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Chronik Niederösterreich
06/26/2019

Ausbau Gymnasium Keimgasse: Das Ende der Notlösungen

Die chronisch überfüllte AHS Keimgasse bekommt 18 neue Klassen. Bis dahin herrscht Baustellenbetrieb.

von Katharina Zach

Die Klassenräume sind drei Tage vor Schulschluss verwaist, doch aus dem Schulhof hallen Gelächter und das Klackern von Spraydosen.

An der Wand der Turnhalle prangen ein einen Regenbogen speiender Bär sowie zahlreiche Namen. Schüler sind eifrig dabei, sich künstlerisch auszutoben – und die Lehrer schauen zu.

Kein Problem, es war sogar deren Idee: Denn die Halle der AHS Keimgasse in Mödling wird in wenigen Wochen abgerissen. Mit Beginn der Sommerferien starten auch die Ausbauarbeiten für das notorisch überfüllte Gymnasium. Dreieinhalb Jahre sollen die Arbeiten dauern, dafür sollen nachher Wander- und Containerklassen sowie Unterricht in Nachbarschulen der Vergangenheit angehören.

Und so wird hinter den sprayenden Schülern bereits der Sportplatz weggerissen, die roten Leichtathletikbahnen liegen schon auf einem Haufen. „Wir bekommen 18 neue Klassenräume sowie einen neuen Verwaltungstrakt“, freut sich Direktor Michael Päuerl. „Weil jetzt haben die Lehrer weniger Platz, als in der EU-Schweineverordnung vorgeschrieben“, witzelt er.

Tatsächlich war die Situation für Schüler und Lehrer in den vergangenen Jahren nicht lustig. 32 Klassenräume gibt es momentan noch in der AHS, allerdings gab es bereits Schuljahre, in denen diese von 45 Schulklassen kam. „In der 1. Klasse waren wir in der Jakob-Thoma-Schule, die in der Nähe ist, in der 2. im Container“, erinnert sich die 14-jährige Lisa Pillhofer.

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Biologie- und Physiksäle wurden zweckentfremdet, Containerklassen errichtet. Einmal gab es sogar Unterricht im Jugendzentrum.Dazu kommen 95 Lehrkräfte, die sich in ein Lehrerzimmer für 50 Leute drängten. Zehn Jahre kämpften Päuerl und sogar schon seine Vorgängerin um den Ausbau.

Endlich 43 Klassen

Ab dem Schuljahr 2022/2023 soll es endlich 43 vollwertige Klassenzimmer, einen Veranstaltungssaal und auch eine Garderobe geben. „Wir werden dann Hausschuhschule“, kündigt Päuerl an.

Der neue viergeschoßige Kassen- und Verwaltungstrakt wird am Standort des alten Turnsaals errichtet, der neue Turnsaal – mit drei statt zwei Sälen – wird an die Grundstücksgrenze verlegt und verschwindet halb unter der Erde.

Etwa 8.000 Kubikmeter Erde müssen für die Bauvorhaben ausgehoben werden, schätzt Päuerl.

Jetzt heißt es aber noch einmal durchbeißen. Denn neben dem Turnsaal wird auch das Nordstiegenhaus abgerissen. Neun Klassen müssen daher vorübergehend in Container verlegt werden, vier Klassen weichen auf benachbarte Schulen aus. In diese muss auch der Turnunterricht verlegt werden.

Experten für Notlösungen

„Wir haben schon eine ganze Menge an Notlösungen getroffen in den vergangenen Jahren“, meint der Direktor. Auch dieses Mal werd man die Widrigkeiten schaffen. Und tatsächlich würde sich abgesehen von der Turn-Situation am Ist-Zustand wenig ändern.

Auch er selbst und seine Sekretariatsmitarbeiter packen nächste Woche ihre Sachen. Wegen des Baustellenlärms weichen sie auf Notquartiere aus.

Das Lehrpersonal wurde in die Planungen der Arbeiten eingebunden, sagt Päuerl. Und war aufgefordert kreative Lösungen einzubringen. Und so werden nicht nur Mädchen und Burschen mancher Schulstufen gemeinsam turnen, sondern es werden auch Workshops für Yoga, Krafttraining, Klettern oder Marathon-Lauftraining angeboten.

Die Schüler selbst, hoffen das Beste. „Es ist schon problematisch. Ich hoffe halt, dass wir nicht gestört werden durch Lärm – bei Schularbeiten oder so“, meint Pillhofer, die die Fertigstellung vor ihrer Matura aber nicht mehr erleben wird.

Sind die Neubauten errichtet, startet ab Frühling 2021 die Sanierungen des bestehenden Schulgebäudes. Zudem soll das Dach aufgestockt werden – für Ateliers im Rahmen des Unterrichts Bildnerische Erziehung.

Warnung vor Baustellenverkehr

Nicht nur der Schulbetrieb leidet unter den Arbeiten – auch die Anrainer müssen naturgemäß mit mehr Baustellenverkehr rechnen. Dieser wird vorwiegend über die Demelgasse und die Achsenaugasse abgewickelt, wobei auch Parkplätze wegfallen.

Die Schule rät Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, etwa die Zufahrt in die Demelgasse zu meiden. Auch die Toni-Berg-Promenade wird temporär gesperrt werden müssen.

Dennoch ist Direktor Päuerl überzeugt, dass der Umbau gut geplant ist. Er sieht das Positive: „Ab November bleiben uns Wanderklassen hoffentlich erspart.“