Buch über rätselhafte Morde im Mostviertel

© Bild: Penz Marlene

Wolfgang Haidin greift in seinem Werk ein Massaker im Jahr 1947 an elf Menschen in St. Peter an der Au auf.

Am 24. Oktober 1947 wurden am Bauernhof Pernleiten in St. Peter an der Au (Bezirk Amstetten) elf Menschen, darunter sechs Kinder, ermordet. Neun wurden mit russischen Waffen erschossen, zwei mit einem Wäscherührholz erschlagen. Das Massaker ist bis heute ungeklärt.

Diesem Thema hat der Seitenstettner Wolfgang Haidin sein zweites Buch „Das Massaker am Sternleitenhof“ gewidmet. Die ersten 290 Seiten sind ein Roman. Der Autor hat aus Tatsachen und schriftstellerischer Fantasie mehrere Handlungsstränge konstruiert und balanciert zwischen Fiktion und Realität. Der zweite Teil beinhaltet auf 140 Seiten eine pure Dokumentation der Geschehnisse mit Auszügen aus dem Gerichtsakt, Originalfotos vom Tatort und Zeitzeugenberichten.

„Mit der Recherche habe ich bereits vor zwanzig Jahren begonnen. Ich war im Landesarchiv Niederösterreich, im Staatsarchiv in Wien und habe mit Zeitzeugen gesprochen“, erzählt der pensionierte Lehrer. Einer der ersten Zeitzeugen, den er traf, war ein Gendarm, der damals am Tatort war, dieser sagte, dass es da nichts zu erzählen gebe, das hatte Wolfgang Haidin erst recht motiviert, zu recherchieren.

Morddrohung

Außerdem wurde er mehrmals gefragt, ob er keine Angst habe, das Thema aufzurollen. Ein Sohn der ermordeten Untermieterfamilie lebte damals nicht mehr am Hof. In den 1950er-Jahren wollte er selbst recherchieren und bekam eine Morddrohung, er stellte die Nachforschungen ein. „Angst hatte ich nie. Als ich begann, waren schon 50 Jahre seit dem Mord vergangen, heute sind es 70, die Täter müssen schon sehr alt sein, falls sie überhaupt noch leben“, sagt Wolfgang Haidin.

Im Ort ist die Meinung vorherrschend, dass es Soldaten der russischen Besatzungsmacht waren. Der Autor glaubt das aber nicht: „Viele Fakten sprechen dagegen, dass russische Soldaten die Mörder waren“. Die Ermittlungen wurden damals nach zwei Wochen von den russischen Behörden an die österreichische Kriminalpolizei übergeben – sie stellte sie schnell ergebnislos ein.

Verfilmung

Der Autor hofft, dass sich nun weitere Menschen bei ihm melden, die ihm noch mehr über die damaligen Ereignisse erzählen können. „Durch die Arbeit am Buch habe ich viele neue Ideen gesammelt und überlege schon, was mein nächstes Werk werden könnte“, berichtet Wolfgang Haidin. Er könnte sich auch vorstellen, sein Buch verfilmen zu lassen und sucht nach interessierten Filmemachern.

Das Buch „Das Massaker am Sternleitenhof“ ab sofort im Buchhandel erhältlich oder unter www.tredition.de.

( kurier.at ) Erstellt am 15.06.2018