Markus und Friedl Pauer-Rüel bei der  Pflanzenkontrolle im ehemaligen Schweinestall. Die Hanfzucht braucht Wärme, Feuchtigkeit und Licht

© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
12/28/2020

Im Schweinestall wird jetzt Hanf gezüchtet

Landwirt beendete nach 30 Jahren seine Massentierhaltung und funktionierte seinen Stall in eine CBD-Plantage um.

von Patrick Wammerl

30 Jahre lang hat Friedl Pauer-Rüel Ferkel in seinen Stallungen in Lichtenwörth (NÖ) aufgezogen. Nachdem allerdings der Markt von Billigfleisch aus dem EU-Raum überschwemmt wurde und sich die Marktlage für heimische Bauern drastisch geändert hatte, sah sich der Landwirt gezwungen, ein neues Betätigungsfeld zu suchen.

Gefunden hat er das zusammen mit seinem Sohn Markus in einer CBD-Plantage. Dort, wo früher bis zu 2.000 Ferkel gleichzeitig großgezogen wurden, wachsen jetzt unter sterilen Bedingungen und speziellem LED-Licht Hanfpflanzen für die Schönheitsindustrie und auch noch andere Abnehmer. Der Tierhaltung hat der Bauer damit endgültig abgeschworen.

CDB statt Billig-Fleisch

„Wir leben doch in einer verkehrten Welt. Im Supermarkt stürzen sich alle auf das billigste Fleisch. Ein Energy Drink kostet schon mehr als ein Kilo von dem Billigfleisch“, sagt Pauer-Rüel. Diese Entwicklung habe die Situation für kleine Betriebe in Österreich zusehends verschärft.

In Lichtenwörth – eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde – wurden zu Spitzenzeiten 15.000 bis 20.000 Schweine gehalten. „Wenn man dann auch noch als Tierquäler oder Brunnenvergifter hingestellt werde, dann reicht es irgendwann.“ ärgert sich der Landwirt.

Nicht berauschend

Deshalb kam die Idee seines Sohnes Markus gerade zur rechten Zeit. Durch Artikel und Fernsehberichte stieß er in der Schweiz auf CBD-Plantagen, in denen Hanf-Stecklinge unter ganz besonderen klimatischen Bedingungen großgezogen werden. Um legal weiter verarbeitet zu werden, dürfen die Pflanzen einen gewissen THC-Wert nicht überschreiten. THC ist der berauschende Wirkstoff im Cannabis, der auch als Suchtmittel gilt.

„Die Voraussetzungen in unseren ehemaligen Ställen waren mehr als gut. Wir hatten für die Schweinehaltung bereits gut isolierte Räume mit Wand- und Bodenheizung und Lüftungsanlage“, schildern Vater und Sohn.

Also wurden alle Stalleinrichtungen heraus gerissen und der Hof für die Hanfaufzucht entsprechend umgebaut. Eine Bewässerungsanlage samt Osmose-Fileranlage und ein Belüftungssystem sind der Mindeststandard für eine erfolgreiche Aufzucht.

„Wir bekommen 25 cm hohe Stecklinge, die wir eine Woche lang wachsen lassen und dann in die Blüte schicken“, sagt Pauer-Rüel. Um diese auszulösen, simulieren 256 Led-Lampen auf einer Fläche von 200 einen Sonnentag von zwölf Stunden. Die anderen zwölf Stunden muss in den Räumen absolute Dunkelheit herrschen, um den Pflanzen die Nachtruhe zu ermöglichen.

Bei 20 bis 22 Grad Raumtemperatur und 50 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen ideale Bedingungen für den Hanf, um zu wachsen und zu gedeihen. Noch vor dem Start der Wachstumsphase wird die gesamte Plantage mehrfach desinfiziert und danach steril gehalten. „Die größte Gefahr sind Schimmelbefall oder Schädlinge, die man einschleppt“, sagt Markus Pauer-Rüel.

Bis 4.000 Euro pro Kilo

Etwa acht Wochen dauert es, bis aus den Stecklingen des Nutzhanfs die abzuerntenden Blüten (CBD Buds) sprießen. Diese werden getrocknet und danach für den Weiterverkauf verpackt. Abnehmer sind beispielsweise auch CBD-Shops. „Die erste Ernte ist schon vorab komplett verkauft. Das ist mir in der Landwirtschaft noch nie passiert“, so der Bauer. Für ein Kilo Schweinefleisch habe er zuletzt 1,10 Euro bekommen. „Für ein Kilo der CBD-Pflanzen, je nach Qualität, zwischen 2.000 und 4.000 Euro“, sagt Pauer-Rüel.

Für die Behörde und Polizei erbringt er den notwendigen Saatgut-Nachweis, dass der THC-Gehalt seiner Pflanzen die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschreitet. Um selbst das begehrte CBD-Öl pressen zu können, planen Vater und Sohn bereits eine Outdoor-Plantage auf ein paar Hektar ihrer Felder. In den ehemaligen Stallungen sollen im Endausbau auf 1000 rund 25.000 Pflanzen groß gezogen werden.

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