Landeshauptmann Thomas Stelzer

© Harald Dostal

Chronik Oberösterreich
09/20/2020

„Brauchen Start-ups rund um die neue Digital-Universität“

Viele Gemeinden bemühen sich als Standort für die neue Digital- Universität. Landeshauptmann Thomas Stelzer will ein völlig neues, internationales Projekt aufsetzen.

von Josef Ertl

Thomas Stelzer (53, ÖVP) ist seit 2017 Landeshauptmann von Oberösterreich.

KURIER: MAN will sein Werk in Steyr komplett schließen. Das ist ein unglaublicher Schritt, der 2.300 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kostet. Versagen hier MAN bzw. Volkswagen nicht in ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung?

Thomas Stelzer: Diese Nachricht ist ein schwerer Schlag. Trotzdem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. MAN hat in den vergangenen Jahren in Steyr sehr viel investiert. Gerade in innovative Technologien, jüngst in den Elektro-Lkw. Auch wir haben sehr viel getan, um den Industriestandort Steyr aufzuwerten. Vom Ausbau der Straßen bis hin zum konsequenten Ausbau der Fachhochschule. Als Standortverantwortliche tun wir das, was wir tun können, aber letztlich bleibt es eine Unternehmensentscheidung, die in Deutschland getroffen wird.

Die neue Technische Universität, die Digital-Universität, kommt nach Linz. Ihr Einsatz hat sich gelohnt.

Es ist ein Erfolg für Oberösterreich. Österreich braucht den Schwerpunkt Digitalisierung, Oberösterreich ist dafür der ideale Standort. Ich freue mich, dass wir gemeinsam zu dieser Entscheidung gekommen sind.

Was wird das Land in dieses Projekt einbringen?

Wir haben die Gespräche mit dem Wissenschaftsminister schon gestartet. Wir sind ein guter Kooperationspartner, wie man das auch an der Johannes Kepler Universität sehen kann. Wir werden alles tun, um die Dinge zu beschleunigen. Es ist eine Bundesuniversität, wie sie die Verfassung vorsieht.

Wie sieht das inhaltliche Konzept für die Digital-Universität aus?

Es ist die Aufgabe der nächsten Wochen, in denen wir das zu umreißen versuchen. Sie soll auch von der Struktur her eine neuartige Universität werden. Es soll dafür ein eigenes Gesetz geben.

Was ist der Vorteil dieser eigenen Organisationsstruktur?

Die Entscheidungsabläufe können beispielsweise beschleunigt werden. Die Universität kann auch internationaler werden. Das ist für mich der zweite wichtige Knackpunkt. Es darf keine weitere technische Universität oder etwas werden, was wir schon haben, sondern sie muss den Anspruch haben, international zu glänzen. Es geht auch darum, international interessante Persönlichkeiten anzuziehen. Sie benötigen auch entsprechende Arbeitsbedingungen.

Wichtig ist, dass neben der Lehre auch wirklich geforscht wird und Innovationen kommen. Wir brauchen die Verknüpfung mit der Digitalisierung, sonst können wir als Standort weltweit nicht mithalten.

Meinhard Lukas, Rektor der Kepler Universität, hat ein Konzept vorgelegt, das da lautet, zwei Universitäten, ein Campus, eine Verwaltung, ein LIT. Die Digital-Universität soll an der Kepleruniversität angesiedelt werden. Besteht bei diesem Konzept nicht die Gefahr, dass die neue Uni zum Anhängsel der Kepler uni wird und damit die Idee umgesetzt wird, die Kepleruni in eine Technologische Universität Linz umzuwandeln, die im Strategiepapier der Kepler uni vorgesehen ist?

Eines ist völlig klar. Es wird eine eigene Universität für Digitalisierung mit eigener Leitung, mit eigenen Lehrern und Forschern geben. Und auch mit einem eigenen Organisationsmodell.

Ich bin Rektor Lukas dankbar, dass er nicht in die Abwehrhaltung geht und die neue Universität nicht als Konkurrenz sieht. Er bringt sich sehr produktiv ein. Es ist klar, dass die neue Universität einen ganz anderen Zuschnitt haben wird und sie wird auch wesentlich internationaler als die Kepler-Universität sein. Es ist sehr sinnvoll, Synergien zu nutzen, aber es ist noch keine Standortentscheidung gefallen.

Welche Standorte kommen aus Ihrer Sicht infrage? Wels bemüht sich neben Linz ebenfalls.

Es bieten sich sehr viele an. Ich erhalte beinahe täglich Angebote und Bewerbungen. Das ist sehr erfreulich, daran kann man sehen, welchen Schwung eine Universität auslösen kann. Es sind entsprechende Verkehrsanbindungen notwendig. Es muss aber auch die Möglichkeit geben, dass sich rund um die Universität Unternehmen ansiedeln können. Vor allem Start-ups, für die die Nähe zur Universität wichtig ist. Das muss in einer Standortentscheidung mitbedacht werden.

Der Platz an der Kepler Universität ist begrenzt. So scheiterte die Firma Fabasoft mit ihrem Versuch, sich in Universitätsnähe anzusiedeln, und Rektor Lukas ist mit seinem Wunsch gescheitert, ein College zu errichten. Beide Male wurden die notwendigen Grundstücksumwidmungen abgelehnt.

Es braucht die neue Universität Platz und Raum, aber es braucht auch ein Umfeld, wo sich das, was sich um eine Universität herum entwickelt, auch entfalten kann. Das ist für jeden Standort, jede Stadt, jeden Ort eine Riesenchance.

Der Anspruch der Internationalität steht die Realität begrenzter Mittel gegenüber. So haben die ETH Zürich oder das Polytechnikum Lausanne viel höhere Budgets als die 150 Millionen, die für Linz zur Verfügung stehen sollen. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.

Es ist wichtig, dass man den Anspruch hochschraubt. Ich rechne schon damit, dass sich private Partner und Unternehmen engagieren, damit sie budgetär wachsen kann. Das muss nicht alles staatlich sein. Wir müssen es uns leisten können, internationale Leute holen zu können.

Die Universität soll 2024 starten. Ist das realistisch?

Der Plan ist, dass der Betrieb in der laufenden Regierungsperiode losgeht.

Sie wollen das möglichst schnell auf die Schiene bringen.

Klar. Wir haben jetzt die Chance, wir haben die Zusage. Je früher wir sie nützen können umso besser.

Als Dauerbaustelle stellt sich die medizinische Fakultät bzw. die Universitätsklinik heraus. Warum dauert es so lange, dass sie auf die Beine kommt?

Am Zuspruch der Studierenden sieht man die Richtigkeit der Entscheidung für die medizinische Fakultät. Wir haben die Universitätsklinik aus bestehenden Spitälern geformt, die einen hohen Versorgungsauftrag hatten und haben. Es sind viele da, die ihre Erfüllung in der Versorgung der Patienten sehen. Gott sei Dank. Aus bestehenden Häusern eine Universitätsklinik zu formen ist weitaus schwieriger als ein Klinikum auf der grünen Wiese zu errichten. Es war von Beginn weg klar, dass das kein einfacher Weg werden wird. Forschung und Versorgung sind zwei Bereiche, die zusammenfinden müssen. Das ist ein großes Thema. Ich hoffe sehr, dass das immer besser miteinander funktionieren wird.

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