Im Landgasthaus Schiller gibt's nix zu meckern

Im „Landgasthaus Schiller“ in Sommerein genießt man unter Streuobstbäumen und im Beisein von Ziegen Gerichte vom Feinsten.
Gerhard Schiller füttert die Ziegen neben dem Gastgarten seines Wirtshauses.

Von Achim Schneyder

Im Gehege hinter dem lauschigen Gastgarten, der demnächst wieder seiner Bestimmung übergeben wird, herrscht vorfreudige Aufregung, denn der Hausherr ist in Sicht. Und das verheißt meist etwas Gutes. Und je näher Gerhard Schiller mit dem Kübel voller Futter dem hölzernen Zaun kommt, desto mehr Ziegen drängeln sich hinter den Planken um die vermeintlich besten Plätze. 

„Ihr bekommt ja eh alle was …“, sagt Gerhard nun in beruhigendem Ton, aber doch mehr zu sich selbst, weil er ja weiß, dass Ziegen zwar meckern können, unserer Sprache aber trotzdem nicht mächtig sind.

„Bald ist Ostern“, sagt Gerhard ein paar Schritte später auf dem Weg zur anderen Wiese, und somit ist klar, dass im „Landgasthaus Schiller“ auch hauseigene Tiere („Zu Zeiten der Großeltern waren es außerdem Rinder“) den Weg in die Küche finden und in weiterer Folge den Gästen zum kulinarischen Glück verhelfen.

Und jetzt sind wir bei den Hühnern, denn auch die bekommen was. Im Vergleich zu den Ziegen sind die allerdings merklich scheuer. „Aber dafür legen sie wirklich gute Eier“, sagt Gerhard.

Schließlich wären da auch noch die weitläufigen Gemüse- und Kräuterbeete und das eigene Streuobst hinter dem Gasthaus. Zwetschken für Röster, Äpfel für Mus und Kompott, Marillen für Marmelade und Knödel, Holler für Saft und Röster und nicht zuletzt die Kirschen. „Da gibt’s dann im Juni wieder Kirscheisknödeln mit geröstetem Mohn, die sind jedes Jahr aufs Neue ein Renner.“

Kräuter- und Gemüsegarten

Anno 1758 wurde dieser Hof erbaut, und so alt ist übrigens auch die original erhaltene Selch, die immer noch in Betrieb ist. „Ich produziere aber nicht nur Würste und Speck, ich selch auch gern Gemüse, Sellerie zum Beispiel“, sagt Gerhard, der einst an der Seite von Legende Werner Matt im Wiener „Hilton“ kochte.

Die Selch aus dem Jahr 1785 im Landgasthaus Schiller.

Das Wirtshaus-Urgestein ist die Selch aus dem Jahr 1785. 

Später arbeitete er unter Helmut Österreicher im alten und als Souschef neben Heinz Reitbauer im neuen „Steirereck“, ehe er den von den Urgroßeltern hier in Sommerein 1908 eröffneten Betrieb 2013 wieder zum Leben erweckte, nachdem er zuvor knapp zehn Jahre lang stillgestanden war.

Omas famose Fleckerl

„Es war der Wunsch meiner Großeltern, dass das Wirtshaus wieder aufsperrt“, sagt Gerhard, „und da meine Frau Andelika, so heißt sie wegen ihrer kroatischen Wurzeln, und ich ohnehin aufs Land wollten, lag es nahe, dass es dieses Wirtshaus werden würde.“ Apropos Großeltern: Die inzwischen 90-jährige Oma Maria Magdalena produziert noch heute eigenhändig die Teigwaren, die dann beispielsweise in Form von Krautfleckerl auf die Teller kommen. Und diese Fleckerl, also die Basisfleckerl selbst, sind von wahrhaft unsagbarer Qualität.

„Vom ersten Tag an war es mein Ziel, den Gästen ehrliche, ländliche Wirtshausküche mit Blick über den Tellerrand zu bieten, sprich Küche mit Anspruch auf Kreativität und gerne auch mit Überraschungen“, sagt Gerhard. 

Ein Versprechen, das er mehr als bloß hält, man braucht nur die Schleie aus dem Attersee zu kosten, das Wildschwein vom nahe gelegenen Leithaberg, den Zwiebelrostbraten oder den Feldhasenrücken mit Karfiol und Vogelbeeren. Und auch vegetarische Gerichte wie Pak Choi mit Topinambur, Ringlotten und Schwarzkümmel spielen weit vorne an der Spitze mit.

Ein Zwiebelrostbraten schön angerichtet auf einem Teller.

Ein Zwiebelrostbraten wie er besser kaum sein könnte. 

Ganz einfach ist’s inzwischen aber nicht mehr auf dem Land, da macht Gerhard gar kein Geheimnis draus. Das Mittagsg’schäft etwa, das hat er inzwischen eingestellt und öffnet das Lokal nur noch am Abend. 

Bloß für Kinder aus der Region steht er in Sachen Mittagessen – und das aus Überzeugung und sehr gerne – immer noch am Herd, sprich für Kindergarten, Hort und Schule in Sommerein, die von den Schillers täglich beliefert werden. „Und da achten wir natürlich auch besonders drauf, dass schon die Jungen nicht nur gut, sondern auch gesund essen und dass nachweislich nur qualitativ hochwertige Zutaten verarbeitet werden. Man ist den nachfolgenden Generationen schließlich verpflichtet. Wir hätten auch noch Kapazitäten, weitere Schulen in Gemeinden der Region zu versorgen“, sagt Gerhard, der insgeheim aber noch einen ganz anderen Plan hegt.

Ihm schwebt vor, seine Küche eines nicht allzu fernen Tages so umzubauen, dass sie nach außen hin zum Teil eine offene, gewissermaßen eine Abholküche ist. „Dann würde es wieder Mittagsgerichte geben, aber eben nicht für hier im Lokal, sondern für Zuhause.“

Zukunftsmusik. Noch muss man sich auf den nicht allzu weiten Weg machen – von der Wiener Stadtgrenze ist’s knapp eine halbe Autostunde –, um vor Ort in den Genuss der Schiller’schen Kochkunst zu kommen. Im Idealfall im lauschigen Gastgarten, wo’s rein gar nichts zu meckern gibt. Außer für die Ziegen.

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