Patrick und Buchingers: Hunde, wollt ihr ewig schnüffeln?

Zwei Männer sitzen an einem Tisch mit roter Decke, im Hintergrund Holzvertäfelung mit Dekoration.
Manfred Buchinger schrumpfte sein legendäres Gasthaus zur Sonntagsschule. Nach ein paar Bier mit einem jüngeren Kollegen ist die „Alte Schule“ wieder voll da – und die vierbeinigen Trüffelsucher auch.

Wenn er nur aufhören könnt’. Manfred Buchinger hat es schon versucht. Langsam, nicht so von einem Tag auf den anderen. Fast ein Vierteljahrhundert war sein Gasthaus „Zur Alten Schule“ ein Fixpunkt der Weinviertler Wirtshauskultur. Der langjährige Küchenchef des Wiener Hotels Intercontinental zog aufs Land – wer hätte das gedacht?

Am 1. Juli 1999 sperrte Buchinger das zum Lokal gewordene alte Schulgebäude in Riedenthal bei Wolkersdorf auf. Dass die bekannte Weinviertler Krimi-Autorin Eva Rossmann nebenbei in der Küche als Sous-Chefin ihrer Kochleidenschaft nachging, hat der Bekanntheit des Gasthauses nicht geschadet.

Vor ein paar Jahren startete er diesen, nun ja, halbherzigen Versuch aufzuhören. „Ich hab’ diese Ruhephase gebraucht für den Schädel“, sagt er am Tisch Nr. 2 sitzend, einem der beliebtesten. Manfred Buchinger kochte nur noch sonntags, sogenannte Frühschoppen mit warmer Küche, die sich bis weit in den Nachmittag ausdehnten. „Und dann hat Google mich zugesperrt“, sagt er lachend. In der Suchmaschine schien die „Alte Schule“ plötzlich als dauerhaft geschlossen auf.

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Suppe de luxe: Lammbries, schwarze Trüffeln und Polenta.

Zwei Buddies finden sich

Buchingers Leben war ruhiger geworden. Er ging abends noch gerne auf ein Bier in die „Schmauserei“ bei Wolkersdorf. Dort lernte er Patrick Lentavitsch kennen, der dort kochte. „Naja, wir sind ins Plaudern gekommen“, sagt dieser, als er aus der Schulküche kommt und sich dazusetzt. In den Gesprächen rückte die „Alte Schule“ in den Fokus. Man könnte doch ... Warum eigentlich nicht? „Wir waren uns sympathisch und haben gesagt: Machma’s halt“, sagt Buchinger. Am 5. Dezember 2025 sperrten Buchinger und Lentavitsch die Schule wieder als reguläres Gasthaus auf. Es führt jetzt den Untertitel „Patrick und Buchingers“; der Gründer, mittlerweile 74 Jahre alt und seit 60 Jahren Koch, wirkt noch entspannter, als er eh schon immer entspannt war. Ablaufdatum hat die neue „Alte Schule“ zum Glück keines. Schließlich steht ja auch auf Buchingers Kapperl: „Legenden sterben nicht im Bett“.

Wenn die beiden über ihre Zusammenarbeit erzählen, erinnern ihre Geplänkel an in der Unterhaltungsbranche bewährte Muster. „Buddy-Komödie“ heißt das Genre, in dem liebevolle Sticheleien unter Männern die Freundschaft erhalten und befeuern. Die Rollen sind klar verteilt: Patrick Lentavitsch ist der jüngere Küchenchef, Manfred Buchinger spielt den verschmitzten Alten, der es nicht sein lassen will.

„Manchmal schleich ich mich mit einem Biosuppenhendl in der Küche und stell’ heimlich eine Suppe zu“, sagt der Ältere. „Und ich hab’ dann die Hack’n und muss sie fertigmachen“, erwidert der Jüngere. Im Prinzip aber, sagt Buchinger selbst, „bin ich jetzt der Hausmasta, der das Licht auf und abdreht. Und wenn mir was nicht so gut gefällt, dreh’ ich mich um und geh’.“ Was Lentavitsch mit freudiger Wertschätzung quittiert: „Es ist so leiwand da, ich kann mich richtig austoben.“

Spontane Küche mit Spaß

Das ist auch kein Wunder, denn das Küchenkonzept der beiden ist denkbar simpel: Gekocht wird, weil es Spaß macht, und daher nur das, was Spaß macht. Die dankbarsten Gäste sind aus Sicht des Duos jene, die sich mit einem Menü überraschen lassen, in dem jeder Gang 13 Euro kostet. Ein kleiner Streifzug durch das, was Saison und Region vorgeben und oft erst in der Küche durch eine spontane Idee in ein Gericht verwandelt wird: Wintersalat mit Wurzelgemüse und Saurüssel, knusprige Pralinen vom Wildschwein, geschmortes Spitzkraut mit getrüffeltem Sellerie oder schwarze Reiscreme mit Kräuterseitlingen und Belper Knolle (eine Schweizer Hartkäsespezialität).

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Sie durchschnüffeln die Wälder: Biene (li.) und Alba.
 

Aber auch Buchingers heimlich zugestellte Hendlsuppe hat eine besondere Note. Seit mehr als 20 Jahren finden seine Hunde in den Wäldern der Gegend schwarze Trüffel. Die erste Generation, zwei Labradorrüden, schnüffelt mittlerweile im Hundehimmel; jetzt sitzen da Springerspaniel Alba und die Weimaranerin Biene und blicken ihr Herrl erwartungsvoll an, weil sie hoffen, dass es bald wieder hinaus geht. Was sie finden, landet dann in einer herzhaften Suppe mit Lammbries, Kohlrabi und Polenta.

„Bei den Trüffeln“, sagt Patrick Lentavitsch, „bin ich sein Lehrbua“. Aber an Küchenerfahrung mangelt es ihm nicht. Er war der erste Küchenchef im Wiener Szenerestaurant „Ella’s“, kochte im „Steirereck“ und bei „Mraz & Sohn“ und verbrachte einige Jahre als Privatkoch in illustren Kreisen – unter anderem in besseren Zeiten für René Benko in dessen zu zweifelhafter Berühmtheit gelangtem „Chalet N“ am Arlberg.

Da muss sich der Alte gleich wieder einschalten, und mit schallendem Gelächter fügt er hinzu: „Für wen mir zwa schon aller gekocht ham!“

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