Heimskandal: Betreuer finden keine Jobs mehr

Protest der TG-Belegschaft in St. Pölten © Bild: Weisbier Gilbert

Frühere Belegschaft kämpft mit Petition gegen Schicksal der Kinder an. Schon 1200 Unterstützer haben unterschrieben.

Die Kinder wurden unter Polizeischutz weggebracht, mehr als 70 Mitarbeiter sind gekündigt und die Jugendheime der Therapeutischen Gemeinschaft (TG) in Niederösterreich mussten Insolvenz anmelden. Das ist das Resultat eines immer noch fragwürdigen Berichts einer Sonderkommission zu den angeblich schweren Missständen in den drei TG-Heimen.

Nach wie vor weiß außer der Kommission und dem verantwortlichen Landesrat, Franz Schnabl (SPÖ), niemand, was in dem geheimen Bericht steht. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat nach der Übermittlung einer Sachverhaltsdarstellung der Sonderkommission bis dato kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Mittlerweile wehrt sich der TG-Betriebsrat und die frühere Belegschaft mit der Petition „Gerechtigkeit für traumatisierte Kinder“ gegen die überfallsartige Abnahme der teils schwer traumatisierten Jugendlichen. Bereits knapp 1200 Unterstützer haben die Petition unterschrieben und es werden täglich mehr. In den kommenden Tagen soll die Petition Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und anderen führenden Politikern der NÖ-Landesregierung übergeben werden.

Schnabl, der die Kommission initiiert hat, muss harsche Kritik einstecken. Nach einem Protest der TG-Belegschaft in St. Pölten versprach der Landesrat Unterstützung, falls es zu Kündigungen komme. „Es haben alle ihren Job verloren, aber auf irgend eine Hilfe warten wir bis heute vergeblich“, erklärt die Betriebsratsvorsitzende der TG, Eva Pieler. Die Situation sei sogar noch dramatischer als befürchtet. Betreuer, die sich bei anderen Heimeinrichtungen beworben haben, wurden der Reihe nach abgewiesen, weil sie von TG-Heimen stammen. „Das ist wie ein Stigma“, so Pieler.

Drogen und Flucht

Besonders hart hat die Heimschließungen aber die dort untergebrachten Jugendlichen getroffen. Nahe stehende Personen berichten, dass die neuen Betreuer in den Ersatzquartieren mit den traumatisierten Jugendlichen völlig überfordert seien. „Hilfe, unsere Kinder sind am Zerbrechen,“ schreibt Hildegund Caspaar, die Ziehoma eines der Jugendlichen.

Dem KURIER liegen Videos vor, die die Kinder und Jugendlichen im Drogenrausch zeigen, nachdem sie aus ihren neuen Quartieren in Niederösterreich und Wien getürmt sind.

( kurier.at ) Erstellt am 13.04.2018