Chronik | Niederösterreich
28.11.2018

Unfall mit Pionierboot: Kentern hätte verhindert werden können

Bundesheer präsentierte Unfallbericht. Nach dem Kentern des Bootes mussten zwei Frauen reanimiert werden.

Nach dem Kentern eines Pionierbootes des Bundesheeres auf der Donau bei Hainburg (Bezirk Bruck a.d. Leitha) am 1. September ist der Unfallbericht fertig und wurde im Verteidigungsministerium der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Ausschnitte PK Bootsunglück: Sachverständiger zu Versuchsfahrten

Aus dem Bericht geht hervor, dass der Unfall hätte verhindert werden können. "Die Fahrweise des Bootsführers war bis zum Unfall unauffällig. Das Kentern des Bootes hätte jedoch verhindert werden können, wenn der Bootsführer die Geschwindigkeit reduziert hätte", heißt es in dem Bericht.

Sachverständiger Hermann Steffan: „Der echte Fehler war, dass nach dem ersten Eintauchen des Bugs der Schub des Bootes nicht zurück genommen wurde. Durch den Füllgrad des Bootes mit Wasser kam es zum raschen Kentern.“ Beim Nachstellen des Unfalles ist es durch die Rücknahme des Gashebels zu keinem Kentern mehr gekommen.

Die Teilnehmerinnen trugen Rettungswesten, allerdings war das Abnehmen der Westen unter dem Boot fast unmöglich. Drei Teilnehmerinnen waren in einer Luftblase unter dem Boot gefangen und wurden von zwei Bootsführern, die ohne Rettungswesten unter das Boot tauchten, herausgezogen.

Laut Oberst Herbert Walzer von der Disziplinarabteilung des Heeres war das Pionierboot in eine Schräglage geraten, so "dass es vermutlich nicht mehr zu retten war" und Sekunden später gekentert. Das Fahrverhalten sei als "unkritisch zu sehen" bis dahin, betonte der Offizier.


Ausschnitte PK Bootsunglück: Generalsekretär Verteidigungsministerium

Der Sachverständige Hermann Steffan sprach davon, dass das Boot zum Zeitpunkt des Kenterns "fast voll" (mit Wasser, Anm.) gewesen sei. Es habe sich wohl um zwei Kubikmeter gehandelt. Aus Sicht des Gutachters ist "kein Fahrfehler von vorne hinein" vorgelegen. Letztlich habe es sich um eine "Verkettung von Faktoren" gehandelt. In die Ausbildung aufzunehmen sei künftig, dass Gas weggenommen werden müsse, "wenn der Bug unterschneidet".

Klargestellt wurde bei einer Pressekonferenz im Verteidigungsministerium, dass ein Notruf abzusetzen gewesen wäre, "wenn ein Boot kentert". Das werde sich in Zukunft "in den Vorschriften wiederfinden", kündigte Generalsekretär Wolfgang Baumann an.

Den Angaben vom Mittwoch zufolge wurden drei Frauen etwa drei Minuten nach dem Unfall gerettet, die ebenfalls unter dem Boot eingeschlossen waren. Im Bugbereich habe sich eine Luftblase gebildet. Die Suche nach Vermissten sei "sofort" gestartet worden.

Die erst nach 39 bzw. 45 Minuten befreiten Girls' Camp-Teilnehmerinnen wurden vermutlich in den Bereich des Hecks gedrückt. Ehe man sie befreien habe können, hätten die Rettungswesten aufgestochen werden müssen. Seien Menschen unter einem Boot gefangen, könnten die Westen - aufgeblasen - auch problematisch sein, wie sich gezeigt habe.

Keine Auskünfte zu Gesundheitszustand

Über den Gesundheitszustand der 18- und 22-Jährigen würden auf Wunsch der Angehörigen weiterhin keine Auskünfte erteilt, sagte der Leiter der Personalsektion, Christian Kemperl, auf Nachfrage. Baumann betonte, das Ministerium werde "alles tun, um die beiden Familien zu unterstützen".

"Wir denken sehr nach, ob wir Veranstaltungen in dieser Art wieder durchführen", sagte Kemperle. Es werde jedenfalls eine Evaluierung geben. Zur Vermeidung von Unfällen wie jenem am 1. September müssten "die Sicherheitsbestimmungen, die bis jetzt schon sehr hoch waren, für Fahrten im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit noch mehr erhöht werden", hieß es seitens des Bundesheeres.

Die Schuldfrage wird im Bericht nicht geklärt, darüber haben die zuständigen Gerichte zu entscheiden.

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Der Unfall war im Rahmen eines sogenannten Girls' Camp des Heeres passiert. Das Pionierboot mit einem Unteroffizier als Steuermann war mit 13 Personen - acht Teilnehmerinnen an der Veranstaltung und fünf Soldaten - besetzt, als es kenterte. Zwei Frauen im Alter von 22 und 18 mussten in der Folge reanimiert werden. Sie waren unter das 8,5 Meter lange, 2,5 Meter breite und 2,5 Tonnen schwer Arbeits- und Transportboot geraten und einem Zeitprotokoll der Untersuchungskommission zufolge 39 bzw. 45 Minuten nach dem Kentern des Bootes aus dem Wasser gezogen worden.

Bundesheerboot-Unfall hätte verhindert werden können