Die Kaffeerösterei Alvorada meldete 2018 Insolvenz an

© Katharina Zach

Chronik Niederösterreich
11/15/2019

Vösendorf: Bebauung der Alvorada-Gründe auf Schiene

Nach Verhandlungen werden nun weniger Wohnungen gebaut, als eigentlich möglich. Verhindern lässt sich das Projekt nicht.

von Katharina Zach

Kaum ein Thema wurde in der Gemeinde Vösendorf zuletzt so heftig diskutiert, wie die Dorfentwicklung. Kein Wunder: Wie in sämtlichen Wiener Umlandgemeinden war der Zuzug in den vergangenen Jahren enorm.

Zwischen 2009 und 2019 ist die Gemeinde um knapp 20 Prozent gewachsen. Zwischen 2002 und 2019 sogar um knapp 44 Prozent. Zuletzt haben sich immer mehr Bürger gegen das weitere Wachstum ihres Heimatortes gewehrt und mit Unterstützung der ÖVP die Initiative "Dorfbegehren" gestartet.

35.000 Quadratmeter

Umso stolzer ist die Gemeinde nun, dass ein Großprojekt in Sachen Wohnbau zumindest begrenzt werden konnte. Konkret geht es um die Alvorada-Gründe. Das rund 35.000 Quadratmeter große Areal ist seit 1976 als Bauland Kerngebiet gewidmet. Mit dem Konkurs der Kaffeerösterei 2018 – dessen Werbung aus den 80er Jahren „An Alvorada? Des is a Kaffee!“ noch immer Kultstatus hat – wurden Pläne zur Errichtung von Wohnungen konkret.

Nach langen Verhandlungen ist es der SPÖ-V2000-Koalition gelungen, die Bebauungsdichte zu reduzieren. Das heißt, dass weniger Wohnungen gebaut werden können, als die ursprüngliche Widmung ermöglicht hätte.

Konkret konnte die mögliche Netto-Wohnnutzfläche - also das was dann tatsächlich als Wohnraum in mehrstöckigen Häusern genutzt werden kann -  von 54.600 Quadratmetern auf 32.500 reduziert. Das bedeutet, dass maximal rund 400 Wohneinheiten dort errichtet werden können.

Grundeigentümer zahlt bei Infrastruktur mit

Dazu komme, dass sich der Grundstückseigentümer finanziell an der Schaffung von Infrastruktur in der Höhe von 400.000 Euro wie auch Kinderbetreuungsplätzen beteiligen wird, teilt die Gemeinde mit. 28 öffentlich nutzbare Auto-Stellplätze und ein E-Carsharing Stützpunkt soll er ebenfalls errichten.

"Wir sind froh, dass so eine Reduktion möglich war", sagt SPÖ-Gemeinderat Christian Kudym. Dabei hätte sich die Gemeinde eine noch massivere Reduktion gewünscht. Denn eigentlich sei der Ortsteil südlich des Petersbaches als Einfamilienhaus-Gebiet festgelegt worden.

Allerdings sei eine derartige Änderung der Widmung laut Land NÖ nicht möglich gewesen sein. Und auch der Eigentümer hatte in diesem Fall Entschädigungs- bzw. Amtshaftungsansprüche angekündigt.

Bausperre und Nachdenkphase

Bereits 2016, als bekannt wurde, dass Alvorada in wirtschafliche Schwierigkeiten geraten war, hatte die Gemeinde eine Bausperre über das Gebiet verhängt, um zu prüfen, welche Bebauung das Grätzel verträgt. 2018 wurde diese noch einmal verlängert. Nun laufen bereits konkrete Planungen zur Entwicklung des Industriegebiets.

Kritik übt Bürgermeisterin Andrea Stipkovits (SPÖ) an der Opposition, die an den Verhandlungen mit den Grundeigentümern nicht mitgewirkt haben sollen. Zudem hätten ÖVP und FPÖ bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag gegen den nun geschlossenen Vertrag mit dem Grundeigentümer gestimmt.

Kritik gab es von der Opposition etwa, dass im Zuge der Einigung auch Grünland in Bauland umgewidmet würde. Laut Kudym handle es sich dabei aber lediglich um einen Grundstückstausch.

Kritik der Opposition

Das sieht ÖVP-Chef Hannes Koza anders. "Die dringend notwendige Überarbeitung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans wurde viel zu spät in Angriff genommen", meint er. Auch die Gespräche mit dem Grundeigentümer seien zu spät erfolgt, die Opposition zu spät eingebunden. Nun stehe die Gemeinde wegen des Auslaufens der Bausperre mit dem Rücken zur Wand.

Der aktuelle Vertrag diene laut Koza jedenfalls nur dem Bauträger. Zwar würde er einen Kindergarten erreichten, aber die Gemeinde müsste Miete zahlen - wie hoch die jedoch sein werde, sei unklar.

Und zum Thema Grünland sagt er: "Da können sie Grundstücke tauschen, wie sie wollen, dennoch wird schönes Grünland nun zu Bauland."

Zudem sei auch die Beteiligung an der Infrastruktur nur auf den ersten Blick großzügig. Dafür müsse der künftige Bauträger nur einen statt wie sonst meist üblich zwei Stellplätze pro Wohnung bauen, wodurch er Geld spare. Der Grundeigentümer argumentiert dies mit der Nähe zur Badner Bahn. Koza fürchtet zudem, dass der Eigentümer den Vertrag nicht einhält.

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