Ausbildner Michael Farkas, Staatssekretärin Karoline Edtstadler und Ogün Tekeli, der Zivildiener des Jahres

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Chronik | Burgenland
03/17/2019

Zivildiener des Jahres: Menschen retten als Lebenssinn

Ogün Tekeli ist der Zivi des Jahres. Doch im Burgenland wollen immer mehr Stellungspflichtige zum Heer

Die Entscheidung zwischen Bundesheer und Zivildienst hat bei Ogün Tekeli nur einer kurzen Überlegung bedurft. „Es gibt für mich nichts wichtigeres, als Menschenleben zu retten“, sagt der 23-Jährige aus Neudörfl (Bezirk Mattersburg). Neun Monate lang war der gelernte Kunststofftechniker als Zivi beim Arbeitersamariterbund (ASB) in Weppersdorf im Einsatz.

Und weil es ihm so gut gefallen hat, ist er geblieben: Als Freiwilliger leistet Tekeli weiterhin jede Woche einen oder mehrere zwölfstündige Dienste beim Samariterbund. Für sein Engagement bekam der 23-Jährige als Landessieger für das Burgenland am Freitag eine Einladung zur Preisverleihung „Zi-vildiener des Jahres“ im Mai von Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) überreicht.

Leistungen wie jene von Herrn Tekeli seien für das Sozialsystem unverzichtbar, meinte Edtstadler. Ihr 18-jähriger Sohn sei auch bei einer Rettungsorganisation tätig. „Ich weiß, wie viel Zivildiener und Sanitäter leisten.“

Ausbildner Michael Farkas streut seinem ehemaligen Schützling Rosen: „Man braucht als Zivildiener viel Empathie, wie Ogün sie hat. Und man muss sich in die Menschen hineinversetzen können.“ Großes Einfühlungsvermögen attestiert dem „Zivi des Jahres“ auch ASB-Burgenland Präsident Johann Grillenberger: „Der junge Mann arbeitete sehr eigenständig und hat seine Kollegen dadurch tatkräftig unterstützt.“

Immer weniger

Obwohl der Bedarf an Diensten im Rettungs- und Krankentransport immer größer werde, würde die Zahl der Zivildiener jedes Jahr weiter abnehmen. Das sei nicht nur auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen, sagt Grillenberger. Grund dafür sei auch das gestiegene Interesse am Dienst beim Bundesheer.

Vor allem im ländlichen Raum komme für die Stellungspflichtigen der Zivildienst immer weniger in Frage. In einem kleinen Dorf mit elf Stellungspflichtigen hätte sich unlängst nur einer für den Zivildienst gemeldet. „Dabei wird unser Bedarf immer größer“, sagt Grillenberger. Um die gute Qualität innerhalb der Organisation aufrecht erhalten zu können, sei man auf Zivis angewiesen.

Bereits vor Jahren hat der ASB Burgenland eine Initiative gestartet, um das Defizit an Zivis etwas zu kompensieren: Im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres will man auch junge Frauen für den Einsatz im Rettungs-und Krankentransport gewinnen. Doch der Einsatz der „Sozialjahrleisterinnen“ schwanke sehr. „Das macht natürlich die Planbarkeit auch schwierig“, sagt ein ASB-Mitarbeiter.