Bischof Aichern hat in Linz keine Heimat gefunden
Josef Ertl
„Bischof Maximilian ist die Ikone und auch der Sündenbock des Linzer Weges“, sagte er in seiner Ansprache beim Requiem im Linzer Dom. Das Bischofsamt in Linz sei eine harte Knochenarbeit gewesen, die ihn manchmal an den Rand seiner physischen und psychischen Kräfte gebracht habe.
„Bei aller Nähe gab es auch eine Distanz, bei aller Beheimatung in Linz ein Gefühl der Fremde, die Erfahrung einer letzten Einsamkeit, die mit dem benediktinischen monachus, dem Mönch, zusammenhängt, aber auch auf eine existenzielle Einsamkeit verweist.“ Deshalb sei er in das Stift St. Lambrecht zurückgekehrt.
Innerkirchliche Intriganten, die völlig unchristlich gehandelt haben, haben Aichern das Leben schwer gemacht. Sie haben ihr Verständnis von Wahrheit den Engagierten wie einen nassen Fetzen um den Kopf geschlagen und Gehör bei den vatikanischen Stellen gefunden. Aber die weltweiten Skandale um den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und ihre Deckung in Rom in den Pontifikaten von Johannes Paul II. (1978–2005) und Benedikt I. (2005–2013) haben die Verhältnisse geändert. Die Fundamentalisten sind krachend gescheitert. Franziskus I. (2013–2025) hat Reformen durchgeführt, die aber nicht weit genug gingen. „Der Unvollendete“ titelte der Vatikan-Kenner Marco Politi seine Franziskus-Biografie.
Reformvorschläge gibt es viele, sie werden aus Angst vor einer möglichen Kirchenspaltung nicht umgesetzt. Die römisch-katholische Kirche präsentiert sich ähnlich wie Europa: Beide sind in der Krise.
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