Chronik | Niederösterreich
26.04.2018

„Welcher Mörder zieht sich vor der Tat die Schuhe aus?“

Tatort-Rekonstruktion nach Bluttat in Schwechat. Zweifache Mutter starb an Messerstichen. Ihr Ex steht unter Mordverdacht.

Der fünfjährige Sohn und die dreijährige Tochter warteten vor der Eingangstür, während in der Wohnung ihre Mama durch fünf Messerstiche qualvoll starb.

Nach der Bluttat Ende März in einem Mehrparteienwohnhaus in Schwechat versuchte das Gericht am Donnerstag, die Geschehnisse mit einer Tatort-Rekonstruktion nachzustellen. „Dabei hat sich die Notwehr-Situation ganz klar bestätigt“, sagen die Verteidiger des mordverdächtigen Ex-Lebensgefährten, Nikolaus Rast und Alfred Boran.

Timme S. (31) lebte bereits einige Zeit von der Kindsmutter getrennt. Weil Sabine L. (33) mit psychischen Problemen gekämpft haben soll, hatte der Vater das Sorgerecht für die Kinder beantragt. Er hatte von seinem Anwalt Alfred Boran die Info bekommen, dass ihm der Bub und das Mädchen zugesprochen werden. Weil er zusammen mit seiner Freundin und den Sprösslingen auf Urlaub fahren wollte, fuhr er zur Wohnung der Kindesmutter, um Kleidung für die Kinder zu holen.

„Er zog sich die Schuhe aus, als er die Wohnung betrat. Welcher Mörder zieht sich vor der Tat die Schuhe aus?“, sagt Rast. Anschließend soll es sofort zu einem Streit um die Kinder gekommen sein. Als Timme S. seiner Ex sagte, dass er das Sorgerecht bekomme, soll diese die Nerven verloren und zu einem Küchenmesser gegriffen haben.

Kampf in enger Küche

Laut Rast sind die Angaben plausibel. Der Kampf spielte sich in der kleinen Küche auf engstem Raum ab. Die Frau soll auf den 31-jährigen Koch eingestochen haben. Bei der Abwehr des Stichs habe er sich schwer verletzt. Ihm wurde an der linken Hand eine Sehne durchtrennt. Im Kurzschluss soll er ihr das Messer entrissen und zugestochen haben. Laut Obduktion ein Mal in die Brust und vier Mal in den Rücken.

Weil er Angst hatte, dass ihm die Geschichte niemand glauben würde, habe er Tatwaffe und die blutige Kleidung in der Donau entsorgt und versucht, die Tat zu verschleiern. „Er hatte Panik, es den Kindern erklären zu müssen“, sagt Rast.