Chronik | Niederösterreich
23.05.2018

Missbrauch im Volleyballverein: Vizepräsident soll gehen

Der Trainer wurde zu 4,5 Jahren Haft verurteilt. Nun tauchte ein neuer Vorwurf auf.

Zu viereinhalb Jahren Haft wurde vor Kurzem in Wien ein Volleyballtrainer verurteilt, der sechs Mädchen missbraucht haben soll – der KURIER berichtete. Nach der Verurteilung meldete sich der Vater eines weiteren Mädchens – die damals Zehnjährige soll ebenfalls von dem Trainer in einer Wiener Schule unsittlich von dem Mann berührt worden sein.

Der neue Vorwurf bringt für Peter Kutschera das Fass zum Überlaufen. Der aktuelle Präsident des Vereins Volleyball Niederösterreich Sokol/Post SV hat nun seinen Vorgänger – und aktuellen Vizepräsidenten – zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. „Ich will niemandem Mitwisserschaft vorwerfen. Aber alleine die Tatsache, dass jahrelang nichts von den Machenschaften des Trainers bemerkt wurde, genügt mir“, erklärt Kutschera, der erst seit zwei Jahren beim Verein ist. Die Vorwürfe reichen deutlich länger zurück.

Unklarer Abschied

Vize Karl Hanzl ist der letzte, der aus dieser Zeit noch im Amt ist. Und er ist über die Aussage des Präsidenten verwundert: „Mein Abschied mit Ende der Saison war schon seit März klar. Aber eine Aufforderung zum sofortigen Rücktritt habe ich nicht bekommen.“ Sein Ausscheiden habe auch nichts mit dem Missbrauchsskandal zu tun. „Wir hatten ein gut geknüpftes Sicherheitsnetz. Aber es war nicht gut genug“, sagt er rückblickend.

Besonders heikel für den Verein: Aktuell laufen Ermittlungen gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Aufsichtspflicht und die Verpflichtung zur Gefahrenabwehr verletzt worden ist. Daraus könnten auch Schadenersatzansprüche entstehen – und das könnte dem Verein teuer kommen.

Kutschera selbst will eine „lückenlose Aufklärung“. „Ich habe selbst Kinder. Meine eigene Tochter spielt Volleyball. Ich sehe es als meine Pflicht, bei der Aufklärung mitzuwirken, damit derartige Verbrecher abgeschreckt werden können.“

Beschwerden

Dass es Beschwerden aus der Schule gab, in der sich der jüngst bekannt gewordene Verdachtsfall ereignet haben soll, ist bekannt. Es gibt sogar ein Schriftstück des Direktors an den Verein dazu. Von möglichen unsittlichen Berührungen ist darin allerdings nichts enthalten. Stattdessen davon, dass der Trainer Bälle aus dem Sportsaal der Schule „entfernt“ haben soll, Garderoben versperrte und ein Hund im Sportsaal anwesend war. Der Direktor kündigte daraufhin die Zusammenarbeit auf.

Übrigens: Kutschera will sich mit einem Abtritt seines Vizes Ende Juni nicht abfinden. Er forderte seinen Vorgänger gestern noch einmal schriftlich auf, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. „Er scheint zu glauben, das aussitzen zu können. Allerdings haben sich die Zeiten geändert.“