Chronik | Niederösterreich
08.08.2018

Jagd nach Bankräuber blieb trotz Großaufgebots erfolglos

Polizeihubschrauber und vierzig Polizeibeamte mit Suchhunden verfolgten Räuber in einem Waldstück im Bezirk Neunkirchen.

Anrainer dachten an einen Dreh für die Tatort-Serie oder einen anderen Krimi. Die idyllische 2000-Seelen-Gemeinde Grafenbach (Bezirk Neunkirchen) war am Mittwoch Schauplatz eines Polizei-Großeinsatzes, wie man ihn sonst nur aus Filmen kennt. Nach einem bewaffneten Überfall auf die örtliche Raiffeisenbank glich die Ortschaft einer Festung. Ein Polizeihubschrauber kreiste – mit kurzer Unterbrechung weil er zum Auftanken nach Wiener Neustadt fliegen musste – fast drei Stunden über dem Ort. Auf dem Boden tummelten sich bis zu vierzig teils schwer bewaffnete Polizisten mit Schutzwesten und Suchhunden.

Perücke

Gegen 10.25 Uhr betrat ein junger Mann, der mit Perücke, Sonnenbrille und aufgeklebtem Bart maskiert war, die Bankfiliale am Peter-Johann-Platz. Der Täter zückte eine Faustfeuerwaffe und richtete sie auf die Angestellte, die hinter dem Schalter stand. Laut Chefinspektor Josef Deutsch von der Raubgruppe des nö. Landeskriminalamts forderte er in „bodenständigem Dialekt“ Geld.

Die verängstigte Mitarbeiterin tat was von ihr verlangt wurde und händigte dem Räuber das Bargeld aus der Kassenlade aus. So schnell wie der Mann aufgetaucht war, verschwand er auch wieder – zunächst in unbekannte Richtung. Nachdem die Angestellte den Alarm ausgelöst hatte, wurde vom Bezirkspolizeikommando in Neunkirchen eine Alarmfahndung eingeleitet.

Ein Augenzeuge hatte in unmittelbarer Nähe des Tatorts eine verdächtige Beobachtung gemacht. Demnach sah er den vermeintlichen Bankräuber vom Ortszentrum in Richtung der dortigen Enduro-Rennstrecke des Motor-Sport-Clubs Schwarzatal (MSC) in ein steil ansteigendes Waldstück flüchten.

Da es somit konkrete Angaben zur Fluchtrichtung gab, wurde der Hubschrauber des Innenministeriums aus Wien zur Fahndung angefordert, erklärt Bezirkspolizeikommandant Johann Neumüller. Weil sich zahlreiche Polizeikräfte in der Nähe auf einer Einsatzübung befanden, wurden diese ebenfalls nach Grafenbach beordert.

Die Einsatzleitung hegte den begründeten Verdacht, dass sich der Täter in dem nahen Waldstück versteckt oder verschanzt haben könnte. Deshalb wurde das Gebiet mit der Infrarotkamera des Helikopters abgesucht – allerdings ohne Erfolg. In der Zwischenzeit bereiteten sich die Beamten beim Feuerwehrhaus in Grafenbach auf eine Durchsuchung des Waldstücks vor.

Spürnase

Der zehn Monate alte belgische Malinois-Rüde „Buddy“ der Polizei-Diensthundestaffel sollte zusammen mit seinen vierbeinigen Kollegen die Witterung des Flüchtigen aufnehmen. „In der Hitze kommen die Tiere aber rasch an ihre Grenzen. Nach einer Viertelstunde muss der nächste Hund ran“, erklärt Buddys Diensthundeführer.

Die Suche nach dem Bankräuber musste Mittwochnachmittag ergebnislos abgebrochen werden. Laut dem Sprecher der nö. Landespolizeidirektion, Raimund Schwaigerlehner, ist der gesuchte Täter etwa 20 bis 30 Jahre alt, 175 bis 180 cm groß und sehr schlank.