Chronik | Niederösterreich
13.04.2018

88-jähriger Mostviertler macht Alphörner aus Handarbeit

Die Instrumente der Porstenberger Alphornbläser hat der Gründer Josef Brandstetter selbst gemacht.

Josef Brandstetter hat Ende der 1980er-Jahre neue Töne im Mostviertel angeschlagen. Töne im Grundton Ges, Naturtöne aus einem Alphorn. „Ich hatte immer schon Interesse an den Alphörnern, aber davon hatte man, als ich nach dem Ende des Krieges angefangen habe, ein Instrument zu lernen, wenig gehört und man konnte das nirgends kaufen, außer vielleicht in der Schweiz – aber das war viel zu teuer“, erzählt der 88-Jährige aus Haag. Er ist Gründer der Porstenberger Alphornbläser, die weit über ihre Heimat hinaus zu Bekanntheit gelangt sind.

Seit 1990 gibt es die Musiker-Truppe, begonnen haben sie als Duo, heute sind es sechs Mann. Josef Brandstetter springt nur noch manchmal ein, wenn jemand verhindert ist, die Leitung hat er seinem Sohn Franz übergeben. „Ich bin ja schon ein älteres Register mit meinen 88 Jahren“, sagt der rüstige Senior. Alle Spieler haben ein Alphorn, das von dem pensionierten Landwirt handgefertigt wurde.

„Wir haben einen Wald und einmal, als ich da durchgelaufen bin, habe ich ein Naturgewächs gesehen, das ausgesehen hat, wie ein Alphorn. Und da habe ich mir gedacht, ich mache mir ein Alphorn selbst“, erinnert sich Brandstetter an die Anfänge seiner Alphorn-Karriere in den 1960ern. 3,47 Meter war das erste Exemplar lang. Das Spielen darauf hat er sich dann selbst beigebracht – Trompete und Flügelhorn hatte er gelernt. „Auch die Stücke habe ich anfangs selbst komponiert und die Noten aufgeschrieben“, blickt der Musiker zurück.

Leidenschaft

Für ein Alphorn braucht es ungefähr 150 Arbeitsstunden. Wie viele Hörner Josef Brandstetter im Laufe der Jahre insgesamt gemacht hat, kann er nicht genau sagen. Viele Anfragen hat er bekommen, aber nur für einige Auserwählte hat er aus Fichtenholz ein Alphorn gefertigt.

Er lacht, als er davon erzählt, wie die Leute gestaunt haben, wenn er und sein Freund mit den Alpenhörnern auf den Skiträgern durch die Orte gefahren sind, um auf Bergen zu spielen. „Heute sind sie einfacher zu transportieren, weil man sie in drei Teile zerlegen kann“, erklärt Josef Brandstetter.

Mit den Porstenberger Alphornbläsern war er in ganz Österreich und Bayern unterwegs und hat auf Festen, Hochzeiten und Messen gespielt. Das Highlight der jüngsten Zeit war, als die Mostviertler ihre Alphörner bei einer Messe im Wiener Stephansdom erklingen ließen.