Alles für den Kapitän Pogacar

Der Oberösterreicher Felix Großschartner hat seinen Kapitän Tadej Pogačar zu einem wichtigen Sieg getragen. Am Linzer Stifterplatz unterhält er nun auch einen Kaffeeladen. Von Gerhard Marschall.
Strade Bianche 2026

Rund 30 Kilometer vor dem Ziel passierte es: Der slowenische Superstar Tadej Pogačar (27) wurde in einen Massensturz verwickelt, der Sieg beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo schien verspielt. Doch Pogačar rappelte sich auf, stieg aufs Rad.

In solchen Situationen ist Felix Großschartner gefragt. „Ich habe kurz gedacht, dass es vorbei ist“, schildert der 32-jährige Oberösterreicher die dramatische Phase und seine Rolle als Edelhelfer: „Ich habe ihn zum Feld zurückgebracht.“ Sein Rennen sei nach diesem Kraftakt im Grunde vorbei gewesen. Dass sein Kapitän den Zielsprint auf der Via Roma gewann, bekam Großschartner via Teamradio mit. „Eigentlich ist fast gar nichts nach Plan gelaufen“, resümiert Großschartner den kuriosen Rennverlauf.

Strade Bianche 2026

Großschartner führt bei der Strade Bianche in der Toscana das Feld an, hinter ihm in der weißen Hose Pogacar

„Monumente“

Das Spezielle an Mailand-San Remo über knapp 300 Kilometer sei, dass wegen des nicht so schwierigen Streckenprofils „selten der beste Fahrer gewinnt“. Doch Pogačar, aktuell klar die Nummer eins, wollte diesen Sieg unbedingt. Er möchte heuer als vierter Radrennfahrer in der Geschichte die „Monumente“ komplettieren, fünf Klassiker: Bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, Flandern-Rundfahrt und Lombardei-Rundfahrt stand er schon mehrfach ganz oben auf dem Podium; nach dem Sieg bei Mailand-San Remo fehlt nur noch Paris-Roubaix am kommenden Sonntag. Großschartner wird dort nicht am Start sein, seine Stärken sind Rundfahrten und Bergetappen. Und so absolviert der Linzer ab morgen die Baskenland-Rundfahrt.

Tour de Romandie

Seine Rolle dort wird sein, den Mexikaner Isaac del Toro zu unterstützen. Danach folgt Ende April, Anfang Mai die Tour de Romandie in der Schweiz. Großschartner hat in dem noch jungen Jahr bereits 23 Renntage absolviert. Deshalb ist er froh, dass er jetzt ein paar Tage daheim bei Ehefrau Sabrina verbringen konnte. Geradelt wird dennoch jeden Tag nach einem mit dem Trainer festgelegten Plan. Die auf dem Radcomputer aufgezeichneten Daten werden automatisch auf die Teamplattform hochgeladen. Alles in allem, Rennen und Training, legt Großschartner im Jahr zwischen 30.000 und 35.000 Kilometer zurück. Wie sein weiterer Rennkalender aussehen wird, ist noch ungewiss.

Der Giro d’Italia stehe jedenfalls nicht auf dem Programm. Offen sei, ob er für die Tour de France eingeplant ist: „Mal schauen.“ Wahrscheinlich wird er die Vuelta fahren, die Spanien-Rundfahrt hat er im Vorjahr auf Platz 25 abgeschlossen.

Kaffee Großschartner

Im Drip Coffee Culture wird spezieller Kaffee ausgeschenkt.

Trotz Rennstress sollte zwischendurch immer wieder einmal Zeit bleiben, daheim in Linz in der Adlergasse 11 vorbeizuschauen. Dort betreibt Großschartner zusammen mit Radprofi Michael Gogl, Ex-Radfahrer Daniel Eichinger und Fahrradhändler Dominik Prexl seit Kurzem den Kaffeefachhandel „drip coffee culture“. Das Angebot an Bohnen von namhaften Röstern wechselt wöchentlich, um den Kunden die große Vielfalt des Kaffees zu zeigen. Snacks und Workshops zum Thema Kaffee gibt es obendrein. Solche Shops habe er in vielen Städten entdeckt, sagt der leidenschaftliche Kaffeetrinker Großschartner: „Warum nicht auch in Linz?“

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