Künstlerin in Krems: "Es ist okay, wenn etwas nicht gefällt"

Die Künstlerin Käthe Löffelmann sitzt vor einem ihrer Kunstwerke.
Eines von Käthe Löffelmanns jüngsten Werken findet sich im Kremser Stadtbild. Von ihrem Weg zur Kunst hat die 31-Jährige im Gespräch mit dem KURIER erzählt.

Denkt Katharina alias Käthe Löffelmann an die Anfänge ihrer künstlerischen Arbeit zurück, hat sie eine rudimentär eingerichtete Werkstatt im Waldviertel vor Augen. In aller Ruhe widmet sie sich dort einigen ungenutzten Resthölzern, bearbeitet die übrig gebliebenen Materialien mit einer abgestumpften Säge, greift zu U-Hakerln oder alten Nägeln, um kleine Skulpturen entstehen zu lassen. Einem konkreten Plan folgt Löffelmann dabei nicht. „Ich habe einfach intuitiv herumgenagelt und gesägt“, erinnert sich die 31-Jährige an diese Stunden.

Heute entstehen Löffelmanns Werke nicht mehr in der alten Holzwerkstatt ihres Opas. Stattdessen geht die gebürtige Waldviertlerin ihrer Arbeit etwa im Studio oder auf offener Straße nach, hält Momente mit der Kamera fest, lässt Hauswände zu Leinwänden werden, schafft Installationen für diverse Ausstellungen.

Zur Kunst gefunden

Dabei war für die 31-Jährige nicht von Anfang an klar, dass sie Künstlerin werden möchte. Nach einer Ausbildung an der Grafischen arbeitete Löffelmann zunächst in einer Werbeagentur. „Da war tatsächlich mein Zugang zu Kunst kaum vorhanden. Und ich dachte immer, das ist irgendwie nichts, was mich jemals so abholen würde“, erzählt sie.

Einige Umbrüche und die richtigen Umstände änderten diesen Zustand. „Auf einmal hab ich auch verstanden, worum es da halt gehen kann.“ Begonnen hat Löffelmann mit Graffiti-Kunst und arbeitete unter anderem mit Typografie, bevor sie sich an Studioprojekten versuchte. Mittlerweile hat die 31-Jährige mehrere Werke im öffentlichen Raum umgesetzt, einige ihrer Malereien an die Landessammlung Niederösterreich übergeben und ist mit ihren Arbeiten regelmäßig bei Ausstellungen oder auf Festivals vertreten.

In ihre Werke lässt die 31-Jährige persönliche Themen einfließen, die sie ebenfalls im Außen wahrnimmt und beschäftigt sich mit individuellen Frustrationsmomenten, „die es aber gesellschaftlich auch gibt“. Immer wieder werde ihr dabei bewusst, „das Private ist politisch und auch umgekehrt“. Der kreative Entstehungsprozess folgt dabei nicht unbedingt einem roten Faden. Fotografieren würde sie etwa „immer nebenbei“.

Ungefiltert

Im Anschluss beginnt gewissermaßen eine detektivische Arbeit: Löffelmann durchstöbert ihre Motive, erkennt übergreifende Themen und fügt sie zu einem Ganzen zusammen.

Mittlerweile lebt die 31-Jährige zwar in Wien, für eines ihrer jüngsten Werke kehrte sie kürzlich ins Waldviertel zurück. Mehrere Wochen lang war Löffelmann mit einem Projekt entlang der Kremser Kunstmeile beschäftigt und verpasste der Eisenbahnbrücke einen neuen, blau-weißen Anstrich. Seither können Passantinnen und Passanten beim Durchschreiten der Unterführung die Worte „Wen/was wir nicht (mehr) sehen können“ lesen. Ein Projekt, das für Komplimente, aber auch für Kritik sorgte.

„Ich würde sagen, ich versuche damit realistisch umzugehen“, nimmt Löffelmann die Reaktionen gelassen. Im öffentlichen Raum begegnen unterschiedliche Leute ihren Werken und betrachten die Malereien in ihrem unmittelbaren Lebensraum. „Natürlich werden sie Emotionen dazu haben und es ist auch okay, dass Leuten etwas nicht gefällt“, findet die Künstlerin.

Grundsätzlich habe sie, wenn es um die Reaktionen auf ihre Arbeit geht, bisher Glück gehabt. Dennoch hat sich eine unerfreuliche Rückmeldung zu einer ihrer liebsten Anekdoten entwickelt. Vergangenen Sommer war die 31-Jährige mit Malereien in der Seestadt beschäftigt, als eine Gruppe Jugendlicher ihren Weg kreuzte. Im Vorbeigehen ließ Löffelmann ein Satz aufhorchen, der vermutlich nicht für ihre Ohren bestimmt war: „Sieht voll kacke aus.“

Ihre Reaktion: „Ich habe mich ur gefreut, weil das wenigstens Mal eine ehrliche Aussage ist“, schildert Löffelmann und lacht. Zwar sei es selbstverständlich, ihr Anspruch – gerade im öffentlichen Raum – Kunst zu schaffen, die möglichst vielen Menschen Freude bereitet. „Aber allen kann man es nicht recht machen. Und ich finde es dann ganz cool, wenn Leute ungefiltert über etwas reden“, so die 31-Jährige. Das Vertrauen in ihr eigenes Können lässt sich von einigen kritischen Stimmen jedenfalls nicht so schnell erschüttern.

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