals eine Nacht darüber. Ich komme dann immer zur Erkenntnis, dass der, über den ich mich geärgert habe, doch nicht ganz unrecht hat. Und dann denke ich an ein Wort, das mein Vater immer gesagt hat, zum Streiten gehören zwei, und dass ich offenbar auch nicht ganz unschuldig am Ärger bin. Niemand hat immer recht. Das Leben ist ein Kompromiss. Und wenn man weiß, dass man nie alleine recht hat, ist es sehr vernünftig, einen Kompromiss zu suchen. Wer das nicht einsieht, schlägt sich den Kopf beim Einrennen von Türen an.“
„Die Sozialpolitik war immer mein besonderes Anliegen. Oberösterreich zahlt die höchste Sozialhilfe, wir haben als Erste mit den Vorarlbergern das Pflegegeld eingeführt, das nach dem Grad der Bedürftigkeit bemessen wird. Wir haben bei Aufenthalten von Pflegebedürftigen in Altenheimen den Rückgriff auf die Kinder beseitigt.“
Zitate aus dem Buch „Josef Ratzenböck – Mein Leben für Oberösterreich“
Josef und Anneliese Ratzenböck beim KURIER-Interview im Juli 2025
Zitate aus dem KURIER-Interview zu seinem 95. Geburtstag (April 2024):
„Meine Leidenschaft war der Bauer. Am Feld mit zwei Pferden und dem Pflug zu arbeiten, das hätte mich voll befriedigt. Als Bauer bist Du an der Quelle des Lebens.“
„Das Leben nach dem Tod wird so weitergehen wie das bisherige, nur ohne Mühsal.“
„Europas Sehnsucht nach Frieden ist ungestillt.“
Anneliese Ratzenböck über ihren Mann (aus dem Buch Josef Ratzenböck, Mein Leben für Oberösterreich)
„Ich war 15, als ich ihn kennengelernt habe. Ich muss sagen, dass ich den Erstbesten geheiratet habe, und in der Rückschau war er der Beste. Es hat nichts Hervorstechendes an ihm gegeben. Er hat sich sehr heftig um mich bemüht. Man hat sich sehr, sehr gut mit ihm unterhalten können. Er war immer sehr witzig und man hat gut mit ihm lachen können.“
„Am meisten an meinem Mann schätze ich seinen ungeheuren Glauben an das Gute im Menschen. Seine Toleranz, seine Kompromissbereitschaft und seinen Humor, der mir aber manchmal auf die Nerven geht. Wenn er einen besonders anstrengenden Tag hinter sich hatte, hat er zu Hause nur lustige Sachen erzählt.“
„Die Gründung der Musikschulen ist das Denkmal, das er sich gesetzt hat. Eine wichtige Aktion war 1979 die Ansiedelung des BMW-Motorenwerks in Steyr. “
Zitat von Ratzenböck-Nachfolger Josef Pühringer:
„Zu den Höhepunkten gehört sicher der 11. Dezember 1989, als er den Eisernen Vorhang durchschnitten hat"
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