Aichern war ein Glücksfall für das Land
Josef Ertl
Als er 1981 zum Linzer Bischof bestellt wurde, wollte die Diözese eigentlich Weihbischof Alois Wagner, der als logischer Nachfolger für den abgetretenen Franz Zauner galt. Doch der war Papst Johannes Paul II. zu liberal.
Der polnische Pontifex zog innerkirchlich eine konservative Trendwende durch, die fortschrittliche, am II. Vatikanum orientierte Diözese Linz sollte auf Linie gebracht werden. Aichern, 15 Jahre lang Abt im steirischen Benediktinerstift St. Lambrecht, sollte sie umsetzen.
Doch Aichern unterstützte den Kurs der Linzer, er verstand sich gut mit den diözesanen Führungsleuten und wurde so zum Ziel konservativ-fundamentalistischer Anschwärzungen und Intrigen. Ein Beispiel: Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation und spätere Papst Joseph Ratzinger beschwerte sich in einem Brief an Aichern, wie es denn sein könne, dass in dem katholischen Bildungshaus Puchberg Yoga-Kurse abgehalten werden.
Bischof Maximilian Aichern
Das zeigt die Schwierigkeit der Amtsführung Aicherns. Die Leute der Diözese wollten einen liberal-fortschrittlichen Kurs, Rom einen Kurswechsel. Druck von oben und von unten. Es dürfte ihm zu viel geworden sein, denn mit 73 Jahren trat er 2005 zurück, wiewohl Bischöfe üblicherweise bis 75 bleiben. Mit Johannes Paul II. verband ihn das Engagement in sozialen Fragen. Der Papst fragte ihn, wie es den Arbeitern in Linz gehe. Denn dem früheren Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla lagen die Arbeiter von Nova Hutta am Herzen.
Aichern war für die Diözese Linz ein Glücksfall. Er schützte ihre Stärke, auch die der katholischen Laienorganisationen. Seine inhaltliche Arbeit verband er mit einer großen Menschlichkeit.
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