Chronik | Oberösterreich
25.03.2018

22 Billiarden nachhaltig angelegt

Ethisch Investieren. Religiöse US-Gruppen gründeten diesen Trend

Allein in Europa sind rund 11.000 Milliarden Euro an den Börsen nachhaltig angelegt. Weltweit sind es rund 21 bis 22.000 Milliarden Dollar. „Dieses Segment wird weiter wachsen“, zeigte sich Markus Schlagintweit überzeugt. Der Theologe und Nachhaltigkeitsexperte war Montagabend Gast der Podiumsrunde der Hypo Oberösterreich, die zur Diskussion über Nachhaltig anlegen in die Linzer Redoutensäle geladen hatte.

„Nachhaltiges Anlegen ist ein sehr wichtiges Thema geworden, ob das nun ethische oder ökologische Kriterien sind“, sagte Gastgeber Generaldirektor Andreas Mitterlehner. Die Kunden seien hier mächtig, denn der Markt müsse sich nach ihren Vorstellungen richten.

Uli Krämer ist Leiter des Portfoliomanagements der Kepler Fonds. Hier werden 16 Milliarden Euro verwaltet. 1,5 Milliarden sind ethische Investments. „Das ist kein kurzfristiger Trend, sondern bleibt ein Thema.“ Kepler setze seit dem Jahr 2000 auf dieses Thema, das Interesse sei durch die Finanzkrise 2007/08 nicht unterbrochen worden. Welche Kriterien werden zur Auswahl nachhaltiger Firmen und Aktien her angezogen? „Wir arbeiten hier mit einem externen Partner zusammen, mit der Nachhaltigkeitsratingagentur Öko-Research in München“, sagte Krämer. Man greife dann auf die besten Unternehmen einer Branche zurück. Zudem habe Kepler einen Ethik-Beirat eingerichtet, dem unter anderem Schlagintweit angehöre. Es würden auch Kriterien wie Unternehmensführung, Umwelt- und Sozialkriterien beachtet.

Martin Wenzl von der Börse Wien führte ins Treffen, dass nachhaltige Geldanlagen besser abschneiden als vergleichbare Indizes. In Wien würden 20 Unternehmen im Phoenix-Nachhaltigkeitsindex zusammengefasst. Während der Österreich-Index ATX seit dem Jahr 2013 um 43 Prozent zugelegt haben, sei Phoenix um 47 Prozent gestiegen. Nachhaltigkeit sei zum Beispiel für Pensionsfonds ein wichtiges Kriterium geworden.

Schlagintweit erläuterte, dass 1928 der Pioneer-Fund in den USA der erste Ethik-Fonds weltweit gewesen sei. Er sei auf religiöse Gruppen zurückgegangen, die nicht in alkohol- und Zigaretten-produzierende Unternehmen investieren wollten. Dann seien die Quäker gekommen, die Rüstungsunternehmen abgelehnt hätten. „Religiöse Gruppen haben sich bestimmten Werten verpflichtet gefühlt.“ In Europa hätten die ethischen Anlagen durch die Friedens- und Umweltbewegung Anstöße erhalten.

Am Podium zu Gast war auch Helmut Wieser, der Vorstandsvorsitzende der AMAG in Ranshofen bei Braunau. Obwohl seine Aluminiumschmiede nicht im Nachhaltigkeitsindex vertreten ist, verwies er auf die Bemühungen seines Unternehmens. „Das ist kein Mascherl und kein Lippenbekenntnis, sondern tägliches Bemühen.“ Mehr als 80 Prozent des Aluminiums werde wiederverwertet und eingeschmolzen. Das Aluminium werde durch Elektrolyse in Kanada hergestellt. Großen Abnehmern sei es wichtig, dass die dafür benötigte Energie durch Wasserkraft und nicht durch Kohle hergestellt werde. Die AMAG beschäftigt 2000 Mitarbeiter, rund 11 Prozent der Aktien gehören ihnen in Form der Mitarbeiterstiftung. josef ertl