Vorschlaghammer und Ohrstäbchen: Der Wahlkampf der Klein-Parteien
Pinzer greift beim Wahlkampfauftakt zum Vorschlaghammer.
Mit italienischer Popmusik versuchen die Neos am Freitagvormittag zumindest ein bisschen die Stimmung in der verschneiten und eisigen Landeshauptstadt St. Pölten aufzuheizen.
Angeführt von Neos-Landeschefin Indra Collini und Nationalratsabgeordnetem Yannick Shetty wird viel Optimismus versprüht, auch wenn es für sie bei der Gemeinderatswahl am 25. Jänner nicht einfach werden wird.
Mit einem Mandat sind die Pinken im Stadtparlament vertreten. Nach dem Abgang von Niko Formanek, der sich wieder verstärkt auf seine Arbeit als Kabarettist konzentrieren wollte und seinen Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt hat, soll es nun Bernd S. Pinzer richten.
"Posten und Freunderlwirtschaft"
Pinzer, ein ehemaliger Berufssoldat, hat bei den Neos als Fraktionsdirektor im NÖ Landtag eine wichtige Rolle inne. Künftig will er auch im Gemeinderat eine Rolle spielen. Dabei setzt der 56-Jährige vor allem auf heftige Kritik an SPÖ-Stadtchef Matthias Stadler, „denn die Sozialdemokraten beschäftigen sich hauptsächlich mit Posten und Freunderlwirtschaft“.
Und er prangert den Schuldenberg der Stadt an. 170 Millionen Euro würde dieser betragen „und weiter wachsen“, wie er beim Wahlkampfauftakt betont. Dann greift Pinzer zu einem Vorschlaghammer und schlägt damit auf Blöcke ein, auf denen Schlagworte wie „170 Millionen“ und „Tangente“ (das umstrittene Kulturfestival, Anm.) stehen.
Ein Mandat als Ziel
Recht aktiv ist dieser Tage auch eine andere Kleinpartei. Die KPÖ mit Spitzenkandidat Max Zirngast würde ebenfalls gern ein Wörtchen im Gemeinderat mitreden. Auch hier lautet das Ziel: der Einzug, also ein Mandat.
Zirngast und sein Team sind viel in der Innenstadt unterwegs und setzen dabei ebenfalls auf Aktionismus. Zuletzt war der gebürtige Steirer mit einem überdimensionalen Ohrstäbchen unterwegs, um das Ohr am Riemerplatz, das alle St. Pöltner kennen, zu putzen. Diese Skulptur aus dem Jahr 1988 soll das offene Ohr des Bürgermeisters symbolisieren. Zirngast wollte mit der Aktion dafür sorgen, „dass der Bürgermeister wieder auf die Menschen hört“.
Zirngast putzt das Ohr am Riemerplatz
So schrill die Wahlkampagnen manchmal wirken, so wichtig könnten Neos und KPÖ nach der geschlagenen Wahl aber im Machtpoker um das Rathaus noch werden.
Denn sollte die SPÖ mit Stadtchef Stadler die absolute Mehrheit verlieren, könnten die Pinken oder die Kommunisten plötzlich das Zünglein an der Waage sein – und vielleicht für die kommenden fünf Jahre der „kleine Koalitionspartner“ der mächtigen SPÖ werden.
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