Chronik | Niederösterreich
03.10.2018

Polizei-Reiterstaffel: Frau Inspektor sitzt fest im Sattel

Der KURIER war beim Ausbildungsstart der berittenen Polizei am Dienstag mit dabei.

Schenkel dran, gut so. Und jetzt Vorwärtstreiben“. Die Rufe von der Galerie der Reitausbildungshalle in der Wiener Neustädter Militärakademie (NÖ) gelten den frisch eingerückten Polizistinnen der Reiterstaffel, dem neuen Prestigeprojekt von Innenminister Herbert Kickl ( FPÖ).

Carolin Schmidt aus Krumbach in der Buckligen Welt in Niederösterreich hat den Streifenwagen mit nur einer Pferdestärke getauscht – mit einem grazilen Warmblut-Wallach der heimischen Reiterstaffel. Schmidt ist mit Pferden groß geworden und erfahrene Reitinstruktorin. Als sie vom Plan der berittenen Polizei erfahren hat, war sie sofort Feuer und Flamme für das Projekt. „Wir haben einen Stall und ich bin mit der Reiterei aufgewachsen. Nachdem ich Polizeibeamtin bin, habe ich natürlich die Chance ergriffen und mich beworben“, erzählt Schmidt. Für sie ist die spannendste Frage die Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn die ersten Uniformierten durch den Prater, über die Donauinsel oder durch die Wiener Innenstadt traben werden.

Nachdem am Montag die letzten zehn Polizistinnen ihren Dienst aufgenommen haben, ist die Reiterstaffel nun mit 21 Personen (5 Ausbilder und 16 Auszubildende) komplett – und mit 17 Frauen fest in weiblicher Hand. Dienstagfrüh haben sich die angehenden Polizeireiter im Beisein des KURIER erstmals für ihre achtmonatige Ausbildung in den Sattel geschwungen. „Wir müssen den Status-quo jedes einzelnen erheben. Jeder Reiter und jedes Pferd hat seine ganz individuellen Stärken und Schwächen“, erklärt Ausbildungsleiter Thomas Maier. Der Oberstleutnant kommt von der Wiener Sondereinheit Wega und ist ein erfahrener Reittrainer.

Nach den Pannen der ersten Monate, der harschen Kritik an den Kosten und der Frage der Notwendigkeit von Polizeipferden, ist das Projekt berittene Polizei seit 1. September dem Direktor für Spezialeinheiten, Bernhard Treibenreif, unterstellt.

Captain, Dorian, Ludwig und die anderen Pferde sind stattliche Warmblut-Wallache von beeindruckender Größe. Um nicht als „Ponyzei“ in der Öffentlichkeit degradiert zu werden, wurde in den Ausschreibungsunterlagen für die Pferde auf ein entsprechendes Stockmaß geachtet. Auf die Kritik, dass die Reiter- zu einer Frauenstaffel mutieren könnte, hat Treibenreif eine klare Antwort parat. „Es ist nicht das Ziel, die Reiterstaffel zu martialisch erscheinen zu lassen. Die Pferde sind respekteinflößend genug.“

Gastgeschenk

Bevor Schmidt und ihre Kolleginnen und Kollegen aber auf Streife reiten können, ist es noch ein langer Weg. In den kommenden Wochen geht es darum, die Tiere auf die Polizeiarbeit bei Großveranstaltungen zu trainieren. Die Pferde dürfen grölende Massen, Gashupen oder Konzertlärm nicht scheuen oder durchgehen. Geübt wird das mit bis zu vier Stunden Reittraining am Tag. Was die Einsatztaktik betrifft, holt man sich Tipps von erfahrenen Reiterstaffeln im Ausland.