ÖVP-Spitzenkandidat will „kurz auf die Wohnbaubremse drücken“

Florian Krumböck ÖVP
Florian Krumböck will „das Wachstum der Stadt lenken“ und übt in Sicherheitsfragen scharfe Kritik an der regierenden SPÖ.

Er wird nach der Wahl neuer ÖVP-Vizebürgermeister von St. Pölten sein. Florian Krumböck, wurde bereits im vergangene September zum neuen Obmann der Stadtpartei gewählt, die Kür soll bei der Gemeinderatswahl folgen. Was hat der 34-Jährige vor?

KURIER: Herr Krumböck, Sie versprechen im Wahlkampf den Bürgern einen neuen Plan für St. Pölten. Darin steht auch, dass man den Zuzug bremsen und das Wachstum lenken solle. Die wirtschaftliche Situation ist aber allgemein schwierig. Ist es der richtige Ansatz, nun zu bremsen?

Florian Krumböck: Mir geht es um Lebensqualität in St. Pölten und nicht um die Jagd nach Bevölkerungsrekorden in St. Pölten, so wie wir sie in den letzten Jahren mit der Alleinregierung der Stadler-SPÖ gesehen haben. Das heißt: Ja, wir müssen jetzt kurz auf die Wohnbaubremse drücken, damit wir die Infrastruktur – angefangen bei Kindergärten und Schulen – nachziehen können. Ich will einen Plan, der für die St. Pöltner okay ist, sodass Wachstum wieder etwas Positives ist.

2021 hat die ÖVP bei den Gemeinderatswahlen dazugewonnen, die FPÖ hat verloren. Martin Antauer von den Freiheitlichen ruft sich nun als Bürgermeisterkandidat aus, von Ihnen hat man das noch nicht gehört.

Die Ausgangslage ist eine sehr klare: Die SPÖ wird wieder die Nummer eins sein. Die Frage ist nur, ob sie die absolute Mehrheit verliert oder wieder behält. Ich kämpfe dafür, dass es diese absolute Mehrheit nicht mehr gibt. Warum? Weil wieder eine ganz neue Politik möglich wäre. Dann wird nicht mehr nur danach entschieden, ob ein Antrag rot oder – wenn er von jemand anderem kommt – automatisch schlecht ist, wie es die Stadtregierung dann vermutet. Es würde wiederum Inhalte gehen. Mir geht es nicht darum, wer welches Amt übernimmt, das muss man sich danach ansehen. Mein erster Gesprächspartner wird aber jedenfalls die SPÖ sein.

Zum ausführlichen KURIER TV-Interview mit Florian Krumböck

Das heißt, Sie würden auch als schwarzer Vizebürgermeister unter Rot-Schwarz zur Verfügung stehen?

Ich stehe zur Verfügung, damit wir unseren Plan umsetzen und neuen Wind nach St. Pölten bringen. Mir geht es nicht darum, dass ich etwas werde, sondern dass wir Themen weiterbringen.

Ein großes Thema für die ÖVP ist die Sicherheit. Laut Polizei hat die Stadt aber kein Sicherheitsproblem. Sie sind da anderer Meinung. Warum?

Wir haben ein Thema mit dem Zusammenleben in der Stadt, da muss man genau hinschauen. Nicht alles, was nicht angezeigt wird, ist okay und führt zu einem guten Zusammenleben. Wir sehen das zum Beispiel im Sturm-19-Park. Da haben wir Probleme, weil ältere Leute, zum Beispiel Großmütter, die mit ihren Enkelinnen unterwegs sind, von Rowdys auf E-Scootern angefahren werden. Und wir hatten den Vorfall mit der Gasdruckpistole. Ja, nicht alles ist strafrechtlich relevant, aber es beeinflusst sehr wohl, wie Zusammenleben funktioniert, und hinterlässt einen Eindruck. Darauf muss man Bezug nehmen – auch in Sachen Integration. Wir haben viel zu oft gesehen, dass es bei Terrorplänen und Terrorverherrlichung immer wieder einen Bezug zu St. Pölten gab. In der Stadler-SPÖ hat man da weggeschaut. Ich will, dass man hinschaut, in die Extremismusprävention geht und auch sprachlich früh genug ansetzt, um Kinder und Jugendliche in unser Wertesystem zu holen. Denn die Regeln, die wir uns gegeben haben, sind für mich nicht verhandelbar.

Sie machen sich auch Sorgen um die Innenstadt. Sie sagen, dass viele Geschäfte zusperren mussten, sprechen von einer Verödung. Die SPÖ spricht von einer Rekordfrequenz. Was stimmt denn nun?

Es kann sogar beides stimmen. Wir haben eine gute Frequenz, weil viele Schüler durch die Stadt gehen. Wer aber mit offenen Augen durch die Innenstadt geht – und das empfehle ich der SPÖ –, der sieht, dass es deutliche Probleme gibt. Wir haben absolute Top-Lagen in der City, wo sich der Handel zurückzieht. Wir müssen die Innenstadt stärken. Ich habe deshalb die Initiative gestartet, dass wir 80 zusätzliche Oberflächenparkplätze an schulfreien Tagen am HTL-Parkplatz bekommen, und ich möchte, dass wir die Leiner-Garage wieder reaktivieren. Die Stadt soll – so wie es Wiener Neustadt gemacht hat – das Leiner-Projekt von SÜBA übernehmen, kaufen und damit selbst die Hand auf dieses Filetstück in der Innenstadt haben.

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