Händische Ernte ist auch eine Jahrhunderte alte Tradition

© APA/HELMUT FOHRINGER

Chronik Niederösterreich
04/02/2019

Mensch gegen Maschine im Weingarten

Führende Winzer wollen Erntemaschinen im ganzen Gebiet verbieten / Gegner fürchten Qualitätsverlust

von Gilbert Weisbier

Soll man Weintrauben händisch oder maschinell ernten? Im Duell „Tradition gegen Innovation “ prallen in der Wachau Argumente besonders heftig aufeinander.

Tradition gilt unter Wachauer Winzern als Wert, den man „nicht extra erwähnen“ muss. Bereits zur Gründung 1983 haben sich Mitglieder der Winzervereinigung „Vinea Wachau“ freiwillig ein Lesemaschinen-Verbot auferlegt. Doch im Rahmen der Vorarbeit zur neuen DAC-Herkunftsbezeichnung für die Wachau wird nun gerungen, ob das Verbot künftig für alle Winzer des Gebietes gelten soll.

Widerstand leisten vor allem Produzenten, deren Reben zwischen dem Göttweiger Stiftsberg und der Donau wachsen. Gut 200 Hektar der recht ebenen Riedfläche gehören zur Wachau und wären betroffen. Das stört kleine Traubenlieferanten ebenso wie große Winzer.

Kritiker

Einer von ihnen ist Sepp Dockner. Sein Betrieb liegt in Höbenbach im Weinbaugebiet Kremstal. Doch er bewirtschaftet auch Weingärten, die zur Wachau gehören. Aus seiner Sicht steht der Plan der „Herrscher der Steinterrassen“ der Qualität im Weg.

„Der Klimawandel ist da. Die Temperaturen während der Lese waren vergangenes Jahr so hoch, dass wir mit dem Vollernter praktisch nur nachts gefahren sind, damit die Trauben nicht leiden“, betont Dockner.

Eine vergleichbare Erntegeschwindigkeit sei manuell nicht zu erreichen. Außerdem sei die Maschine der einzige Weg, um auch günstigere Wachauer Gebietsweine zu produzieren. Er besitzt zudem ein Gutachten, das die maschinelle Lese der händischen gleichstellt, aber Qualitätsvorteile im Einsatz während der kühleren Nachtstunden sieht.

Bedenken

Wachauer Weinbauern geben zu bedenken, dass der Maschinenverzicht der Vinea-Winzer ein Versprechen an Kunden in aller Welt ist. Und ein Prinzip, an das sich auch die Winzer anderer berühmter Weinbaugebiete, etwa der Champagne, halten.

Topwinzer Anton Bodenstein aus Weißenkirchen strebt eine gemeinsame Lösung an. Als Obmann will er der Entscheidung des Regionalen Weinkomitees Wachau nicht vorgreifen. Privat meint er: „Die Handlese gehört seit langem zu den Werten und dem Selbstverständnis und ist Teil der Wachauer Identität.“ Das gelte es in die aktuellen Verhandlungen um den DAC einzubringen.

„Es geht um die Wertschätzung der Traube gegenüber. Was sagt das aus, wenn wir sie nicht einmal mehr angreifen wollen?“, fragt Spitzenwinzer Emmerich Knoll aus Loiben.

Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Und wie immer die Entscheidung des Regionalkomitees ausfallen wird: Das Nationalkomitee muss ihr zustimmen, damit sie auch umgesetzt werden kann.

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