Chronik | Niederösterreich
08.11.2018

Belastende eMail: Rathaus-Affäre ist Fall für den Staatsanwalt

Oberster Beamter von Neunkirchen soll Test für Stellenausschreibung einem der Bewerber vorab zugespielt haben.

Die eMail, die die Kriminalbeamten schwarz auf weiß auf dem Tisch haben, wirft kein gutes Licht auf die hochnotpeinliche Affäre. Der Neunkirchner Stadtamtsdirektor Robert Wiedner steht im Verdacht, im Zuge einer Stellenausschreibung einen Bekannten mit internen Informationen versorgt zu haben. Mittlerweile ermitteln die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt und das nö. Landeskriminalamt wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses beziehungsweise Amtsmissbrauchs.

Um in der Causa vorerst die Wogen zu glätten, hat ÖVP-Bürgermeister Herbert Osterbauer seinen obersten Beamten auf Urlaub geschickt. Ob das reichen wird, um die Affäre um die Datenweitergabe im Rathaus auszustehen, ist allerdings fraglich.

Nachdem die Stadtgemeinde am 23. Mai die Stelle eines EDV-Systemadministrators ausgeschrieben hatte, soll Wiedner einen der Kandidaten den eigens dafür ausgearbeiteten Wissenstest inklusive der Antworten vorab per email von seinem Rathaus-Computer aus zugeschickt haben. Wiedner kennt den EDV-Techniker privat, weil dieser auch als Feuerwehrfunktionär tätig ist. Die Sache flog auf, als der Bewerber beim Test auffallend viele Fragen wortgleich mit dem Entwurf beantwortete.

Verdacht geschöpft

Als der für die Erstellung des Tests verantwortliche Mitarbeiter daraufhin Nachforschungen anstellte, ob jemand mit dem Bewerber vorab in Kontakt stand, stieß er am EDV-Server auf den belastenden email-Verkehr.

Eine anschließende Aussprache mit dem Bürgermeister und dem Stadtamtsdirektor sei gescheitert. Daher meldete der Rathausmitarbeiter den Zwischenfall dem Personalvertreter der Gewerkschaft, Harald Nemeth: „Wir haben uns mit unseren Juristen beraten und waren verpflichtet es zur Anzeige zu bringen.“

Osterbauer vermutet hinter der Anzeige eher eine politisch motivierte Handlung. Man hätte die Sache auch ohne Staatsanwalt und Gericht lösen können. „Die Optik ist natürlich nicht sehr gut. Ich sehe die Sache aber weit nicht so tragisch wie manche andere“, erklärt der Stadtchef.

Auch Osterbauer kennt den Bewerber freilich als Feuerwehrmitglied aus dem Bezirk. „Einen Auftrag, ihm den Test vorab zu geben, hat es von mir aber nicht gegeben“, greift der Bürgermeister etwaigen Gerüchten vor. Nachdem Wiedner nicht ewig auf Urlaub bleiben kann, hat Osterbauer vor, ihn demnächst ins Rathaus „zurückzuholen“.

Die SPÖ verlangt hingegen seine Suspendierung. Wiedner war für keine Stellungnahme zu erreichen.