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Chronik Niederösterreich
02/20/2019

Böller riss 16-Jährigem Finger ab: Prozess gegen Perchten-Truppe

Fünf Vereinsmitglieder aus dem Bezirk Lilienfeld mussten auf der Anklagebank platznehmen. Sie kamen mit einer Diversion davon.

von Johannes Weichhart

Zumindest psychisch scheint er den schrecklichen Unfall ganz gut verkraftet zu haben, doch die Narben werden ein Leben lang bleiben.

Am 1. Dezember 2018 verlor ein junger Mann bei einem Perchtenlauf in Ramsau im Bezirk Lilienfeld drei Finger der linken Hand. Der 16-Jährige hatte im Glauben, ein bengalisches Feuer zu entzünden, einen Böller zur Explosion gebracht. Schwer verletzt ging er zu Boden, während rund um ihn die Krampusse für Stimmung sorgten.

„Ich habe einen lauten Pumperer gehört und mir zuerst gar nichts dabei gedacht. Dann habe ich gesehen, wie sich Sanitäter und Feuerwehrleute um einen Verletzten kümmerten“, sagte einer der Teilnehmer. Am Montag wurde der Fall vor Gericht verhandelt.

Bei dem Prozess erklärten die fünf Angeklagten – zwei Erwachsene und drei Jugendliche – wie es überhaupt zu der Tragödie kommen konnte.

Bengalisches Feuer

Tage vor der verhängnisvollen Veranstaltung waren die Männer nach Tschechien gefahren, um sich dort bengalische Feuer zu besorgen. Dabei stieß ihr Interesse aber auch auf Böller der Marke „Viper 5“. „Uns war klar, dass wir die in Österreich nicht bekommen“, berichtete einer der Angeklagten Richter Markus Grünberger. Sie kauften deshalb nicht nur die Bengalfeuer, sondern auch fünf Böller, einen davon zündeten sie noch in Tschechien. „Wir wollten die Wirkung sehen.“

Tage später stand der Auftritt der Perchten-Truppe in Ramsau auf dem Programm. Vorher umwickelten sie die bengalischen Feuer mit einem schwarzen Klebeband. Das Fatale daran: Die vergleichsweise harmlose Pyrotechnik sah damit den Böllern, die eine enorme Sprengkraft entfachen, zum Verwechseln ähnlich. Der 16-Jährige griff irrtümlich zum Böller, durch die Explosion wurden dem Schüler drei Finger abgerissen.

Die fünf Angeklagten kamen allesamt mit einer Diversion davon, müssen Sozialstunden leisten und Schmerzensgeld zahlen.

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