Giftkrimi: Justiz untersucht 3. Todesfall

Die Witwe, die zwei Lebensgefährten vergiftet haben soll, pflegte auch eine Frau. Nach deren Tod erbte sie den Schmuck.

Der Schwechater Friedhof wurde Montagfrüh kurzfristig gesperrt... ... Alois F. wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Krems exhumiert. Der Niederösterreicher soll von einer polnischen Pflegerin vergiftet worden sein. Sie steht auch in Verdacht, Herbert A. (68) mit Arsen vergiftet zu haben... Die Tochter A.s, Karin Ojukwu, zeigte den Mordverdacht bei der Staatsanwaltschaft an. Herbert A. starb ab 14. Oktober 2010. Sein Gewebe wies - laut eines Gerichtsgutachtens - eine extrem hohe Arsenbelastung auf... Das wahrscheinlich zweite Opfer der polnischen Pflegerin, Alois F., wurde Montagfrüh exhumiert. Die Staatsanwaltschaft vermutet ein Gewaltverbrechen... ... auch Herbert A. könnte vergiftet worden sein. Die Exhumierung am Schwechater Friedhof dauerte etwa eine Stunde. Die Verdächtige, Bogumila W., sitzt in U-Haft

Der Giftkrimi um eine 51-jährige Polin, die zwei Lebensgefährten ermordet haben soll, nimmt eine brisante Wendung: Die Justizbehörden müssen nun einen dritten mysteriösen Todesfall untersuchen, den eine Zeugin aufgedeckt hat.

Bogumila W. sitzt in Krems unter dem Verdacht in U-Haft, den 68-jährigen Herbert A. mit Arsen und den 61-jährigen Alois F. mit Pflanzengift zu Tode „gepflegt" zu haben, um an deren Vermögen zu kommen. Ein Expertenteam untersucht zur Zeit die beiden exhumierten Leichen.

Am Donnerstag hat sich eine langjährige Bekannte von A. bei der Polizei gemeldet und eine Aussage zu Protokoll gegeben. Demnach hatte der 68-Jährige vor seinem Tod seine Lebensgefährtin Bogumila W. – die auch seine Pflegerin gewesen sein will – mehrere Monate lang regelmäßig zu einer alten Frau chauffiert, deren Betreuung die Polin übernommen hatte. Dann sei die alte Frau plötzlich gestorben und habe Bogumila W. ihren gesamten wertvollen Schmuck vererbt.

A.s Bekannte, die jetzt auch in Kontakt mit dessen Tochter steht, bestätigte ihre Zeugenaussage in einem Telefonat mit dem KURIER. A.s Tochter erzählte sie unter anderem noch, Bogumila W. habe dem 68-Jährigen unter allen möglichen Vorwänden Geld heraus gelockt. So habe sie behauptet, von ihm schwanger zu sein und 15.000 Euro für eine Abtreibung zu brauchen. Auch von ihrem verstorbenen Ehemann in Polen sprach sie, der ein Mädchen angefahren habe, um das sie sich seit seinem Tod kümmere.

Die Zeugin erzählte A.s Tochter auch noch, deren Vater habe neben der an Witwe Bogumila W. überschriebenen Eigentumswohnung in Wien auch noch ein Haus in Mistelbach, NÖ, besessen. Das habe er kurz vor seinem Tod verkauft, vom Erlös fehlt jede Spur.

Einvernahme

Heute reist der Sohn von Bogumila W. aus Polen an, um der Staatsanwaltschaft Krems Rede und Antwort zu stehen. Man will etwas über die Geldflüsse auf A.s Konto wissen. Bogumila W. hatte in einer Einvernahme ausgesagt, ihr Sohn habe Geld abgehoben. Der Anwalt von Mutter und Sohn, Timo Gerersdorfer, verspricht volle Kooperation. Die Sache mit dem Konto könne man schnell aufklären: A. habe den Sohn von Bogumila W. gebeten, am Grab seiner verstobenen Frau Arbeiten durchzuführen und sei dafür bezahlt worden. Heute wird auch entschieden, ob die Polin in U-Haft bleibt, was als fix gilt.

(kurier / Ricardo Peyerl, Nihad Amara) Erstellt am
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